"Saat des Bösen" Gang in Thüringen soll 17-Jährigen wochenlang gequält haben

Die Bande "Saat des Bösen" wurde einst von Häftlingen gegründet. Nun sollen drei Mitglieder in Suhl einen 17-Jährigen entführt, gequält und zu Straftaten gezwungen haben.


Wegen erpresserischen Menschenraubs haben Ermittler drei Mitglieder der kriminellen Gang "Saat des Bösen" verhaftet. Gegen mindestens fünf weitere Helfer werde noch ermittelt, teilte eine Polizeisprecherin mit. Die Männer sollen einen 17-Jährigen im Dezember über mehrere Wochen in einer Wohnung im thüringischen Suhl gefangen gehalten und gequält haben.

Sie hätten ihn gefesselt, mit einem Messer bedroht und verletzt sowie an einigen Körperteilen mit brennbarer Flüssigkeit überschüttet und angezündet, so die Polizeisprecherin. Außerdem sollen sie den jungen Mann zu Diebstählen und dem Verkauf von Drogen gezwungen haben.

Wenige Tage nachdem sich das Opfer bei der Polizei gemeldet hatte, habe sich ein 18-Jähriger gestellt, hieß es. Er habe ein Geständnis auch zu weiteren Straftaten abgelegt. Sein 21 Jahre alter, mutmaßlicher Komplize versteckte sich laut Polizei über mehrere Wochen in einer Wohnung. Er habe sich nach seiner Festnahme nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Spezialkräfte des LKA schlugen zu

Am Mittwoch sei es nun mit Hilfe von Spezialkräften des Landeskriminalamtes gelungen, einen weiteren 23-Jährigen festzunehmen. Die Ermittler sehen in ihm den Haupttäter in diesem Fall. Er hat nach Angaben der Polizei offenbar seine Stellung in der Hierarchie der Bande ausgenutzt, um Gangmitglieder zu Straftaten zu nötigen. Dabei gehe es um Diebstahl, Drogendelikte und Erpressung. Es handle sich um einen polizeibekannten Intensivstraftäter.

Die Ermittler gehen davon aus, dass das Trio von weiteren Helfern unterstützt wurde, die ihnen etwa ihre Wohnungen als Versteck zur Verfügung stellten oder Informationen lieferten. Die Schilderungen des Opfers zum Tatablauf bewerten die Ermittler als schlüssig und berufen sich dabei auch auf eine rechtsmedizinische Begutachtung seiner Verletzungen.

Die Gruppe "Saat des Bösen" fällt immer wieder durch Straftaten in Thüringen auf. Entstanden ist sie zwischen 2006 und 2009 im damaligen Jugendgefängnis Ichtershausen. Nach der Entlassung des Anführers fasste die Gruppe in Suhl Fuß und breitete sich in Thüringen aus.

wit/dpa

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