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Der "Tatort"-Faktencheck: Schmuggeln Mulis wirklich Koks nach Deutschland?

Muli auf der Flucht: Die 13-jährige Jo (l.) hat Koks geschluckt Zur Großansicht
ARD

Muli auf der Flucht: Die 13-jährige Jo (l.) hat Koks geschluckt

Sie brauchen Geld und riskieren ihr Leben: Im "Tatort" schmuggeln zwei junge Frauen Koks aus Südamerika nach Deutschland - als sogenannte Mulis. Ist das realistisch?

Hamburg - Im Berliner "Tatort" jagen die neuen Ermittler Rubin (Meret Becker) und Karow (Mark Waschke) Drogendealer, die ein Mädchen und eine junge Frau als Kokainkuriere angeheuert haben - als sogenannte Mulis. Beide haben im mexikanischen Acapulco Kondome geschluckt, die mit Kokain gefüllt sind. Zurück in Berlin, geschieht das Drama: Im Körper der jungen Frau platzt ein Beutel. Die Verbrecher weiden ihren Körper aus, um an die übrigen Drogen zu gelangen. Das Mädchen, das die Tat mit ansieht, kann fliehen.

Die Kommissare stellen bei ihren Recherchen fest, dass beide Mulis aus problematischen Familienverhältnissen stammen. Das Mädchen lebt bei einer Pflegemutter, der Bruder im Heim. Die junge Frau hat ihr Studium abgebrochen und den Kontakt zur Familie gekappt. Beide machen den tödlichen Job für Geld. Eine realistische Story? Die wichtigsten Fragen im Faktencheck.

Was sind Mulis?

Der Name ist abgeleitet vom englischen Wort "mule" und meint ein Maultier. Die Kreuzung aus Esel und Pferd ist als verlässliches Transportmittel bekannt. Im Jargon der Fahnder sind Mulis Menschen, die Drogen im Körper schmuggeln. Meist geht es um Kokain, das möglichst rasch von Südamerika nach Deutschland gebracht werden soll. Anders als im Film stammen Mulis in der Regel aus den Koks-Anbauländern, aus Kolumbien, Peru, Bolivien, Ecuador. Sie sind arm, kassieren für die tödliche Fracht 2000 bis 3000 Dollar - und können davon mitunter ein halbes Jahr ihre Familie ernähren. Dass - wie im Film - zwei junge Frauen erst nach Südamerika fliegen und dann mit Koks im Magen zurückkehren, dürfte eher selten vorkommen.

Wie transportieren Mulis den Stoff?

Bevor die Drogenkuriere ihren illegalen Job antreten, werden sie in speziellen Camps vorbereitet. Was Kommissar Karow im "Tatort" erzählt, entspricht der Realität: Die Kuriere trainieren mehrere Tage, die Päckchen zu schlucken. Dafür nehmen sie zunächst Weintrauben oder Pflaumen. Das Ziel ist es, bis zu 100 Kondome mit jeweils acht bis zehn Gramm der Drogen im Magen zu behalten. Um den Darm für den langen Flug träge zu halten, nehmen die Kuriere Medikamente und essen Schokolade.

Wie gefährlich ist Koks im Körper?

Im Film wird die junge Frau ermordet, nachdem in ihrem Magen ein Kokspäckchen geplatzt ist. Die Dealer wollen die restliche Fracht - Drogen im Wert von 40.000 Euro - nicht verloren geben. Fahnder warnen vor der tödlichen Gefahr: Wenn ein Koksbeutel im Körper platzt, kommt jede Hilfe zu spät. Der Mensch stirbt. Insgesamt beschlagnahmte der Zoll 2014 etwa 1,2 Tonnen Kokain. Davon dürften nach Zollangaben nur wenig mehr als 100 Kilogramm von Mulis geschmuggelt worden sein. Der größte Teil gelangte per Schiff nach Europa. Als Drehschreibe für Körperschmuggler gilt der Flughafen Düsseldorf. Viele Mulis reisen von dort in die Niederlande weiter.

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insgesamt 84 Beiträge
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1.
juhuhuhu 23.03.2015
Mexico ist nicht Südamerika. Tatort war aber genial.
2. Leider sehr realistisch
Forumbeitrag 23.03.2015
Leider sind die Mulis auch heute noch ein sehr realistisches Thema. Vor ein paar Wochen habe ich in der Zeitung gelesen, dass in Cali ein Vater (!) seine Tochter als Muli nach Europa oder USA schicken wollte. Die Tochter hatte ueber Bauchschmerzen geklagt und die Mutter hat sie, wohl nichts ahnend, zum Arzt gebracht. Dort wurde es dann festgestellt. Keine Europaer: Das glaubt ihr wohl selber nicht. Vor ein paar Monaten soll am Bogotaner Flughafen eine Europaerin aufgegriffen worden sie die scheinbar schwanger war. Der schwangere Bauch stellte sich als Gummiatrappe heraus, vollgeladen mit Kokain. Sicher gibt es auch Europaer die weiter gehen. Wer meint das ist geil sollte sich bitte mal den Film "Maria voll der Gnade" ansehen. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-39997589.html
3. Berlin-Tatort beenden!
wwwind 23.03.2015
Konfus erzählt. Unglaubwürdig. Zu brutal. Effekthascherei durch überflüssige Wiederholungen bei dem blutigen Badezimmer, der zerstückelten Leiche, Zeitraffer von Wollen und Verkehr. Aufgesetzte und nicht erklärte Szenen aus dem "Privatleben" der Ermittler. Miserable Tonqualität. Ein stümperhaft abgedrehter Film. Bitte diese Berlin-Serie sofort einstellen!
4. Und ob das realistisch ist!
Teddi 23.03.2015
Die Tatsachen sind noch drastischerUnd gemeiner als die Schauspieler es je darstellen können. Kommentarende.
5. Im Drogenbusiness...
deglaboy 23.03.2015
geschehen Dinge, die kann sich kein Mitteleuropäer vorstellen. Was im Tatort beschrieben wird, ist 08/15, nicht besonderes.
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