Thüringen Gericht verhängt Strafen nach Gewaltausbruch in Suhler Flüchtlingsheim

Im thüringischen Suhl eskalierte ein Streit unter Flüchtlingen. Nun sind fünf Beteiligte zu Bewährungs- und Haftstrafen verurteilt worden.

Angeklagte im Landgericht Meiningen
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Angeklagte im Landgericht Meiningen


Im Prozess um Ausschreitungen in einer Flüchtlingsunterkunft im thüringischen Suhl hat das Landgericht Meiningen fünf Beteiligte zu Bewährungs- und Haftstrafen verurteilt. Die zwischen 18 und 27 Jahre alten Angeklagten hätten sich des Landfriedensbruchs schuldig gemacht, weil sie Gewalttätigkeiten mit Eisenstangen oder Tischbeinen aus einer aufgebrachten Menschenmenge heraus verübten, sagte die Richterin bei der Urteilsbegründung.

Vier der Angeklagten erhielten Strafen zwischen einem und eineinhalb Jahren, die das Gericht zur Bewährung aussetzte. Zusätzlich sollen sie jeweils 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Ein 27-Jähriger, dem zusätzlich Körperverletzung angelastet wurde, muss für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis.

Das Gericht blieb damit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft nach Haftstrafen zwischen einem Jahr und vier Monaten sowie drei Jahren. Den Vorwurf des versuchten Totschlags ließ die Staatsanwaltschaft mangels eindeutiger Beweise fallen.

"Sie haben das Gastrecht verletzt"

In dem überfüllten Flüchtlingsheim in Suhl war in der Nacht auf den 20. August 2015 die Lage eskaliert. Auslöser war ein Flüchtling, der absichtlich Seiten aus dem Koran gerissen hatte. Sechs Polizisten und elf Flüchtlinge wurden verletzt. Zudem entstand hoher Sachschaden. Rund 120 Polizisten mussten ausrücken, um den Gewaltexzess unter Kontrolle zu bringen.

Polizisten sagten in dem Prozess aus, sie seien von der Menge regelrecht gejagt worden. Die Angeklagten saßen seit vergangenem Herbst in Untersuchungshaft. Sie legten Geständnisse ab. "Es tut mir sehr leid", sagte ein 18-Jähriger. Ein andere erklärte: "Ich habe einen großen Fehler gemacht."

Staatsanwalt Markus Knapp warf ihnen neben Gewalttaten auch vor: "Sie haben das Gastrecht verletzt und das Ansehen von Flüchtlingen beschädigt." Dass sie in Ländern mit anderen Werten und einem anderen Religionsverständnis aufgewachsen seien, rechtfertige ihre Taten nicht, sagte Knapp.

Die Verteidiger hatten für ihre Mandanten Bewährungsstrafen verlangt. Es gehe nicht darum, etwas an den Ausschreitungen zu verharmlosen, sagte der Anwalt eines 18-Jährigen. Es müssten aber die individuelle Schuld und das Alter der Männer berücksichtigt werden.

Sieben Monate nach den Ausschreitungen ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft inzwischen gegen insgesamt 18 Tatverdächtigte Anklage erhoben worden. Gegen weitere 48 Tatverdächtige liefen die Ermittlungen noch.

wit/dpa

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