Mittelmeer vor Syrien Deutscher Waffenfrachter sendet keine Signale mehr

Das deutsche Schiff "Atlantic Cruiser" ist vor der syrischen Küste verschwunden. Der Frachter, der schweres Militärgerät geladen hat, schaltete seinen Transponder aus und ist nicht mehr zu orten. Die Bundesregierung prüft einen Verstoß gegen das Waffenembargo - kann aber kaum etwas unternehmen.

Pro-Assad-Demo in Damaskus (Anfang April): Waffenlieferung mit deutschem Schiff?
DPA

Pro-Assad-Demo in Damaskus (Anfang April): Waffenlieferung mit deutschem Schiff?


Hamburg - Der deutsche Waffenfrachter "Atlantic Cruiser" ist von der Bildfläche verschwunden. Das Schiff hat seinen Transponder ausgeschaltet, damit sendet es keine Signale mehr und kann nicht geortet werden. "Das Vorgehen ist legal, aber extrem ungewöhnlich", sagt ein Schiffsmakler. Die Entscheidung, einen Transponder auszuschalten, liege bei der Reederei.

Die Emder Reederei Bockstiegel, der das Schiff gehört, wollte sich trotz mehrmaliger Anfrage des SPIEGEL nicht dazu äußern.

Zunächst war die "Atlantic Cruiser" auf internationalen Kontroll-Webseiten wie www.marinetraffic.com noch sichtbar, sie befand sich zwischen Zypern und Syrien (siehe Bild). Im Lauf des Sonntag wurde der Transponder dann offenbar ausgeschaltet, das Schiff bewegt sich nun quasi unsichtbar.

Der Frachter hat eine extrem heikle Ware an Bord: schweres Militärgerät und Munition. Die Bundesregierung prüft deshalb, ob ein Verstoß gegen das Waffenembargo gegen Syrien vorliegt.

Screenshot der Internetseite www.reederei-bockstiegel.de: Transponder ausgeschaltet

Screenshot der Internetseite www.reederei-bockstiegel.de: Transponder ausgeschaltet

Allerdings ist der Handlungsspielraum der deutschen Regierung extrem eingeschränkt. Denn das Schiff fährt unter der Flagge des karibischen Inselstaats Antigua und Barbuda. Um es zu stoppen, müsste daher zunächst ein Rechtshilfeersuchen an Antigua und Barbuda gerichtet werden - was lange dauern dürfte. Behält das Schiff allerdings seinen Kurs auf Syrien bei, dürfte es bereits in wenigen Stunden dort ankommen.

Falls ein Drittstaat - beispielsweise die USA - den Frachter ohne Rechtshilfeersuchen aufhalten sollte, wäre dies ein Verstoß gegen internationales Recht. Ein Angriff auf das Schiff würde gar als Akt der Piraterie gewertet. Dies gilt auch für den Fall, dass die Bundeswehr einschreiten würde.

Die tatsächlichen Möglichkeiten Deutschlands oder eines anderen Landes, die mutmaßliche Waffenlieferung an Syrien zu verhindern, sind damit extrem begrenzt.

cr/wal

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insgesamt 110 Beiträge
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weltbetrachter 14.04.2012
1. soso, ausgeflaggt also
Da hat der deutsche Eigentümer das Schiff "ausgeflaggt" und will sich so der hiesigen Gesetzgebung entziehen.
regensommer 14.04.2012
2. Wie kann es sein?
Wie kann es sein, dass ein Dampfer, der unter irgendeiner Flagge fährt in deutschen Häfen mit Waffen beladen wird? Was ist mit den Papieren? Gibts keinen Zielhafen? Wer hat die Waffen hergestellt?
rhodensteiner 14.04.2012
3.
Zitat von sysopDas deutsche Schiff "Atlantic Cruiser" ist vor der syrischen Küste verschwunden. Der Frachter, der schweres Militärgerät geladen hat, schaltete seinen Transponder aus und ist nicht mehr zu orten. Die Bundesregierung prüft einen Verstoß gegen das Waffenembargo - kann aber kaum etwas unternehmen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,827611,00.html
Der Frachter ist nicht mehr zu orten? Vielleicht könnte es man ja mit Radar probieren, oder ist das ein stealth-Frachter? Oder soll der Frachter vielleicht gar nicht geortet werden?
hahu 14.04.2012
4. Kein Embargo des SR?
Gibt es denn keine Resolution des Sicherheitsrates, welches solche Lieferungen nach Syrien untersagt? lg hh
Steve Holmes 15.04.2012
5.
---Zitat--- Allerdings ist der Handlungsspielraum der deutschen Regierung extrem eingeschränkt. Denn das Schiff fährt unter der Flagge des karibischen Inselstaats Antigua und Barbuda. (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,827611,00.html) ---Zitatende--- Was geht das die deutsche Regierung an wenn das Schiff unter der anderer Flagge segelt?
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