Teddy-Affäre im Sudan Siebenjähriger nimmt Schuld auf sich

Sie taufte im Sudan einen Teddy auf den Namen Mohammed und sitzt dafür in Haft: Jetzt bekommt die Grundschullehrerin Gillian Gibbons Hilfe von einem ihrer Schützlinge. Ein siebenjähriger Schüler namens Mohammed sagte, er habe sich gewünscht, dass der Teddy seinen Namen trägt.


Nairobi - "Die Lehrerin hat mich gefragt, wie ich den Teddy nennen will", sagte Mohammed vor Journalisten in der sudanesischen Hauptstadt Khartum. "Ich sagte Mohammed. Ich habe ihn nach mir benannt." Die Justiz des afrikanischen Landes, in dem der Islam Staatsreligion ist, sah in dem Teddybär namens Mohammed eine Verunglimpfung des Propheten.

Lehrerin Gibbons: "Das ist ein völliges Missverständnis"
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Lehrerin Gibbons: "Das ist ein völliges Missverständnis"

Gillian Gibbons war am Sonntag festgenommen worden, nachdem sich angeblich Eltern über das Klassenmaskottchen Mohammed beschwert hatten. Bisher wurde keine offizielle Anklage gegen Gibbons erhoben.

Die 54-jährige Lehrerin habe mit ihren Schülern nie über Religion gesprochen, verteidigte der Junge seine Lehrerin. Sowohl britische als auch sudanesische Diplomaten bemühen sich unterdessen um eine Entschärfung des Falls. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieser kleine Zwischenfall schnell aufgeklärt wird", sagte ein Sprecher der sudanesischen Botschaft in London der BBC. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern seien zu gut, um durch diese Angelegenheit belastet zu werden.

Der britische Premierminister Gordon Brown versicherte, es gebe Bemühungen um eine Freilassung der Lehrerin. Seinen Angaben zufolge hätten Diplomaten Kontakt zu der Familie der Inhaftierten aufgenommen.

Die Mehrheit der Grundschüler hatte sich für das Klassenmaskottchen, einen Teddybär, den Namen "Mohammed" gewünscht, hieß es bisher. So inszenierte Gillian Gibbons eine kleine Zeremonie im Klassenzimmer der englischen Privatschule "Unity High School" im islamisch dominierten Khartum, bei der das Stofftier auf den Namen des Propheten getauft wurde.

Als die Eltern der Kinder davon erfuhren, sollen sie sich beim Bildungsministerium beschwert haben. Daraufhin wurde die 54-jährige Pädagogin verhaftet. Ihr drohen 40 Peitschenhiebe und eine Haftstrafe von bis zu sechs Monaten. Ihr wird vorgeworfen, die Ehre des islamischen Religionsstifters und Propheten verletzt zu haben. Die Schule ist vorerst bis Ende Januar geschlossen - aus Angst vor fanatischen Angriffen.

jjc/dpa



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