Früherer V-Mann Schwerer Kindesmissbrauch - Anklage gegen Tino Brandt

Die Staatsanwaltschaft Gera hat gegen den ehemaligen V-Mann Tino Brandt Anklage wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern erhoben. Der Behörde zufolge geht es um insgesamt 157 Fälle.


München/Gera - Schon länger ermittelte die Staatsanwaltschaft Gera gegen den früheren V-Mann Tino Brandt. Nun hat die Behörde gegen den bekennenden Rechtsextremisten Anklage unter anderem wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs erhoben. Das teilten die Ermittler mit.

Demnach soll Brandt zwischen 2011 und 2014 insgesamt 157 Straftaten "gegen die sexuelle Selbstbestimmung" begangen haben. Die Ermittler legen ihm sexuellen und schweren sexuellen Missbrauch von Kindern, sexuellen Missbrauch von Jugendlichen sowie Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger zur Last.

In 45 Fällen soll Brandt minderjährige Jungen gegen Bezahlung an Erwachsene vermittelt haben, damit diese "gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen" vornehmen konnten.

Brandts Verteidiger erklärte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, dass ihm die Anklageschrift noch nicht vorliege. Er gehe jedoch davon aus, dass "sie im Wesentlichen auf den Einlassungen des Beschuldigten" selbst beruhe. Brandt, so der Anwalt, habe "angekündigt, sich im bisherigen Rahmen auch in der Hauptverhandlung vor Gericht geständig einlassen zu wollen".

Im Juni hatte die Staatsanwaltschaft im Zuge der Ermittlungen unter anderem Brandts Wohnsitz in Rudolstadt durchsucht. Seit Juni 2014 sitzt er in Untersuchungshaft.

Brandt baute in Thüringen die Neonazi-Organisation "Thüringer Heimatschutz" auf, in der auch die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe aktiv waren. Von 1994 bis 2001 arbeitete er als V-Mann für das Erfurter Landesamt für Verfassungsschutz. Im aktuell laufenden Prozess gegen Zschäpe und vier mutmaßliche NSU-Unterstützer ist Brandt als Zeuge gelistet.

gam/srö

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