Fall Susanna F. Ali B. möglicherweise älter als zunächst angenommen

Der Verdächtige im Fall Susanna F. war zur Tatzeit womöglich schon 21 Jahre alt, wie Ermittler erklärten. Im Fall einer Verurteilung könnte dann nicht mehr Jugendstrafrecht angewendet werden.

Ali B. in Wiesbaden
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Ali B. in Wiesbaden


Der mutmaßliche Täter im Fall Susanna F., Ali B., war zum Tatzeitpunkt vermutlich älter als angegeben. Dies ergebe sich unter Vorbehalt aus Informationen des irakischen Generalkonsulats in Frankfurt, teilte die Staatsanwaltschaft Wiesbaden mit.

Demnach sei Ali B. im März 1997 geboren und nicht wie zunächst angenommen im November 1997. Damit wäre der Iraker zum Zeitpunkt der ihm zur Last gelegten Tat bereits 21 Jahre alt gewesen. "Bestätigen sich die Informationen, hat das für ihn erhebliche Folgen für das Verfahren", sagte Staatsanwalt Oliver Kuhn. Ali B. könne dann nicht mehr nach Jugendstrafrecht verurteilt werden.

Hintergrund der neuen Erkenntnisse: Bei der Ausreise aus Deutschland hatte Ali B. gemeinsam mit seiner Familie im irakischen Konsulat sogenannte Laissez-Passer-Papiere beantragt - und dabei die Kopie einer irakischen Identitätskarte vorgelegt, die als Geburtsdatum den 11.3.1997 auswies.

Im deutschen Asylverfahren war der 3.11.1997 als Geburtsdatum registriert worden. Möglicherweise handelt es sich dabei um eine Verwechslung, sagte die Wiesbadener Staatsanwältin Christina Gräf. Die genauen Abläufe werden noch geprüft.

Laut Ermittlern kam B. im Oktober 2015 nach Deutschland. Sein Asylantrag wurde am 30. Dezember 2016 abgelehnt. B.s Anwalt reichte Klage ein, wegen des laufenden Verfahrens durfte er vorerst bleiben.

Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden geht nicht davon aus, dass B. bei seinem Asylantrag bewusst seine Identität verschleiert hat. Aus den im irakischen Konsulat vorliegenden Papieren gehe hervor, dass sein Name vier Bestandteile habe, erläuterte Oberstaatsanwältin Gräf. Bei den Behörden in Deutschland habe Ali B. davon dann zwei Bestandteile angegeben: Seinen Vornamen und den Namen seines Vaters. "Das spricht nicht dafür, dass bewusst falsche Personaldaten angegeben wurden", sagte Gräf. Das irakische Konsulat halte die ihm vorliegenden Papiere für echt.

Ali B. gilt als dringend tatverdächtig, in der Nacht vom 22. auf 23. Mai die 14 Jahre alte Susanna F. vergewaltigt und umgebracht zu haben. Die Tötung räumte er laut Staatsanwaltschaft ein, eine Sexualtat bestritt er.

Inzwischen sitzt B. in Untersuchungshaft. Nach seiner Abreise aus Deutschland war er im nordirakischen Arbil von kurdischen Sicherheitskräften festgenommen und an deutsche Bundespolizisten übergeben worden, die ihn nach Hessen flogen.

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bbr/hut/dpa

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