Texas DNA-Tests entlasten Häftling nach mehr als 30 Jahren

Er saß mehr als 30 Jahre lang im Gefängnis - jetzt ist ein schwarzer Häftling in Texas durch DNA-Tests vollständig entlastet worden. Ein Gericht entschied, dass der wegen Raubs sowie Entführung und Vergewaltigung einer weißen Frau Verurteilte unschuldig ist.


Dallas - Dieser Fall lässt in den USA die Debatte über Justizirrtümer wieder aufflammen: Nach mehr als 30 Jahren im Gefängnis im US-Bundesstaat Texas haben DNA-Tests Cornelius Dupree vollständig entlastet. Ein Gericht entschied in Dallas, dass der schwarze Häftling unschuldig ist. Er war wegen Raubs sowie Entführung und Vergewaltigung einer weißen Frau im Jahr 1980 zu 75 Jahren Haft verurteilt worden.

Unter dem Beifall von Freunden, Unterstützern und anderen unschuldig verurteilten und später entlasteten Justizopfern erklärte Richter Don Adams den heute 51-jährigen Dupree für "frei". Dieser sagte bei einer anschließenden Pressekonferenz, er freue sich zwar über seinen Freispruch, doch Worte könnten nicht wieder gutmachen, was er verloren habe. "Meine beiden Eltern sind gestorben, ich habe das Gefühl, dass sich an diesem System etwas ändern muss", sagte er. Dupree war bereits im Juli unter Auflagen freigekommen, zwei Wochen bevor die DNA-Tests veröffentlicht wurden, die dann seine Unschuld bewiesen.

Ein weiterer Schwarzer, Anthony Massingill, der 1980 gemeinsam mit Dupree für die Vergewaltigung verurteilt worden war, wurde ebenfalls durch die DNA-Tests entlastet. Nach Angaben der Justizopfer-Hilfsorganisation Innocence Project, welche die beiden Männer verteidigte, bleibt Massingill jedoch wegen einer mutmaßlichen weiteren Vergewaltigung in Haft. Diese Tat bestreitet er aber ebenfalls. Die beiden Männer waren verurteilt worden, nachdem das damals 26-jährige Opfer sie auf einer Reihe von Fotos erkannt zu haben meinte.

Nach Angaben des Innocence Project wurden in den USA seit 1989 mittels DNA-Tests insgesamt 266 Inhaftierte entlastet, bei den meisten handelte es sich um Afroamerikaner. Zwei von ihnen saßen sogar länger hinter Gittern als Dupree. James Bain musste 35 Jahre in einer Haftanstalt im Bundesstaat Florida verbringen, bevor seine Unschuld festgestellt wurde. Bei Lawrence McKinney dauerte es 31 Jahre, während derer er in einem Gefängnis in Tennessee einsaß.

Innocence Project geht davon aus, dass etwa 75 Prozent der durch DNA-Tests aufgeklärten Justizirrtümer auf falsche Identifizierungen der Täter durch Augenzeugen zurückgehen. Untersuchungen hätten ergeben, dass sich die Zeugen vor allem nach Stresssituationen nicht an wichtige Details eines Menschen erinnern könnten. Gerade bei vergleichenden Gegenüberstellungen mit mehreren Menschen entschieden sie sich dann häufig für denjenigen, der den unpräzisen Bildern aus ihrer Erinnerung noch am nächsten komme.

"Falsche Identifizierungen sind die zentrale Ursache für Fehlurteile", sagte der stellvertretende Vorsitzende von Innocence Project, Barry Scheck. Dupree habe wegen einer fehlerhaften Identifizierung "die besten Jahre seines Lebens hinter Gittern" verbracht. Craig Watkins, Staatsanwalt in Dallas, räumte ein, dass sich etwas ändern müsse: "Wir müssen sicherstellen, dass sich so etwas niemals wiederholt."

wit/AFP



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