FBI-Panne: Zarnajew flog unentdeckt in den Kaukasus - wegen Schreibfehlers

Ein halbes Jahr soll Tamerlan Zarnajew, der ältere der beiden Terrorverdächtigen aus Boston, in der Konfliktregion Dagestan im Kaukasus verbracht haben. Doch das FBI wusste nichts von dem Trip, obwohl es den mutmaßlichen Islamisten bereits verhört hatte. Aus einem banalen Grund.

Boston - Im Januar 2012 brach Tamerlan, der ältere der beiden terrorverdächtigen Brüder Zarnajew, in die alte Heimat auf. Ein halbes Jahr hielt er sich in Russland auf, ersten Erkenntnissen zufolge vor allem in der Konfliktregion Dagestan. Hier soll die Familie für ein Jahr in der Hauptstadt Machatschkala gelebt haben, bevor sie in die USA emigrierte.

Auf der Suche nach einem Tatmotiv wird der Lebenslauf von Tamerlan nach Kontakten und Erfahrungen durchforstet, die ihn radikalisiert haben könnten. Dagestan gilt als ein möglicher Ort, an dem er mit islamistischen oder antiamerikanischen Ideen in Berührung gekommen sein könnte.

Doch warum hatte das FBI keine Kenntnis von der Reise Zarnajews? Die Bundespolizei hatte Tamerlan erst 2011 auf Drängen der russischen Regierung befragt, weil er Kontakte zu Islamisten gehabt haben soll. Die beiden Beamten, die ihn sprachen, kamen jedoch zu dem Schluss, dass er in keinerlei terroristische Aktivitäten verwickelt sei. Wie das US-Magazin "Politico" berichtet, wusste das FBI offenbar überhaupt nichts von der Reise in den Kaukasus. Der Grund: ein simpler Schreibfehler.

"Als er an Bord des Flugzeugs ging, wurde sein Name offenbar falsch geschrieben", sagte der republikanische Senator Lindsey Graham "Fox News". "Deshalb gelangte es nie ins System, dass er überhaupt nach Russland geflogen ist." Graham hatte die Ermittlungsbehörden am Sonntag scharf für ihr Versagen kritisiert. Bei CNN gab er sich heute zurückhaltender und erklärte, das FBI habe einen guten Job gemacht.

Angehörigen und Bekannten zufolge war Tamerlan Zarnajew eine starke Persönlichkeit, die den jüngeren Bruder für die Bombenanschläge von Boston instrumentalisiert haben könnte. Nachdem Tamerlan bei einer Schießerei mit der Polizei getötet worden war, liegt der 19-jährige Dschochar schwer verletzt aber inzwischen ansprechbar im Krankenhaus. Er soll versucht haben, sich mit einem Schuss in den Mund selbst zu töten. Dabei trug er schwere Verletzungen an der Zunge davon.

Am Montag beantwortete Dschochar erstmals Fragen der Polizei - wie es hieß, in schriftlicher Form. Die Ermittler versprechen sich viel von seiner Aussage. Wie weit er kooperieren wird, ist aber ungewiss.

ala

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1. Der Blechdepp
Europa! 22.04.2013
Zitat von sysopEin halbes Jahr soll Tamerlan Zarnajew, der ältere der beiden Terrorverdächtigen aus Boston, in der Konfliktregion Dagestan im Kaukasus verbracht haben. Doch das FBI wusste nichts von dem Trip, obwohl es den mutmaßlichen Islamisten bereits verhört hatte. Aus einem banalen Grund. Tamerlan Zarnajew wegen Schreibfehlers unentdeckt in Russland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/tamerlan-zarnajew-wegen-schreibfehlers-unentdeckt-in-russland-a-895877.html)
Der Einsatz von Computern hat offenbar auch gravierende Nachteile. Ein Mensch hätte den Schreibfehler (wessen Schreibfehler übrigens?) sofort entdeckt, der Blechdepp war wohl zu pedantisch.
2. Gratwanderung
pklauss 22.04.2013
Es gibt auch gut funktionierende Software, die nicht über die reine Schreibweise funktioniert, sondern darüber, wie sich das Wort (in diesem Fall der Name) anhört. Ich höre aber schon die (berechtigten) Wehklagen anderer Foristen, dass dann jeder dessen Name so ähnlich klingt in Verdacht gerät. Unbegrenzte Freiheit und maximale Sicherheit passen eben nicht in einen Topf. Ich für meinen Teil begnüge mich von beidem das Optimum zu wünschen.
3. an Blechdepp
o.schork 22.04.2013
Namen aus anderssprachigen Ländern werden oft transkribiert. So macht man eben aus ???????? Gorbatschow aber auch mal Gorbachev. Da sind Fehler vorprogrammiert.
4. Es war der Mensch...
chriskoli 22.04.2013
Zitat von Europa!Der Einsatz von Computern hat offenbar auch gravierende Nachteile. Ein Mensch hätte den Schreibfehler (wessen Schreibfehler übrigens?) sofort entdeckt, der Blechdepp war wohl zu pedantisch.
Es war ein Mensch, der den Schreibfehler verursacht hat, was natürlich durchaus jedem passieren kann. Niemand ist dagegen gefeit. Computer sind sind eben auch nur Menschen. ;) Wer kann ahnen, dass so etwas passieren würde. Desweiteren sollten wir die Ermittlungen abwarten und die Behörden in RUHE ihre Arbeit machen und klären lassen, ob der ältere Bruder wirklich längere Zeit in Russland, bzw. in der Konfliktregion Dagestan im Kaukasus war und wenn ja, was er dort gemacht hat. Es nützt niemanden etwas, wenn wir auf jedes Gerücht reagieren oder in Panik verfallen. Ein sachliche Analyse der Ereignisse ist meiner Meinung nach das vernünftigste. Auch bin ich davon überzeugt, dass der jüngere Bruder seinen Teil zur Aufklärung beitragen wird. Kann ein 19-jähriger, wenn ihm bewußt wird, dass er unschuldige Menschen getötet und verletzt hat, so tough sein und einfach schweigen? Ich glaube kaum. Für mich hat dieser Anschlag etwas von einem Amok Lauf (denn auch diese werden in der Regel nicht spontan ausgeführt). Es gibt bis heute kein Bekennerschreiben, keine Beziehungen, bzw. keine nachweisbaren längeren Beziehungen zu terroristischen oder radikalen Gruppen. Alle Terrorgruppen legen großen Wert darauf, dass jeder von ihren Aktionen erfährt. Die beiden Brüder wirken so untypisch für Terroristen. Der Bau der Bomben wiederum nicht.
5. Schreibfehler
Guillermo Emmark 22.04.2013
Zitat von Europa!Der Einsatz von Computern hat offenbar auch gravierende Nachteile. Ein Mensch hätte den Schreibfehler (wessen Schreibfehler übrigens?) sofort entdeckt, der Blechdepp war wohl zu pedantisch.
Da wär ich mir nicht so sicher. Es sei denn, die SpOn-Redaktion bestünde auch nur aus Robotern. Schauen Sie mal hier - unentdeckter Schreibfehler sogar in der Überschrift: Vielleicht kommt der Headliner aber auch aus dem Ruhrgebiet. Da sagt man z.B. ganz gerne "Lass uns mal im Kino gehn!"
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