Krisenregion Darfur Menschenrechtler werfen Armee Massenvergewaltigung vor

In der sudanesischen Krisenregion Darfur sind offenbar mehr als 220 Frauen von Soldaten missbraucht worden. Die Organisation Human Rights Watch hat die Gräueltaten dokumentiert.


New York/Tabit - Sudanesische Soldaten haben nach Erkenntnissen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) mindestens 221 Frauen und Mädchen sexuell missbraucht. Die Massenvergewaltigung geschah demnach im vergangenen Oktober in der Stadt Tabit, die in der Krisenregion Darfur liegt.

Die Organisation legte einen 48-seitigen Untersuchungsbericht vor, der sich auf Angaben Dutzender Einwohner der Stadt stützt. HRW-Direktor Daniel Bekel sprach von einem neuen "Tiefpunkt in der Serie von Gräueltaten in Darfur".

Der Bericht dokumentiert 27 Vergewaltigungsfälle. Zu den restlichen Fällen lägen glaubwürdige Angaben vor, hieß es. Anfang November hatte ein sudanesisches Nachrichtenportal über Vergewaltigungen in Tabit berichtet. Die Rede war von einem Vergeltungsakt nach dem Verschwinden eines Soldaten.

Vertreter der gemeinsamen Mission der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union in Darfur (Unamid) fanden bei einer Untersuchung aber keine Beweise. In einem vertraulichen Bericht klagten die Ermittler, die Anwohner seien von sudanesischen Soldaten eingeschüchtert worden. Unamid wollte deswegen erneut vor Ort nach Spuren des Verbrechens suchen. Die sudanesische Regierung untersagte das Vorhaben mit Verweis auf Unruhe in der Bevölkerung.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte daraufhin freien Zugang für Unamid. HRW drängt in dem Bericht nun den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu einer Untersuchung.

Die Unamid-Kräfte sind seit dem Jahr 2007 in Darfur stationiert, um die Zivilbevölkerung zu schützen und die Auslieferung von Hilfsgütern abzusichern. Nach einem Aufstand gegen die Zentralregierung im Jahr 2003 wurden in der Wüstenprovinz nach Uno-Angaben mehr als 300.000 Menschen getötet und zwei Millionen weitere aus ihren Häusern vertrieben. Der Präsident des Sudan, Umar al-Baschir, wird wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen in Darfur vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht.

sms/AP/AFP

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insgesamt 5 Beiträge
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Styx 12.02.2015
1. Hintergründe
Soldaten machen sowas nicht aus Spaß. Es ist eine veraltete Form der Kriegsführung. (Ich musste eben nachschauen ob Vergewaltigung im Krieg heutzutage ein Verbrechen ist. Ist es tatsächlich!) Früher war es ein legitimes Mittel um den Feind psychisch zu schwächen - bei ungewollter Schwangerschaft erst recht. In Afrika nutzt man heute noch eine verschärfte Variante indem man den Frauen im Anschluss die Brüste abschneidet. Dadurch können sie keine Nachkommen ernähren (schlimm in Afrika) verbrauchen aber weiterhin Ressourcen des eigenen Landes. Ähnliches lernt man bei der Bundeswehr: gegnerische Soldaten nicht töten sondern möglichst schwer verletzen (Bauchschuss, Beine wegsprengen etc.). Dadurch werden Ressourcen im Feindesland gebunden.
lilsue66 12.02.2015
2. unglaublich...
...dass für die Gewalt, die über 220 menschen in einem monat angetan wurde, ein bericht von schlappen 48 seiten reicht. und das es nicht mal für einen internationalen aufschrei reicht.
veloopity 13.02.2015
3. Panorama
ist nur eine Nebenfrage, aber wieso steht das unter "Panorama" und nicht unter "Politik" wie die anderen täglichen furchtbaren Greueltaten?
mellus 15.02.2015
4. @Styx
Zitat: "Ähnliches lernt man bei der Bundeswehr: gegnerische Soldaten nicht töten sondern möglichst schwer verletzen (Bauchschuss, Beine wegsprengen etc.). Dadurch werden Ressourcen im Feindesland gebunden." Das stand also auf dem Lehrplan, als Sie bei der Bundeswehr Ihre Ausbildung gemacht haben. Darf man fragen, wann und wo das gewesen sein soll ?
Europa! 15.02.2015
5. Lysistrata
In jedem Krieg werden Frauen vergewaltigt. Daran sollten alle Frauen und Mädchen denken, wenn ihre Männer und Freunde mal wieder zum Krieg hetzen.
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