Mordfall Susanna Bundespolizei-Chef begleitete Ali B. aus dem Irak

Ali B. ist zurück in Deutschland. Der mutmaßliche Mörder der 14-jährigen Susanna wurde auf dem Flug von Erbil von den irakischen an die deutschen Behörden übergeben. Mit dabei war Bundespolizeichef Dieter Romann.


Dunkle Gewitterwolken hängen über Frankfurt, als Lufthansa-Flug 697 am Samstagabend aus Erbil auf einer Außenposition landet. An Bord ist der 20-jährige Ali B., dem Mord an der 14-jährigen Susanna verdächtig. Nur eine Woche nach seiner Flucht in den Nordirak kehrt er unfreiwillig nach Deutschland zurück. Er war von kurdischen Sicherheitskräften festgenommen worden. Den kurdischen Ermittlern zufolge hat Ali B. die Tötung des Mädchens aus Mainz gestanden.

Er habe sehr angespannt und nervös gewirkt, berichtet die RTL-Korrespondentin Kavita Sharma, die mit an Bord des Flugzeugs war. Der 20-Jährige habe in der vorletzten Reihe gesessen, abgeschirmt von Bundespolizisten. Insgesamt seien höchstens 20 andere Passagiere an Bord gewesen, berichten mehrere Mitreisende. Ali B. sei während des rund viereinhalbstündigen Fluges eingeschlafen.

Bei der Landung in Frankfurt warten bereits ein Polizeihubschrauber und ein Streifenwagen. Alle anderen Passagiere hätten zuerst das Flugzeug verlassen müssen, erzählt Sharma. Ali B. sei sitzengeblieben, ein Bus brachte die Reisenden zum Terminal. Der Tatverdächtige wird in einen bereitstehenden Polizeiwagen geführt und per Polizeihubschrauber ins nah gelegene Wiesbaden geflogen, wo er im Polizeipräsidium Westhessen noch am Abend vernommen werden sollte.

Ali B. nach seiner Ankunft in Frankfurt
REUTERS

Ali B. nach seiner Ankunft in Frankfurt

Der Chef der Bundespolizei, Dieter Romann, war einem Bericht der "Bild-Zeitung" zufolge selbst bei dem Flug nach Deutschland dabei. Nach der vorläufigen Festnahme in der Nacht zum Freitag habe der Vertreter der kurdischen Regionalregierung ihn um eine Abschiebung des Tatverdächtigen nach Deutschland gebeten. "Ich habe diesem Wunsch entsprochen, woraufhin Beamte der Bundespolizei am Morgen nach Erbil gereist sind", sagte er der Zeitung.

Die deutschen Spezialkräfte der Bundespolizei hätten "kurdischen Boden nicht betreten, sondern den mutmaßlichen Täter von den kurdischen Sicherheitsbehörden erst im Flugzeug übernommen. Hier haben wir im Einvernehmen mit dem Piloten die entsprechenden Maßnahmen zur Wahrung der Luftsicherheit durchgeführt", sagte Romann. Nach der Ankunft in Frankfurt "haben wir dem Tatverdächtigen seinen Haftbefehl eröffnet und ihn danach den Kameraden des SEK Hessen übergeben", sagte Romann der Zeitung.

Am Sonntag muss Ali B. zur Haftrichterin. Es sei vorgesehen, ihn im Laufe des Tages der Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Wiesbaden vorzuführen, teilte das Polizeipräsidium Westhessen mit. Dort führen Polizei und Staatsanwaltschaft die Ermittlungen zum Mordfall Susanna.

Demonstrationen in Mainz für Sonntag geplant

"Ich bin froh, dass der von der deutschen Justiz gesuchte, mutmaßliche Täter wieder in Deutschland ist", sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer am Samstagabend. "So kann das Ermittlungsverfahren schnell vorangetrieben werden." In Kanada begrüßte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Festnahme und Überführung des Tatverdächtigen: "Das unfassbare Leid, das der Familie und dem Opfer widerfahren ist, bewegt jeden und erfasst auch mich", sagte Merkel, die sich für den G7-Gipfel im kanadischen La Malbaie aufhält.

Der Verdächtige Ali B.
POLIZEI WIESBADEN HANDOUT/ EPA-EF

Der Verdächtige Ali B.

Am Sonntag sind in Mainz, dem Heimatort des getöteten Mädchens, mehrere Demonstrationen geplant. Dabei dürfte es ähnlich wie bereits bei Kundgebungen am Samstag nicht nur um das Gedenken an die getötete Susanna, sondern auch um Asylpolitik und Integration gehen.

Der Fall hat eine heftige politische Debatte ausgelöst. In der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wurde der Ruf nach einer Verkürzung der Asylklageverfahren laut. Der Asylantrag des verdächtigen Irakers war bereits Ende 2016 abgelehnt worden, er hatte aber Rechtsmittel dagegen eingelegt, so dass eine Abschiebung damit gestoppt war.

abl/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.