Sudan Zum Tode verurteilte Christin erneut eingesperrt

Sie war nur kurz in Freiheit: Die zum Tode verurteilte Sudanesin Mariam Yahya Ibrahim, die am Montag aus der Haft entlassen wurde, ist laut Nachrichtenagentur Reuters wieder festgenommen worden. Sie soll versucht haben, aus dem Land zu fliehen.

Ibrahim mit ihrem neugeborenen Kind (Mitte): Keine offizielle Stellungnahme
AFP/ HO

Ibrahim mit ihrem neugeborenen Kind (Mitte): Keine offizielle Stellungnahme


Khartum - Das Schicksal von Mariam Yahya Ibrahim bleibt ungewiss. Sicherheitskräfte sollen die junge Frau erneut festgenommen haben, nachdem die zum Tode verurteilte Christin versucht haben soll, mit ihrem Mann und zwei ihrer Kinder ein Flugzeug zu besteigen. Laut BBC wollte die Familie in die USA ausreisen, anderen Medien zufolge wollten sie in den Südsudan.

Laut Informationen der Nachrichtenagentur AFP wurde auch der Ehemann der Verurteilten, ein christlicher US-Bürger, festgesetzt. Beide seien im Gewahrsam des sudanesischen Geheimdiensts Niss. Über den Verbleib der beiden kleinen Kinder des Paares sei nichts bekannt.

Keine 24 Stunden zuvor hatte ein Gericht die Freilassung Ibrahims angeordnet. "Das Berufungsgericht hat die Freilassung von Mariam Yahya verfügt und die Aufhebung des vorausgegangenen Gerichtsentscheids", meldete die sudanesische Nachrichtenagentur Suna am Montag. Auch die Anwälte bestätigten die Meldung: "Mariam wurde vor einer Stunde freigelassen", sagte Mohanad Mustafa. Eine offizielle Stellungnahme zu den jetzigen Berichten über eine erneute Festnahme gibt es nicht.

Ein Gericht in der sudanesischen Hauptstadt Khartum hatte Ibrahim am 15. Mai wegen "Gotteslästerung" und "Abfall vom Glauben" zum Tode durch Erhängen verurteilt. Im Jahr 2012 hatte sie den Christen Daniel Wani geheiratet - die Ehe gilt jedoch laut sudanesischer Interpretation der Scharia als ungültig. Wegen Ehebruchs wurde sie zusätzlich zu 100 Peitschenhieben verurteilt. Im Gefängnis brachte sie wenig später ein Kind zur Welt, bei der Geburt soll sie angebunden gewesen sein.

EU-Kommission, Europarat und Europaparlament sowie die Vertreter der wichtigsten Religionsgemeinschaften in Europa hatten den Sudan aufgefordert, das "unmenschliche Urteil" gegen die junge Frau aufzuheben. Die 27-Jährige hatte Berufung gegen den Schuldspruch eingelegt.

vks/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.