Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Gewaltausbruch in Suhl: Angeklagte Flüchtlinge entschuldigen sich

Angeklagte im Landgericht Meiningen Zur Großansicht
DPA

Angeklagte im Landgericht Meiningen

17 Verletzte, 66 Tatverdächtige: Im thüringischen Suhl war im August ein Streit zwischen Flüchtlingen eskaliert, nun stehen fünf Beschuldigte vor Gericht. Vier von ihnen äußerten beim Prozessauftakt Bedauern.

Im Prozess um Ausschreitungen in einer Flüchtlingsunterkunft im thüringischen Suhl haben sich vier der fünf Angeklagten für die Vorfälle entschuldigt. Sie bestritten jedoch, Menschen verletzt zu haben. Der Anwalt eines 18-Jährigen sagte, sein Mandant empfinde tiefe Scham. Er habe sich von anderen aufstacheln lassen.

Die Staatsanwaltschaft wirft den fünf Angeklagten enthemmte Gewalt vor. Die 18 bis 27 Jahre alten Männer hätten aus einer aufgebrachten Menschenmenge heraus Eisenstangen, Steine und Knüppel eingesetzt, sagte Staatsanwalt Markus Knapp zu Prozessbeginn am Landgericht Meiningen. Knapp sprach von einer regelrechten Jagd auf Polizeibeamte und ein Kamerateam des Senders MDR. Das bestätigte eine 24 Jahre alte Beamtin, die bei dem Einsatz verletzt wurde.

Eskalation eines Streit um den Koran

Die Staatsanwaltschaft wirft einem 24-jährigen Iraker versuchten Totschlag vor, weil er bei den Ausschreitungen im Vorjahr mit erhobener Eisenstange schreiend auf eine Polizistin zugerannt sein soll. Zwei männliche Beamte hätten sie nur mit Mühe und unter mehrfachem Einsatz von Pfefferspray schützen können. Die vier anderen Angeklagten sind wegen schweren Landfriedensbruchs angeklagt. "Sie beteiligten sich wissentlich und willentlich an den Ausschreitungen", sagte der Staatsanwalt.

In dem überfüllten Flüchtlingsheim in Suhl war in der Nacht auf den 20. August 2015 die Lage eskaliert, nachdem ein 25-Jähriger mehrere Seiten aus einem Koran gerissen und demonstrativ in eine Toilette geworfen haben soll. Sechs Polizisten und elf Flüchtlinge wurden verletzt. Rund 120 Polizisten mussten ausrücken, um den Gewaltexzess unter Kontrolle zu bringen. Die Angeklagten sitzen seit vergangenem Herbst in Untersuchungshaft.

Sieben Monate nach den Ausschreitungen ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft inzwischen gegen insgesamt 18 Tatverdächtigte Anklage erhoben worden. Gegen weitere 48 Tatverdächtige liefen die Ermittlungen noch, sagte Knapp. Für den ersten Prozess hat das Landgericht zunächst drei weitere Verhandlungstermine angesetzt, weitere Prozesse in Meiningen sollen folgen.

mxw/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: