Kanzlerin zum Mordfall Susanna "Das unfassbare Leid bewegt jeden und erfasst auch mich"

Angela Merkel hat sich zum Mord an Susanna F. geäußert: Der Fall sei eine Aufforderung, Integration ernst zu nehmen und für gemeinsame Werte einzustehen. Der Verdächtige Ali B. war am Abend in Wiesbaden eingetroffen.

Ali B. nach seiner Ankunft in Frankfurt
REUTERS

Ali B. nach seiner Ankunft in Frankfurt


Angela Merkel hat die Festnahme des Tatverdächtigen im Mordfall Susanna im Nordirak und die Rückführung nach Deutschland begrüßt. "Das unfassbare Leid, das der Familie und dem Opfer widerfahren ist, bewegt jeden und erfasst auch mich", sagte die Bundeskanzlerin am Rande des G7-Gipfels im kanadischen La Malbaie. Merkel sprach von einem "abscheulichen Mord" und plädierte für eine entschiedene Ahndung solcher Straftaten. Wenn die Tat bewiesen sei, müsse die Justiz "mit aller Klarheit ein Urteil sprechen".

Der Fall sei eine Aufforderung an alle, Integration ernst zu nehmen und für gemeinsame Werte einzustehen. "Wir können nur zusammenleben, wenn wir uns gemeinsam an unsere Gesetze halten", sagte die Kanzlerin.

Der Tatverdächtige Ali B. ist am Abend in Deutschland gelandet. Eine Lufthansa-Maschine brachte ihn am Samstag von der nordirakischen Stadt Erbil nach Frankfurt am Main. "Ich bin froh, dass der von der deutschen Justiz gesuchte, mutmaßliche Täter wieder in Deutschland ist", sagte Innenminister Horst Seehofer. So könne das Ermittlungsverfahren schnell vorangetrieben werden.

Der 20-Jährige wurde von dort sofort mit einem Hubschrauber zum Polizeipräsidium Westhessen nach Wiesbaden gebracht, wo er noch am Abend vernommen werden sollte. Am Sonntag sollte Ali B. dann dem Haftrichter vorgeführt werden.

B. steht im Verdacht, die am Mittwoch in Wiesbaden tot aufgefundene Susanna F. aus Mainz in der Nacht vom 22. auf den 23. Mai vergewaltigt und anschließend durch Gewalt gegen den Hals getötet zu haben.

Der Verdächtige Ali B.
POLIZEI WIESBADEN HANDOUT/ EPA-EF

Der Verdächtige Ali B.

Der 20-Jährige hatte sich anschließend zusammen mit seiner Familie in den Nordirak abgesetzt und war dort in der Nacht zum Freitag von kurdischen Sicherheitskräften festgenommen worden. Er habe die Tötung Susannas vor dem kurdischen Ermittlungsrichter gestanden, sagte Polizeioffizier Tarik Ahmed.

Dem kurdischen TV-Sender Rudaw sagte Ahmed, der Verdächtige und sein Opfer hätten vor der Tat viel Alkohol getrunken und Tabletten geschluckt. Zwischen den beiden sei es zum Streit gekommen. Worüber, ist unklar. Das Mädchen habe gedroht, die Polizei anzurufen, was Ali B. nach eigener Aussage zu der Tat getrieben habe - er habe das Mädchen stranguliert.

Einreise in den Irak doch mit dem Flugzeug

Die Mutter des Verdächtigen sagte der Deutschen Welle, ihr Sohn könne sich nicht an die Tat erinnern, weil er betrunken gewesen sei. Demnach erfuhr die Familie erst durch die Verhaftung im Irak und durch Nachrichten im Internet von den Vorwürfen gegen den jungen Mann.

Polizeioffizier Ahmed korrigierte außerdem frühere Informationen lokaler Sicherheitskräfte, wonach Ali B. über den Landweg in den Irak eingereist sei. Die kurdische Polizei sei zunächst davon ausgegangen, sagte Ahmed. Bei weiteren Ermittlungen habe sich dies jedoch als falsch erwiesen. Bei seiner Einreise am Flughafen Erbil sei Ali B. noch nicht zur Fahndung ausgeschrieben gewesen, so dass den lokalen Sicherheitskräften keine Informationen vorgelegen hätten. Nach den ersten Informationen aus Deutschland sei ein Fahndungsteam gebildet worden, das Ali B. innerhalb von sieben Stunden festgenommen habe.

Nach Angaben der "Bild"-Zeitung, die ebenfalls mit Ahmed gesprochen hat, hatten die Fahnder Verwandte von B. ausfindig gemacht und einen von ihnen gebeten, zur Polizeiwache zu kommen. Die Person habe kooperiert und gesagt, dass B. bei anderen Verwandten untergekommen sei. Bei seiner Festnahme habe B. keinen Widerstand geleistet.

pbe/syd/dpa

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