Kritik an Urteil im Sudan Gericht verhängt Todesstrafe gegen 19-Jährige

Ein Gericht im Sudan hat eine 19-Jährige wegen des Mordes an ihrem Ehemann zum Tode verurteilt. Sie gibt an, in Notwehr gehandelt zu haben: Der Mann, den sie heiraten musste, habe sie vergewaltigt.

Umar al-Baschir
AFP

Umar al-Baschir


Ein Gericht im Sudan hat am Donnerstag eine 19-Jährige zum Tode verurteilt. Noura Hussein wurde für schuldig befunden, ihren Ehemann getötet zu haben. Aktivisten im Land fordern von Präsident Umar al-Baschir, das Urteil aufzuheben: Die junge Frau habe in Notwehr gehandelt, ihr Mann habe sie vergewaltigt.

Noura Hussein gab an, ihr Vater habe sie bereits als 16-Jährige mit ihrem Cousin verheiratet. Sie sei daraufhin zu einer Verwandten geflohen und habe drei Jahre dort gelebt. Ihr Vater habe sie dann im April dieses Jahres unter einem falschen Vorwand nach Hause gelockt und sie an die Familie ihres Ehemannes übergeben.

Sie habe sich geweigert, Sex mit ihrem Ehemann zu haben, sagte Hussein. Am sechsten Tag hätten drei seiner Verwandten sie festgehalten und ihr Ehemann habe sie vergewaltigt. Am folgenden Tag habe er es erneut gewaltsam versucht. Sie habe ihn stoppen wollen und dabei mit einem Messer auf ihn eingestochen. Er erlag den Verletzungen.

"Ein Opfer und keine Kriminelle"

Ein Gericht befand die 19-Jährige im vergangenen Monat wegen Mordes für schuldig. An diesem Donnerstag wurde dann in Omdurman die Todesstrafe gegen sie verhängt. Ihre Anwälte haben nun 15 Tage Zeit, Einspruch einzulegen. Einer ihrer Rechtsvertreter, Ahmed Sebair, erklärte, er und seine Kollegen würden das Urteil anfechten.

Einer der Aktivisten von "Afrika Youth Movement", Badr Eldin Salah, war im Gericht anwesend. Er sagte, dem Gesetz nach habe die Familie des Ehemannes entweder eine Geld- oder die Todesstrafe fordern können. Die Anwälte der jungen Frau wollten zwar gegen das Urteil vorgehen. "Aber wir brauchen internationale Unterstützung von Organisationen wie der Afrikanischen Union, den Vereinten Nationen und der Europäischen Union."

Die junge Frau sei ein Opfer und keine Kriminelle, sagte auch der Direktor der Organisation "Equality Now". "In zahlreichen Ländern würde Noura Hilfe bekommen, um ihr Trauma zu bewältigen." Man wende sich nun an den Präsidenten und an internationale Organisationen, um ihr zu helfen. Eine Petition mit dem Titel "Gerechtigkeit für Noura. Richtet Noura nicht dafür hin, dass sie sich gegen den Mann verteidigt hat, der sie vergewaltigte!" hat inzwischen knapp 61.000 Unterzeichner.

Amnesty International nannte das Todesurteil gegen die Frau eine "nicht tolerierbare Grausamkeit". Es zeige einmal mehr das Versagen der sudanesischen Behörden, die Gewalt anzuerkennen, die sie erleiden musste.

aar/AP/Reuters

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