Erfolg vor Londons höchstem Gericht Frau darf Jahrzehnte nach Scheidung auf Unterhalt klagen

Seit 23 Jahren ist Kathleen Wyatt schon geschieden, ihr Ex wurde in der Zwischenzeit steinreich. Nun fordert die Frau rückwirkend Unterhaltszahlungen in Millionenhöhe.

Kathleen Wyatt (l.) mit ihrer Anwältin vor dem Londoner Supreme Court: Ein Sieg mit weitreichenden Folgen
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Kathleen Wyatt (l.) mit ihrer Anwältin vor dem Londoner Supreme Court: Ein Sieg mit weitreichenden Folgen


London - Als Dale Vince und Kathleen Wyatt im Jahr 1981 heirateten, waren sie beide arm, mit ihrem gemeinsamen Sohn führten sie ein unstetes Leben. Die Ehe hielt drei Jahre, die offizielle Scheidung folgte 1992.

Arm ist inzwischen nur noch Kathleen Wyatt. Ihr Ex-Mann hingegen ist Gründer eines millionenschweren Unternehmens für nachhaltige Energieversorgung, er gilt als Öko-Tycoon. Vor Gericht will Wyatt Geld von ihrem Ex erstreiten - und der britische Supreme Court bestätigte sie nun in ihrem Vorhaben. Die Richter entschieden, dass ihre Klage rechtens ist.

Es ist eine Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen. "Das ist eindeutig ein Urteil, auf das man sich künftig in ähnlichen Fällen beziehen wird, wenn einer der Partner in den Jahren nach der Scheidung reich wird", sagte Anwältin Marilyn Stowe. Um entsprechenden Klagen vorzubeugen, sollten Betroffene nach der Trennung eine finale Einigung unterzeichnen.

Im Fall von Dale Vince sah es zunächst nicht danach aus, als würde er mit Reichtum gesegnet werden. Nach der Trennung zog er jahrelang in einem umgebauten Rettungswagen durchs Land, er besuchte Festivals und Anti-Atomwaffen-Demos. Anfang der Neunzigerjahre fing er dann an, sich für das Thema umweltfreundliche Energie zu interessieren: Auf dem Glastonbury Musikfestival experimentierte er beispielsweise mit Windenergie und bot Besuchern die Handynutzung mit Ökostrom an.

Eine Klage mit "erheblichen Schwierigkeiten"

Heute ist Vince 53 Jahre alt. Sein Unternehmen Ecotricity ist geschätzt knapp 81 Millionen Euro wert. Von der Queen wurde er wegen seines Einsatzes für die Umwelt mit dem Order of the British Empire ausgezeichnet.

Seine Exfrau ist 55 Jahre alt und führt mit ihren vier Kindern "ein unstetes Leben", wie es vor Gericht hieß: Sie hält sich demnach mit Gelegenheitsjobs über Wasser und erhält Unterstützung vom Staat. Im Jahr 2011 klagte sie erstmals und forderte von Vince 2,7 Millionen Euro. Ihre Begründung: Sie habe den gemeinsamen Sohn ohne finanzielle Unterstützung des Vaters großgezogen.

Ihre Klage wurde 2013 zunächst abgewiesen. Also zog Wyatt vor den Supreme Court. Dort ging es nun nicht um die Entscheidung, ob der Frau Geld zusteht. Sondern um die grundsätzliche Frage, ob eine solche Klage auch Jahrzehnte nach der Scheidung zulässig ist.

Wyatts Forderung sei zwar mit "erheblichen Schwierigkeiten" verbunden, hieß es vom höchsten Gericht. Das Argument der Kindererziehung wiege allerdings schwer. Der Fall soll nun vor einem Familiengericht fortgeführt werden.

aar/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
spon-1280943165745 11.03.2015
1. 2,7 Mill. werden das nicht werden
Es ist gut das die Klage zugelassen wird um Rechtssicherheit herzustellen, ob dabei allerdings die angestrebten 2,7 Mill. rüberkommen glaube ich nicht. Wichtig für die Klärung sind einige Fakten die nicht in dem Beitrag stehen: 1. Hat der Mann nach der Scheidung für die Kinder Unterhalt gezahlt? 2. Wann ist er zu Geld gekommen? 3. Wie sieht es mit der Verjährung aus? Dazu kommt noch die Frage wie das englische Unterhaltsrecht für die Kinder geregelt ist. Was man sicher schon jetzt sagen kann ist das es sicher keine Hollywood-Scheidung (50/50( geben wird, da der Mann seinen Reichtum ja erst nach der Scheidung errreicht hat.
bissig 11.03.2015
2. Man muss den Artikel schon bis zum Ende lesen
Ihre Begründung liegt in der Erziehung des gemeinsamen Sohnes ohne finanzielle Unterstützung seitens des Vaters. Nicht darin, dass er einfach nach der Scheidung reicht geworden ist. D.h. sie fordert einen Unterhalt für das gemeinsame Kind, und der Unterhalt richtet sich hier anscheinend nach dem Einkommen des Vaters. Die Überschrift ist (mal wieder) irreführend. Ob man das Vorgehen oder das Urteil jetzt gut findet oder nicht, ist was ganz anderes
lasterfahrer 11.03.2015
3.
weiss ja nicht wie das in england ist, aber wenn der vater keinen unterhalt zahlt, dann springt doch bei uns dachte ich das jungendamt ein. wenn das in E genauso ist, dann hätte doch höchstens das dortige amt die berechtigung eine forderung einzuklagen. und wenn es wirklich nur um ausstehenden unterhalt geht, dann sind 2,7 Mio einfach nur total überzogen. hier hat einfach jemand die gelegenheit gesehen, um mal eben fix an eine grössere menge geld zu kommen.
spon-1280943165745 11.03.2015
4. Unterhaltsprobleme
Das der Staat die Unterstützung zahlt, diesen Punkt habe ich tatsächlich überlesen. Nach deutschem Recht würde der Vater wohl vom Staat zur Kasse gebeten. Ob sie im Namen ihres Kindes noch Ansprüche wage ich zu bezweifeln, da das Vermögen ja erst nach der Scheidung erworben wurde. Eine Entschädigung vom 2,7 Mill. liegt aber sicher nicht drin, schließlich hat das Kind ja nie an dem, durch das Vermögen erworbenem Lebensstandard Anteil gehabt. Sie schreiben es ja selber nach dem Einkommen des Vaters, nicht nach dem Vermögen. Wobei immer noch die Frage bleibt wie das Unterhaltsrecht in England geregelt ist. Da aber auf See und vor Gericht alles möglich ist sollten sich beide Parteien vielleicht außergerichtlich einigen. Das spart Gerichtskosten und kommt schließlich dem Kind zu gute.
Mindbender 11.03.2015
5. ...
Zitat von bissigIhre Begründung liegt in der Erziehung des gemeinsamen Sohnes ohne finanzielle Unterstützung seitens des Vaters. Nicht darin, dass er einfach nach der Scheidung reicht geworden ist. D.h. sie fordert einen Unterhalt für das gemeinsame Kind, und der Unterhalt richtet sich hier anscheinend nach dem Einkommen des Vaters. Die Überschrift ist (mal wieder) irreführend. Ob man das Vorgehen oder das Urteil jetzt gut findet oder nicht, ist was ganz anderes
Irreführende Überschrift? Da steht doch eindeutig "Unterhalt" und im ersten Satz des Artikels "gemeinsamer" Sohn. Recht eindeutig. Wobei es, wenn es so ist wie in Deutschland, natürlich zusätzlich um x Jahre Unterhalt für die Ex-Frau gehen könnte, _das_ noch im Artikel zu erwähnen wäre interessant gewesen. Ich bezweifel ganz stark, dass so eine rückwirkende Klage in England (oder in Deutschland) Erfolg haben würde.
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