Sexueller Missbrauch Minderjähriger Tino Brandt zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt

Tino Brandt ist einer der bekanntesten Neonazis Thüringens, er arbeitete lange als Informant für den Verfassungsschutz - und er vermittelte Minderjährige für Sex an andere Männer. Nun ist der 39-Jährige verurteilt worden.


Gera - Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen hat das Landgericht Gera den bekannten Thüringer Neonazi Tino Brandt zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts verging sich Brandt selbst an Minderjährigen und vermittelte die Jungen gegen Provision für Sex an andere Männer - strafbar als Förderung sexueller Handlungen von Minderjährigen. Insgesamt sprach das Gericht ihn in 66 Fällen schuldig.

Die Öffentlichkeit war während der Verlesung der Anklage und der Aussage Brandts ausgeschlossen. Der 39-Jährige legte laut dem Vorsitzenden Richter Berndt Neidhardt ein Geständnis ab. Für diesen Fall hatte ihm das Gericht einen Strafrahmen von fünf bis sechs Jahren zugesichert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Laut einer Gerichtssprecherin waren insgesamt fünf Minderjährige betroffen, der jüngste war zu Beginn noch 13 Jahre alt. Die Taten erstreckten sich über einen Zeitraum von drei Jahren. Die Minderjährigen stammten demnach aus prekären Verhältnissen, Brandt sei eine Bezugsperson für sie gewesen. Der Neonazi habe den Jugendlichen auch selbst Geld für sexuelle Handlungen gezahlt.

Brandt gehört zu den bekanntesten Vertretern der Thüringer Neonazi-Szene und war bis 2001 V-Mann des Verfassungsschutzes. Er baute die Neonazi-Organisation "Thüringer Heimatschutz" auf, in der auch die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe aktiv waren. Im aktuell laufenden Prozess gegen Zschäpe und vier mutmaßliche NSU-Unterstützer sagte Brandt mehrmals als Zeuge aus.

hut/dpa



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