Tatverdächtiger im Fall Susanna Warum eine Auslieferung des Irakers schwierig wird

Ali B. soll die 14-jährige Susanna vergewaltigt und umgebracht haben. Nun wurde er im Irak gefasst. Seine Auslieferung an Deutschland ist aber alles andere als gewiss.

DPA

Nach dem gewaltsamen Tod der 14-jährigen Susanna in Wiesbaden richtet sich der Blick auf den Irak: Aus dem Land stammt der dringend tatverdächtige Ali B., dorthin hatte er sich zusammen mit seiner Familie abgesetzt. Nun wurde mitgeteilt, dass der 20-Jährige im Norden des Landes festgenommen wurde.

Das bedeutet aber nicht, dass er automatisch an Deutschland ausgeliefert wird. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte: "Das mit der Auslieferung läuft jetzt nach den internationalen Regeln."

"Mit dem Irak gibt es kein Auslieferungsabkommen", sagte ein Sprecher des Bundesjustizministeriums dem SPIEGEL. Es gebe jedoch die Möglichkeit, auf "vertragsloser Basis" an den Mann zu kommen.

In den "Richtlinien für den Verkehr mit dem Ausland in strafrechtlichen Angelegenheiten" heißt es zum Irak: "Der sonstige Rechtshilfeverkehr auf vertragloser Grundlage erscheint nicht ausgeschlossen."

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Wiesbaden: Der Fall Susanna

Für eine Zusammenarbeit auf dieser Basis muss ein Haftbefehl gegen den Verdächtigen vorliegen und ein Auslieferungsersuchen. Das Bundesamt für Justiz gibt dieses Ersuchen an das Auswärtige Amt weiter, von dort geht es an die irakische Botschaft. Die Botschaft stellt es dann den zuständigen Behörden im Irak zu.

Auf Anfrage teilte das Bundesamt für Justiz mit, letztlich ergebe es sich aus dem irakischen Recht, ob und inwieweit Rechtshilfe geleistet werde. Es gibt jedoch offenbar bislang keine Erfahrungswerte aus vergleichbaren Fällen. Man habe keine Erkenntnisse zum Verhalten des Irak bei Auslieferungen, heißt es vom Bundesamt für Justiz.

Susanna war vor zwei Wochen verschwunden - ihre Leiche war am Mittwoch in einem Erdloch bei Wiesbaden gefunden worden. Sie starb nach ersten Angaben der Ermittler durch eine Gewalteinwirkung auf den Hals. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Mädchen ermordet wurde, um eine Vergewaltigung zu vertuschen.

Im Video: Vermisste Susanna ist tot

Die 14-Jährige war am 22. Mai von ihrer Mutter als vermisst gemeldet worden. Der entscheidende Hinweis auf die mutmaßlichen Täter kam von einem 13-jährigen Jungen, der in der gleichen Flüchtlingsunterkunft wie Ali B. wohnte. Der 20-Jährige war bereits mehrfach polizeilich aufgefallen und auch mit der Vergewaltigung eines Kindes in Verbindung gebracht worden.

Eine Reihe von Politikern fordert Aufklärung darüber, wie sich B. trotz Unklarheiten über seine Identität offenbar in seine Heimat Irak absetzen konnte. Er flog laut Bundespolizei am 2. Juni mit seiner Familie von Düsseldorf aus erst nach Istanbul und von dort aus weiter nach Erbil im Nordirak. Die Flugtickets waren dabei laut Polizei auf andere Namen ausgestellt. Ein Abgleich mit den Namen auf den Aufenthaltsgenehmigungen fand demnach nicht statt.

Ein zweiter Tatverdächtiger - ein 35 Jahre alter Mann aus der Türkei - wurde am Donnerstag aus der Untersuchungshaft entlassen, weil gegen ihn kein dringender Tatverdacht mehr besteht.

ulz/aci/jpz/dpa

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