Angeblicher Ehebruch Sudanesin zum Tod durch Steinigung verurteilt

Eine Frau im Sudan soll durch Steinigung sterben. Ihr wird Ehebruch vorgeworfen. Der Richterspruch stützt sich allein auf das Geständnis der Frau - und das soll unter Folter entstanden sein. Menschenrechtler prangern das Urteil als Willkürjustiz an.


Khartum - Der Fall hat heftige Proteste der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ausgelöst: Die Sudanesin Intisar Sharif Abdallah soll wegen Ehebruchs durch Steinigung hingerichtet werden. Der Organisation zufolge hatte sich die Angeklagte zunächst nicht schuldig bekannt, dann aber ein Geständnis abgelegt - nachdem ihr Bruder sie geschlagen haben soll. Ein anderes Beweismittel gibt es in dem Fall nicht.

Zudem hatte die Frau laut Amnesty International weder Zugang zu einem Anwalt noch zu einem Dolmetscher. Deshalb sei sie gar nicht in der Lage gewesen, dem Verfahren auf Arabisch zu folgen. Derzeit sitzt die Frau in Haft. Ihr genaues Alter ist unklar. Laut Amnesty ist sie 20, der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zufolge könnte sie aber unter 18 sein.

Die Verurteilte hat drei Kinder, das jüngste davon - ein vier Monate alter Junge - ist bei ihr in Haft. Ihre beiden älteren Kinder werden von der Familie versorgt. Einige Familienmitglieder wollen offenbar versuchen, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Wann der Richterspruch vollstreckt werden soll, ist laut Amnesty International offen.

Laut "Guardian" wurden im Sudan in den vergangenen Jahren mehrere Frauen zum Tod durch Steinigung verurteilt. Die Richtersprüche seien aber alle von höheren Instanzen aufgehoben worden. Bei der großen Mehrheit der Fälle von Ehebruch und Steinigungs-Urteilen seien die Angeklagten Frauen gewesen.

ulz

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