Texas Schwarze vergisst zu blinken, wird festgenommen und stirbt in Gefängniszelle

Ein kleiner Verkehrsverstoß hat für Sandra Bland tödliche Folgen. Ihre Begegnung mit einem texanischen Polizisten eskaliert, der Beamte nimmt sie fest. Drei Tage später wird die Afroamerikanerin tot in ihrer Zelle aufgefunden.

DPA/ Waller County Sheriffs Office

Sandra Bland wechselt die Fahrspur ohne zu blinken. Ein Polizist, der mit seinem Wagen hinter der Frau unterwegs ist, sieht das Vergehen und stoppt die Fahrerin. Der Beamte macht die Frau auf ihren Fehler aufmerksam und nimmt ihre Personalien auf.

Bis hierhin wirkt alles wie eine Routinekontrolle, wie sie täglich tausendfach in den USA vorkommt. Doch dann eskaliert die Begegnung zwischen der schwarzen Frau und dem weißen Polizisten. Die Frau fühlt sich ungerecht behandelt. Sie habe die Spur gewechselt, um dem Polizeiauto auszuweichen, sagt sie.

Die beiden streiten, die Frau weigert sich, ihre Zigarette auszumachen und aus dem Wagen zu steigen. Der Beamte droht Bland mit seiner Elektroschockpistole. "Ich zünd dich an." Wie die "New York Times" unter Berufung auf das Video aus der Polizeikamera berichtet, droht der Polizist noch einmal: "Ich zerr' dich da raus."

Kurze Zeit später befindet sich Bland demnach außerhalb des Wagens in Handschellen. Sie flucht und beschimpft den Polizisten. Wie sie aus dem Auto kam, ist allerdings nicht auf der Aufnahme zu sehen. Jedoch ist eine Art Handgemenge zu hören. "Sie haben mich gerade niedergeschlagen und meinen Kopf auf den Boden geknallt."

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Fall Sandra Bland: Tödliches Ende einer Verkehrskontrolle
Die Frau wird festgenommen und in ein Gefängnis nordwestlich von Houston gebracht. Das war am 10. Juli. Drei Tage später, am 13. Juli wird Bland leblos in Zelle 95 gefunden. Die Polizei spricht von Suizid durch Erhängen mit einer Plastikmülltüte, die Familie der Toten hält das für ausgeschlossen.

Die 28-Jährige war gerade erst von Chicago nach Texas gezogen, um einen Job an einer Universität anzutreten. Elron Mathis, der Staatsanwalt von Waller County, dem Gerichtsbezirk, in dem sich der Vorfall ereignete, hat angeordnet, den Fall wie einen Mordfall zu untersuchen.

"Es gibt zu viele Fragen, die beantwortet werden müssen", sagte Mathis. Die Familie der Toten habe deutlich gemacht, dass in Blands Leben "sehr viele Dinge sehr gut gelaufen" seien.

Nach der Veröffentlichung des Polizeivideos von der Festnahme wächst der Druck auf die Beamten. "Sandra Bland hatte es nicht verdient, festgenommen zu werden", sagte der texanische Senator Royce West.

"Das ist eine Tragödie, was hier passiert ist", sagte auch der texanische Regierungsvertreter Dan Patrick. "Sie hat ihr Leben im Gefängnis verloren, und dem müssen wir nachgehen."

In den vergangenen Monaten hatte eine Reihe von Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA zum Teil gewalttätige Proteste und Diskussionen über Rassismus in der Polizei ausgelöst. Ende April wurde die Ostküstenstadt Baltimore von schweren Ausschreitungen erschüttert, nachdem ein junger Afroamerikaner dort ums Leben gekommen war, nachdem er sich in Polizeigewahrsam verletzt hatte.

Auch der aktuelle Fall aus Texas sorgt für Aufregung in den USA. Unter dem Hashtag #SandraBland werfen Tausende der Polizei Rassismus vor, und beschuldigen die Beamten, den Suizid inszeniert zu haben.

syd/AFP/dpa



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