Missbrauchte Tochter: Vater tötet Sexualstraftäter - keine Anklage

Ein Mann vergeht sich an einer Fünfjährigen, wird ertappt und vom Vater des Mädchens erschlagen. Für den tödlichen Angriff muss sich der 23-Jährige nicht vor Gericht verantworten, hat nun eine Jury in Texas entschieden.

Shiner - Es geschah auf einem abgelegenen Bauernhof in Texas: Am 9. Juni zerrte ein 47-jähriger Hilfsarbeiter die kleine Tochter eines Farmers in einen Stall und verging sich an ihr. Der 23-jährige Vater hörte die Hilfeschreie seiner Tochter, ertappte den älteren Mann beim Missbrauch und prügelte so heftig auf dessen Kopf und Nacken ein, dass der 47-Jährige starb.

Eine Jury aus Laienrichtern im Bezirk Lavaca hat nun eine Anklage gegen den Vater aus der Nähe der Ortschaft Shiner abgelehnt. Laut Staatsanwaltschaft waren die Juroren zum selben Schluss gekommen wie die Polizei: Der Vater habe in Notwehr gehandelt. Staatsanwältin Heather McMinn erklärte, dass nach texanischem Recht der Einsatz von tödlicher Gewalt "erlaubt und gerechtfertigt" sei, um Sexualverbrechen zu stoppen.

Die Tochter erlitt laut Staatsanwaltschaft leichte Verletzungen, die mit den Aussagen der Zeugen übereinstimmten. Sie hatten unter anderem gesehen, wie der Täter das fünfjährige Mädchen mit Gewalt in das Gebäude gezogen hatte.

Auf einer Pressekonferenz wurde die Aufzeichnung des Notrufs vorgespielt, der nach dem Vorfall bei den Behörden eingegangen war. Darin klingt der Vater bestürzt über die Schläge gegen den 47-Jährigen und bittet schluchzend um einen Krankenwagen.

Auf der fast fünf Minuten langen Aufnahme ist zu hören, wie der Vater sagt, er habe den Vergewaltiger seiner Tochter verprügelt. "Er wird sterben!", schreit der Vater. Zwischenzeitlich wollte er den Verletzten sogar mit seinem Privatauto ins Krankenhaus bringen, weil der Krankenwagen noch nicht da war.

Der Anwalt des 23-Jährigen sagte, sein Mandant sei ein friedfertiger Mensch. "Er hatte nicht die Absicht, jemanden zu töten." Die Einwohner von Shiner begrüßten die Entscheidung der Justiz, von einer Anklage gegen den Vater abzusehen. "Ich finde es großartig, sie sollten ihm einen Orden geben für das, was er getan hat", sagte der 79-jährige Leroy Wagner der Zeitung "San Antonio Express News". Der 65-jährige Victor Casper sagte: "Wenn es meine Kinder gewesen wären, hätte ich die gleiche Sache gemacht."

ulz/AFP/AP

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