Terry Crews über sexuellen Missbrauch "Habe mich nie zuvor so entmannt gefühlt"

Terry Crews war einst Football-Profi, heute ist der Hüne für seine lustigen Rollen in "Brooklyn Nine-Nine" oder "The Expendables" bekannt. Vor US-Senatoren hat er nun über sexuellen Missbrauch gesprochen: "Es ist mir passiert."

AFP

"Sie sind ein großer, mächtiger Mann", sagt US-Senatorin Dianne Feinstein. Und fragt dann: "Warum haben Sie nicht...", gefolgt von einer Handgeste, mit der sie die Frage ergänzt: Warum haben Sie ihn nicht weggestoßen?

Feinstein richtete ihre Frage an den Schauspieler Terry Crews. Der 49-Jährige war am Dienstag nach Washington gekommen, um vor einem Senatsausschuss über einen Vorfall im Jahr 2016 zu sprechen: Damals wurde Crews eigenen Angaben zufolge missbraucht.

Crews hatte die Vorwürfe erstmals im vergangenen Oktober erhoben. Via Twitter schrieb er, er sei gemeinsam mit seiner Ehefrau bei einer Veranstaltung gewesen, als ein hochrangiger Hollywoodmogul ihm zwischen die Beine gegriffen habe. Er habe sich entschlossen, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, nachdem andere Menschen dies im Zusammenhang mit der #MeToo-Bewegung getan hatten.

Crews war einst Football-Profi und hat heute dank lustiger Auftritte in Filmen und Werbespots Kultstatus. Als Schauspieler war er in Actionfilmen zu sehen, im Fernsehen wurde er durch die Sitcom "Brooklyn Nine-Nine" bekannt, in der er den liebenswerten Hünen Terry Jeffords spielt. Dass Crews nun vor dem Gesetzgebungsausschuss in Washington erschien, hängt damit zusammen, dass dort derzeit über ein neues Gesetz zum Schutz von Missbrauchsopfern diskutiert wird.

Der Vorfall, als ihm der Mann zwischen die Beine gegriffen habe, habe nur wenige Minuten gedauert, sagte Crews. "Aber was er mir damit tatsächlich gezeigt hat, als er meine Genitalien in seiner Hand hatte, war, dass er die Macht hatte. Dass er derjenige war, der die Kontrolle hatte." In der Vergangenheit hätten ihm Menschen immer wieder gesagt, dass es sich nicht um Missbrauch gehandelt habe. Dass es nur ein Scherz gewesen sei, ein Herumalbern. "Aber das Herumalbern eines Mannes ist die Demütigung eines anderen."

Er kenne die Scham, die mit Übergriffen dieser Art verbunden sei, sagte Crews. "Es ist mir passiert." Er sei kein kleiner oder unsicherer Mann, "aber in diesem Moment, und in der Zeit danach, habe ich mich so entmannt gefühlt wie nie zuvor".

Fotostrecke

8  Bilder
Fotostrecke: Crews, der Große

Auf die Frage von Senatorin Feinstein, warum er den Mann denn nicht abgewehrt habe, antwortete Crews ausführlich, dabei musste er mehrfach innehalten. Als schwarzer Mann in Amerika bekomme man nur ein paar Mal die Chance auf Erfolg, sagte er. "Ich komme aus Flint, Michigan. Ich habe sehr, sehr viele junge, schwarze Männer gesehen, die zur Gewalt provoziert wurden, und sie wurden festgenommen oder umgebracht und die sind heute nicht hier."

Senator Chuck Grassley fragte Crews, ob er jemals Nachteile dadurch erfahren habe, dass er mit den Vorwürfen an die Öffentlichkeit gegangen sei. Woraufhin Crews berichtete, sein Manager habe einen Anruf vom Produzenten des neuen "The Expendables"-Film bekommen - Crews spielte in den ersten drei Teilen der Actionreihe an der Seite von Jason Stathan und Sylvester Stallone. Der Produzent habe ihm gesagt, er solle seine Vorwürfe fallenlassen, wenn er auch im vierten Teil der Filmreihe dabei sein wolle. Und dass es Ärger geben werde, wenn er es nicht tue. Crews teilte nun mit, er werde bei "The Expendables 4" nicht mitspielen.

aar/AP



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.