Grapschprozess um Taylor Swift "Er griff vorsätzlich unter ihren Rock"

Ein Gerichtssaal in Denver wird vorübergehend zur Bühne für Taylor Swift: Die Sängerin beschuldigt einen Moderator, sie bei einem Fototermin begrapscht zu haben. Im Prozess trafen sich nun beide wieder.

AP/ Jeff Kandyba

Für gewöhnlich tritt sie vor Tausenden Menschen auf, in Konzerthallen oder bei Open-Air-Festivals. Doch in diesen Tagen steht Taylor Swift in einem vergleichsweise mickrigen Raum im Rampenlicht - und es wird womöglich keiner ihrer angenehmsten Auftritte: Im US-Bundesstaat Colorado hat der von Swift angestrengte Prozess gegen einen Radiomoderator begonnen.

Die Sängerin beschuldigt DJ David Mueller, ihr 2013 bei einem Fototermin vor einem Konzert in Denver an den Hintern gefasst zu haben. Die 27-Jährige traf im Backstage-Bereich Fans und VIP-Gäste und posierte dabei auch für ein Foto zwischen Mueller, der damals für den Sender KYGO arbeitete, und dessen Freundin.

"Während seiner Begegnung mit Frau Swift griff Mueller vorsätzlich unter ihren Rock und begrapschte einen intimen Teil ihres Körpers auf unangemessene Weise, gegen ihren Willen und ohne ihre Erlaubnis mit seiner Hand", heißt es in von Swifts Anwälten eingereichten Gerichtsunterlagen. Die Sängerin wirft Mueller sexuelle Nötigung und Körperverletzung vor.

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Taylor Swift: Der Grapschprozess

Swift fordert einen symbolischen Dollar von dem DJ und argumentiert unter anderem, dass ein Urteil zu ihren Gunsten andere Frauen ermutigen würde, die Opfer ähnlicher Angriffe waren. Mögliche Entschädigungszahlungen will sie nach eigenen Angaben an Wohltätigkeitsorganisationen spenden, die Frauen vor sexuellen Übergriffen schützen wollen.

Der Prozess, an dem alle Beteiligten persönlich teilnehmen müssen, begann nun mit der Auswahl von möglichen Geschworenen. Die Sängerin und ihre Mutter Andrea Swift waren am Montag im Gerichtssaal, als eine Gruppe von möglichen Geschworenen befragt wurde. Für die Auswahl der insgesamt acht Juroren müssen mehrere Dutzend Männer und Frauen einen langen Fragebogen ausfüllen. Gerichtsdokumenten zufolge müssen sie unter anderem angeben, ob sie ein Fan von Swift sind, ob sie die Vorwürfe kennen oder bei dem Konzert in Denver dabei waren.

"Ich fühlte mich verzweifelt und verletzt"

Mueller, der seinen Hörern als "Jackson" bekannt war, wurde nach dem Vorfall aus der Konzerthalle geworfen und verlor zwei Tage später seinen Job. Er behauptet, nicht er, sondern einer seiner Freunde habe die damals 23-jährige Sängerin unsittlich berührt. In seiner im September 2015 eingereichten Klage gegen Swift und ihr Team führt er an, die Anschuldigungen hätten ihn um sein Jahresgehalt von 150.000 Dollar gebracht. Swifts Management habe zudem seine Chefs statt der Polizei angerufen; daher sei er gefeuert worden. Er fordert wegen Verdienstausfällen drei Millionen Dollar von der Künstlerin.

Im Oktober vergangenen Jahres hatte ein Gericht die Veröffentlichung einer Aussage Swifts über den Fall zugelassen. Medienberichten zufolge behauptet die Sängerin darin, der Moderator habe in dem Moment, als sie für ein Foto posieren wollten, seine Hand auf ihr Kleid gelegt und ihr Hinterteil berührt. "Ganz egal, wie sehr ich wegrutschte, sie blieb da", soll Swift gesagt haben: "Ich fühlte mich so verzweifelt, erschüttert und verletzt wie noch nie zuvor."

Das fragliche Foto aus dem Backstage-Bereich dürfte in dem Prozess eine entscheidende Rolle spielen. Darauf ist zu sehen, wie Mueller etwa auf Höhe von Swifts Po die Sängerin mit seinem rechten Arm von hinten umgreift. Seine Hand wird dabei von ihrem Körper verdeckt. Die Erklärungen beider Seiten zu Beginn des Verfahrens sollen am Dienstag beginnen. Für das Verfahren sind neun Verhandlungstage angesetzt.

mxw/dpa/AFP



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