Susan Atkins Manson-Anhängerin stirbt im Gefängnis an Krebs

Susan Atkins gehörte 1969 zu dem Killer-Kommando, das im Auftrag von Charles Manson brutal fünf Menschen ermordete - und verbrachte dafür den Rest ihres Lebens in Haft. Jetzt ist die 61-Jährige nach langem Krebsleiden gestorben. Mit Manson hatte sie schon lange gebrochen.

AP

Los Angeles - Die Charles-Manson-Anhängerin Susan Atkins ist ihrer Krebserkrankung erlegen. Die verurteilte Mörderin starb am Donnerstagabend, wie eine Justizsprecherin in Kalifornien mitteilte.

Die 61-Jährige litt an einem Gehirntumor. Ihr linkes Bein war amputiert worden, außerdem war ihre rechte Körperhälfte gelähmt. Die kalifornische Kommission für Haftentlassung hatte im Juli eine Begnadigung der todkranken Frau abgelehnt. Atkins gehörte zu der berüchtigten Manson-Familie, die 1969 mehrere Morde in Los Angeles verübte.

Zusammen mit drei anderen Manson-Verehrern richtete Atkins am 8. August im Haus des Regisseurs Roman Polanski im Prominentenviertel Bel Air ein Blutbad an. Dabei wurden Polanskis Ehefrau, die Schauspielerin Sharon Tate, und vier weitere Menschen brutal mit 100 Messerstichen getötet. Die hochschwangere Tate starb zuletzt: 16 Mal rammte Atkins ihr Küchenmesser in den Körper der Frau, nachdem Tate sie noch angefleht hatte, das Leben ihres ungeborenen Kindes zu verschonen. "Ich habe ihr gesagt, dass ich kein Mitleid mit ihr habe", sagte Atkins später aus.

Morde für den Rassenkrieg

Die Manson-Familie stand unter dem uneingeschränkten Einfluss des gescheiterten Musikers und Kriminellen Charles Manson. Der charismatische Anführer hing der wirren Idee an, mit den Morden an Prominenten einen Rassenkrieg zwischen Weißen und Schwarzen loszutreten, aus dessen Chaos er selbst als Herrscher hervorgehen würde. Seine Anhänger hatte er zuvor in der Einsamkeit des Death Valleys, einer lebensfeindlichen Wüste im Osten Kaliforniens, auf seine verquere Ideologie eingeschworen.

Die Polizei kam ihnen erst durch einen Zufall auf die Spur, und Susan Atkins spielte dabei die zentrale Rolle: Im Oktober 1969 wurde die Gruppe um Manson wegen Autodiebstahl festgenommen. In der Zelle brüstete sich Atkins gegenüber einer Mitgefangenen damit, beim Mord an Sharon Tate dabei gewesen zu sein. Kurze Zeit später hatte die Polizei den Fall gelöst.

Beim Mordprozess 1970 gegen Manson, Atkins und zwei weitere Anhängerinnen spielten sich groteske Szenen ab, die zeigten, wie total die Kontrolle des Anführers über seine "Familie" war: Auf seinen Augenaufschlag hin standen die Frauen während der Verhandlung auf, um wie im Wahn zu kreischen; als Manson sich den Schädel rasierte, taten sie es ihm gleich, und nachdem er sich ein Kreuz auf die Stirn geritzt hatte, fanden sich kurz darauf auch bei den Frauen gekreuzte Narben auf der Stirn.

Zweites Leben als wiedergeborene Christin

Am Ende des Verfahrens verhängten die Richter die Höchststrafe: Tod in der Gaskammer, auch für Charles Manson, den Spiritus rector der Morde. Doch die Verurteilten entgingen der Todesstrafe. Als der oberste Gerichtshof 1972 die Todesstrafe vorübergehend für verfassungswidrig erklärte, wurden die Urteile gegen die Manson-Familie in lebenslange Haft umgewandelt. Sie blieben es auch, als Kalifornien 1978 die Todesstrafe wieder eingeführt wurde.

Im Gefängnis wandten sich alle Anhänger Mansons von ihm ab. Susan Atkins verbrachte den Rest ihres Lebens in Haft - als wiedergeborene Christin.

tht/AP



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.