Royal-Berichterstattung: "Sun"-Reporter soll für Informationen Schmiergeld gezahlt haben

Nachrichten aus der königlichen Familie sind in der britischen Boulevardpresse begehrt. Ein Reporter der "Sun" soll nun zu weit gegangen sein - und 23.000 Pfund an Angestellte der Militärakademie Sandhurst gezahlt haben. Dort wurden die Prinzen William und Harry ausgebildet.

London - Ein Angestellter der britischen Boulevardzeitung "Sun" muss sich wegen Bestechungsvorwürfen vor Gericht verantworten. Der Chefkorrespondent für die Royal-Berichterstattung soll Schmiergeld in Höhe von 23.000 Pfund an Angestellte der Militärakademie Sandhurst gezahlt haben, um an Informationen über Mitglieder der Königsfamilie zu gelangen.

An der Akademie wurden etwa Prinz William und Prinz Harry ausgebildet - seit jeher lohnende Ziele für die Boulevardpresse. Die insgesamt 34 Zahlungen sollen an einen Soldaten und dessen Frau gegangen sein. Der Mann diente an der Akadamie, als die Prinzen ebenfalls dort waren. Das Geld soll für Informationen gezahlt worden sein, die zwischen Februar 2006 und Oktober 2008 in Artikeln verwendet wurden.

Eine weitere Person in Sandhurst soll 1250 Pfund für fünf Texte bekommen haben, die 2005 und 2006 in dem Blatt erschienen. Wie genau der Reporter sich Informationen beschafft haben soll, teilte die Staatsanwaltschaft nicht mit.

Der Royal-Reporter ist einer von mehreren führenden "Sun"-Mitarbeitern, die sich wegen Gesetzesverstößen oder Verletzung der journalistischen Ethik verantworten müssen.

Die Verfahren kamen im Zuge des Skandals um das inzwischen eingestellte Murdoch-Blatt "News of the World" ins Rollen. 2011 war bekannt geworden, dass Journalisten Telefone angezapft, Leute erpresst und ausspioniert hatten, um an Informationen zu gelangen. Viele Reporter und auch Polizisten wurden festgenommen und entlassen.

Am Mittwoch wurde zudem bekannt, dass die Polizei in einem der zentralen Fälle des "News of the World"-Skandals Abhörvorwürfe ignorierte und Ermittlungen einstellte. Es habe bereits im Jahr 2002 Hinweise darauf gegeben, dass das Handy der ermordeten Schülerin Milly Dowler von Journalisten abgehört worden sei, hieß es am Mittwoch von einer unabhängigen Kommission zur Überwachung der Polizei. Warum daraufhin keine weiteren Ermittlungen stattfanden, konnte die Kommission nicht herausfinden. Es gebe offenbar eine Art "kollektiven Erinnerungsverlust" bei der zuständigen Polizeibehörde der Grafschaft Surrey.

Der Fall Milly Dowler hatte den Skandal 2011 ins Rollen gebracht. Milly war 2002 im Alter von 13 Jahren verschwunden und später ermordet aufgefunden worden. Journalisten hatten ihre Handy-Mailbox angezapft und damit unter anderem den Eltern falsche Hoffnungen gemacht, dass sie noch am Leben sei.

ulz/AP/dpa

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