Todesstrafe in Texas: Häftling bereitet sich zum dritten Mal auf Hinrichtung vor

Cleve Foster sollte schon zweimal im texanischen Huntsville für die Entführung und Tötung einer Frau umgebracht werden. Zweimal ordnete der Oberste Gerichtshof der USA eine Verschiebung der Hinrichtung an. Am Dienstag ist Fosters dritter Termin.

Cleve Foster: Todeskandidat in Texas Fotos
AP

Livinston - Cleve Foster erinnert sich an die Tür. Sie ist aus Stahl und die letzte, die texanische Todeskandidaten in ihrem Leben durchschreiten. Sie führt in die Todeskammer im Gefängnis von Huntsville, wo Texas zum Tode Verurteilte hinrichtet. "Du kannst den Blick nicht von dieser Tür nehmen", sagt Foster.

Foster ist einer der Verurteilten, er soll vor zehn Jahren an der Entführung und Tötung einer 30-Jährigen bei Fort Worth beteiligt gewesen sein. Zweimal in den vergangenen anderthalb Jahren stand der 48-Jährige selbst kurz davor, durch die Stahltür geführt zu werden. Das erste Mal sollte er im Januar 2011 sterben, sein zweiter Hinrichtungstermin war für den vergangenen September angesetzt.

In beiden Fällen ordnete der Oberste Gerichtshof der USA in letzter Sekunde an, die Hinrichtung zu verschieben - ein Erfolg für Fosters Anwälte. Beim ersten Mal stimmte das Gericht zu, einen Antrag erneut zu überprüfen. Darin argumentierten die Verteidiger, ihr Mandant sei unschuldig und während seines Verfahrens juristisch schlecht beraten worden. Beim zweiten Mal ließ das Gericht die Hinrichtung verschieben, weil es mehr Zeit haben wollte, um über den einen Antrag Fosters zu befinden, zu dem Fall eine neue Anhörung anzusetzen.

Nun ist ein neuer Termin angesetzt: Am Dienstag soll Foster durch die Stahltür gehen.

Foster arbeitete früher für die Armee. Seine Aufgabe war es, Rekruten anzuwerben. Die anderen Insassen des Todestraktes nennen ihn "Sarge", eine Kurzform von "Sergeant". Foster bezeichnet sich als unschuldig - diese Botschaft versucht er auch auf einer Website zu verbreiten. Laut Staatsanwaltschaft verbinden ihn allerdings DNA-Spuren mit der Tat; zudem soll Foster bei Befragungen unterschiedliche Versionen seiner Geschichte erzählt haben.

"Vertrauen in Rechtsbeistand und Vertrauen in Gott"

Fosters Anwälte argumentieren, ihr Mandant habe bei seinem Verfahren 2004 in Fort Worth schlechten juristischen Beistand gehabt. Zudem wollen sie, dass sich die Gerichte grundsätzlich neu mit dem Fall beschäftigen, weil sich seit dem Urteil die Rechtsprechung zu Fällen, in denen die Todesstrafe möglich ist, verändert habe. "Ich möchte nicht überheblich erscheinen, aber ich habe Vertrauen in meinen Rechtsbeistand und Vertrauen in meinen Gott", sagt Foster.

Foster weiß, was am Dienstag auf ihn zukommen wird. Um zwölf Uhr wird eine vierstündige Besuchszeit enden, bei der er sich von Freunden und Verwandten verabschieden kann. "Die Uhr schlägt zwölf. Ein Dutzend Wachen eskortieren dich", sagt Foster. Er hat nachgezählt: Es sind genau 111 Schritte bis zu einem Käfig, in dem kontrolliert wird, ob er noch Metallteile am Körper trägt. "Du trägst Handschellen, Fußfesseln, sie geben dir Stoffschlappen, du musst watscheln, damit du sie anbehältst", sagt er. Die 111 Schritte führen ihn an den Zellen anderer Todeskandidaten vorbei, die ihn mit Klopfen gegen die Zellenscheiben verabschieden.

Am Gefängnistor wird ein Wagen auf Foster warten. Die Fahrt vom Gefängnis in Livinston, wo die Todeskandidaten untergebracht sind, bis nach Huntsville, wo die Exekutionen vollzogen werden, dauert knapp eine Stunde. Seit fast einem Jahrhundert werden in Huntsville Menschen hingerichtet. Von 1924 bis 1964 kamen 361 Personen auf den elektrischen Stuhl. Seither wurden 485 Menschen durch eine tödliche Injektion hingerichtet.

Wenige Schritte zur Exekutionskammer

Foster hat eine Ahnung davon, was die Getöteten in ihren letzten Lebensminuten empfunden haben könnten. Bei der Ankunft in Huntsville, sagt er, fühle man sich, als reise man in die Zeit der Kerker zurück. In Huntsville muss der Verurteilte am Tag der Hinrichtung meist für etwa vier Stunden in einer winzigen Zelle warten, die nur wenige Schritte von der Stahltür der Exekutionskammer entfernt ist.

Die Zelle sei ein wenig gespenstisch. "Man sieht, dass alles schon lange da ist. Alles ist poliert, aber trotzdem alt", sagt Foster. "Es ist fast wie 'Hotel California'", sagt er und spielt damit auf das Lied der Eagles an. Darin heißt es: "Du kannst jederzeit auschecken, aber du kannst niemals gehen."

Bei seiner ersten Reise nach Huntsville bekam Foster dort eine Henkersmahlzeit. Er genoss das Essen, unter anderem gab es Hühnchen. "Es schmeckte so gut", sagt er, "es war sogar gewürzt." Zwei Stunden später, zu Beginn eines Zeitfensters von sechs Stunden, in dem die Hinrichtung ausgeführt werden sollte, kam die Nachricht von der Gnadenfrist. Als Foster zum zweiten Mal hingerichtet werden sollte, verlangte er nach Hühnchen und Nachos. Stattdessen erklärte ihm sein Anwalt unter Tränen, dass das oberste Gericht des Landes erneut einen Aufschub gewährt hatte.

Mit einer derartigen Wendung rechnet Foster am Dienstag nicht. "Ich habe dem Pastor gesagt, er soll den Hörer neben das Telefon legen", sagt Foster. "Ich will meine Henkersmahlzeit."

ulz/AP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 116 Beiträge
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1.
Nevermeind 24.09.2012
Was soll denn noch sagen? Die Vollstreckung einer Todesstrafe ist unumkehrbar, es besteht das Risiko, unschuldige Menschen zu toeten, was ein entscheidender Grund fuer Ihre Abschaffung ist.
2. Grausamer geht es kaum
kioto 24.09.2012
Hallo, Todesstrafe ist schon grausam genug, aber sie sozusagen mehrfach vollstrecken, ist für ein Land, daß sich als Hort der Menschenrechte aufspielt absolut unwürdig. kioto
3.
Indigo76 24.09.2012
Zitat von sysopCleve Foster sollte schon zweimal im texanischen Huntsville für die Entführung und Tötung einer Frau umgebracht werden. Zweimal ordnete der Oberste Gerichtshof der USA eine Verschiebung der Hinrichtung an. Am Dienstag ist Fosters dritter Termin. Texas: Häftling bereitet sich zum dritten Mal auf Hinrichtung vor - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/texas-haeftling-bereitet-sich-zum-dritten-mal-auf-hinrichtung-vor-a-857554.html)
Im antiken Rom gab es die Sitte, dass ein zum Tode Verurteilter, der sich der Hinrichtung Entziehen kann (durch Flucht oder Argumente), die Strafe erlassen wird (wenn er floh, musste er allerdings den Tempel erreichen). Wenn ein Anwalt einen Aufschub erwirgt, ist das doch in gewisser Weise ein Entkommen durch Argumente. Damit sind die USA grausamer als das antike Rom - damit würde ich mich auch nicht brüsken!
4.
081172 24.09.2012
Verlöre ich eine mir nahestehende Person durch ein Gewaltverbrechen (Gott bewahre), würde sich womöglich meine Meinung ändern ... aber objektiv betrachtet: wenn ein Staat die Todesstrafe vollstreckt, begibt er sich auf das gleiche erbärmliche Niveau wie der Mörder, und ist damit keinen Deut besser.
5. Barbarisch
spon-facebook-533196895 24.09.2012
ist die Todesstrafe wie man anhand dieses Artikels ja eindeutig sieht. Sie muss abgeschafft werden!
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Wie Menschen hingerichtet werden
Giftspritze
AP
Bei der Hinrichtung mit einer Giftspritze werden dem Verurteilten in der Regel drei Substanzen verabreicht: ein Narkosemittel, damit der Todgeweihte nichts spürt, ein Lähmungsmittel, damit sein Körper nicht zuckt, und schließlich das Salz Kaliumchlorid, damit das Herz aufhört zu schlagen. Dieses geschieht binnen zwei Minuten. Anfangs wurden die Substanzen manuell gespritzt, mittlerweile kommen Injektionsmaschinen zum Einsatz.

Bei der angeblich besonders "humanen" Hinrichtungsart können jedoch Probleme auftreten. Werden die Substanzmengen falsch berechnet oder die Mittel zu früh gemischt, verlängert sich der Sterbevorgang. Verzögert sich die Wirkung des Betäubungsmittels, ist das Opfer möglicherweise noch bei Bewusstsein, wenn die Lähmung der Lunge eintritt. Zudem kommt es vor, dass statt in eine Vene in Muskelfleisch injiziert wird - das Opfer erleidet dann starke Schmerzen.
Elektrischer Stuhl
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Die Hinrichtung mit dem elektrischen Stuhl wurde 1888 in den USA mit der Begründung eingeführt, sie sei humaner als das Erhängen. Das Opfer wird auf einen eigens dafür gebauten Stuhl geschnallt. Am Kopf und an den Beinen des Häftlings befestigen die Vollstrecker die Elektroden. Der Verurteilte wurde an diesen Stellen zuvor rasiert, damit ein optimaler Kontakt zwischen Elektroden und Körper besteht. Anschließend löst der Henker starke Stromstöße aus. Das Opfer stirbt durch Herzstillstand und Lähmung der Atemwege.

Die Stromschläge haben Verbrennungen der inneren Organe des Opfers zur Folge. "Oft werfen die Stromstöße den Gefangenen nach vorn in die angelegten Haltegurte; er uriniert, entleert den Darm oder erbricht Blut", berichtet Amnesty International. Die Luft sei vom Geruch verbrannten Fleisches erfüllt.
Gaskammer
Das Opfer wird in einer luftdichten Kammer an einen Stuhl geschnallt. Anschließend leiten Vollstreckungsbeamte Giftgas in den Raum, zum Beispiel Zyanid. Weil Zyanid ein Enzym in der Zellatmungskette hemmt, verhindert es die Sauerstoffversorgung des Körpers, der Betroffene erstickt.

Wenn der Todeskandidat das Zyanid jedoch nicht einatmet, weil er die Luft anhält, verzögert sich das Verfahren. Er kann auch langsamer atmen. Laut Amnesty International können lebenswichtige Organe noch für kurze Zeit weiter funktionieren, unabhängig davon, ob der Gefangene bereits bewusstlos ist oder nicht.
Strang
Der Gefangene bekommt eine Schlinge um den Hals gelegt und fällt anschließend in die Tiefe. Durch den Ruck des Stranges bricht das Genick, das Opfer wird bewusstlos. Diese Art der Hinrichtung erfordert ein hohes Maß an Erfahrung. Der Henker muss die Länge des Strickes so berechnen, dass der Fall des Körpers zu einem Genickbruch und damit zu einem schnellen Tod führt. Ansonsten kann der Kopf beim Fall auch abgetrennt werden - oder aber der Verurteilte erleidet einen grausamen Erdrosselungstod.

Nach Informationen von Amnesty International starben manche Opfer erst, nachdem die Wärter sie an den Beinen nach unten gezogen hatten.
Erschießen
DPA
Entweder eine Person oder ein ganzes Exekutionskommando schießen auf das Opfer. Dieses stirbt durch Verletzungen lebenswichtiger Organe wie beispielsweise des Herzens, durch Schädigung des zentralen Nervensystems oder durch Verbluten. Nach Angaben von Amnesty International ist der Kopfschuss in asiatischen und arabischen Ländern die am häufigsten angewandte Methode.

Bei gezielten Kopfschüssen wird das Opfer sofort bewusstlos. Treffen die Schützen jedoch stattdessen zuerst den Rumpf, ist es möglich, dass der Todgeweihte länger bei Bewusstsein bleibt.
Enthauptung/Guillotine
Diese Exekutionsmethode wird hauptsächlich in arabischen Ländern angewandt. Der Henker trennt mit einem Schwert den Kopf des Opfers ab. Wenn die scharfe Klinge die Wirbelsäule umgehend durchtrennt, wird der Verurteilte augenblicklich bewusstlos. Mitunter sind aber mehrere Hiebe notwendig, da das Schwert eine verhältnismäßig leichte Waffe ist. Die Dauer der Hinrichtung und damit auch der Qualen für den Hingerichteten hängt deshalb von der Kraft und Genauigkeit des Henkers ab.

Das Fallbeil, nach dem französischen Erfinder Guillotine genannt, wurde bereits im 18. Jahrhundert eingeführt - als "humane" Tötungsmaschine. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurden Menschen in Frankreich mit der Guillotine hingerichtet
Steinigung
Die Steinigung wird vor allem zum Vollzug von Todesstrafen auf Basis des islamischen Scharia-Rechts angewandt - etwa wegen Ehebruchs. In Iran ist die Steinigung als Hinrichtungsmethode gesetzlich vorgesehen. Das Opfer wird in der Regel vorher bis zum Hals in die Erde eingegraben. Der Tod tritt durch Ersticken oder durch Verletzungen am Kopf oder an anderen Körperteilen ein. Weil ein Mensch unter Umständen mehrere Steinwürfe übersteht, ohne das Bewusstsein zu verlieren, kann eine Steinigung ein langsames Sterben bewirken, konstatiert Amnesty International.