Tim K. Gutachter widerspricht Psychogramm des Amokläufers von Winnenden

Tim K. tötete in Winnenden 15 Menschen und sich selbst - ein Psychiater kam unter anderem zu dem Schluss, dass den Amokläufer masochistische Phantasien antrieben. Doch ein Gegengutachten stellt jetzt nach SPIEGEL-Informationen diese und weitere Erkenntnisse in Frage.


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Amoklauf von Winnenden: Die Tat des Tim K.
Winnenden - Widersprüche im Fall Tim K.: Im Ermittlungsverfahren gegen den Vater des Amokschützen bezweifelt jetzt ein Gegengutachten etliche Schlussfolgerungen des Täterpsychogramms, das der Psychiater Reinmar du Bois im Auftrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart erstellt hat.

Das zweite Gutachten wurde von dem Gerichtsgutachter Peter Winckler aus Tübingen verfasst. Es beschäftigt sich sowohl mit der Methodik als auch dem Fazit du Bois' zum Motiv des jugendlichen Amoktäters. Winckler kritisiert in seinem Bericht den zum Teil "spekulativen Charakter" des Psychogramms. So bezeichnet er die Folgerung des Kollegen, Tim K. habe unter masochistischen Sexualphantasien gelitten, als "aus der Luft gegriffen".

Die Frage, ob Tim K.s Eltern tatsächlich über die Tötungsphantasien ihres Sohnes informiert waren, bedürfe einer intensiveren Prüfung. In diesem Punkt steht die Polizeiaussage der Therapeutin von Tim K. in direktem Widerspruch zu den Angaben der Eltern selbst.

Opferanwalt Jens Rabe sieht sich durch das Gegengutachten in seiner Einschätzung bestärkt, "dass eine eindeutige Klarheit über die Verantwortlichkeit der Eltern nur in einem Prozess erörtert werden kann". Die Staatsanwaltschaft Stuttgart soll einen Strafbefehl gegen Tims Vater anvisiert haben - momentan prüft die Generalstaatsanwaltschaft den Vorschlag. Eine Sprecherin der Behörde sagte jedoch, man habe "noch keine Entscheidung getroffen".

Simone Kaiser

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