Satanismus-Fall in den USA Erzieher bekommen wegen Justizirrtums 3,4 Millionen Dollar

Mehr als zwei Jahrzehnte saßen Frances und Daniel Keller wegen Kindesmissbrauchs im Gefängnis, obwohl sie unschuldig waren. Nun erhalten die Pädagogen Zehntausende Dollar Entschädigung - pro Haftjahr.

Die Kellers vor dem Travis County Courthouse in Austin
AP / Ricardo B. Brazziell /Austin American-Statesman

Die Kellers vor dem Travis County Courthouse in Austin


Wegen eines Justizirrtums erhalten zwei Erzieher in den USA 3,4 Millionen Dollar Entschädigung. Der US-Bundesstaat Texas zahlt dem Ehepaar Frances und Daniel Keller, das aufgrund von ungerechtfertigten Missbrauchsvorwürfen 21 Jahre in Haft saß, 80.000 Dollar pro Gefängnisjahr. "Sie sind glücklich", sagte ihr Anwalt Keith Hampton.

Die Kellers waren 1991 verurteilt worden, weil sie in der Kindertagesstätte, in der sie damals arbeiteten, Schutzbefohlene sexuell missbraucht und satanischen Ritualen unterworfen haben sollen. 2013 wurden die Erzieher aus der Haft entlassen, nachdem sich die damaligen Zeugenaussagen der Kinder als falsch herausgestellt hatten.

Anfang der Neunzigerjahre herrschte in den USA große Angst vor satanischen Sekten, die es angeblich auf Kinder abgesehen hatten. Die Befragungen der Kinder durch die Ermittler erwiesen sich erst später als fehlerhaft. Im Juni dieses Jahres wurden die Kellers vollständig rehabilitiert.

Frances und Daniel Keller im November 1992
AP / Larry Kolvoord / Austin American-Statesman

Frances und Daniel Keller im November 1992

Sie seien nun endlich frei, sagte die 67-jährige Frances Keller dem "Austin American-Statesman". "Wir können nun anfangen zu leben - und die Albträume haben ein Ende." Die Erzieher lebten seit ihrer Freilassung in Armut, da sie aufgrund ihrer Vergangenheit und ihres Alters keine Arbeit mehr fanden.

In den USA gibt es immer wieder spektakuläre Justizirrtümer. Vor zwei Jahren machte etwa der Fall Lewis Fogle weltweit Schlagzeilen: Ein Gericht in Pennsylvania hatte den heute 65-Jährigen 1982 zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er eine 15-Jährige vergewaltigt und umgebracht haben soll. Vergeblich beteuerte Fogle seine Unschuld, erst nach 33 Jahren entlastete ihn ein DNA-Test.

mxw/AP/AFP

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