Tippi Hedren über Alfred Hitchcock "Es war sexuell, pervers und hässlich"

US-Schauspielerin Tippi Hedren erhebt schwere Vorwürfe gegen Alfred Hitchcock. Bei Dreharbeiten zu "Die Vögel" und "Marnie" habe die Regie-Legende sie sexuell belästigt, schreibt die 86-Jährige in ihrer Biografie.


Ob bei den Filmfestspielen in Cannes oder mit Blumen am Flughafen: Alfred Hitchcock liebte es, sich mit Tippi Hedren zu zeigen. Die hübsche blonde Schauspielerin verlieh seinen Filmen Glanz - und privat machte der Regisseur ihr zahlreiche Avancen. In ihrer Biografie "Tippi: A Memoir" enthüllt die heute 86-Jährige aber nun: Der 1980 gestorbene Hitchcock hat sie während der Dreharbeiten angeblich bedrängt und missbraucht, wie unter anderem der britische "Guardian" meldet.

"Es ist an der Zeit, nicht mehr alle anderen meine Geschichte erzählen zu lassen," schreibt sie laut "Daily Mail" in dem Buch, aus dem "Mail" und "New York Post" vorab zitieren. Hedren, Mutter von Schauspielerin Melanie Griffith, beschreibt demnach, wie der britische Filmemacher sie bei Dreharbeiten zu "Die Vögel" und "Marnie" angeblich belästigte.

Wie der Charakter Mark Rutland im Psychothriller "Marnie" soll Hitchcock im echten Leben versucht haben, Kontrolle über die damalige Nachwuchsschauspielerin Tippi Hedren zu bekommen. Einmal habe er sich in einer Limousine auf die alleinerziehende junge Mutter geworfen, um sie zu küssen, am Set habe er sie von den anderen Kollegen isoliert - von Rod Taylor genauso wie von Sean Connery. Seine Garderobe habe Hitchcock stets in der Nähe der damals 31-Jährigen gewählt.

"Er fasste mich an und legte seine Hände auf mich"

Am Tag nach dem Vorfall im Auto, aus dem sich Hedren befreien konnte, sei die berühmte Telefonzellen-Szene für "Die Vögel" gedreht worden. Einige der echten Tiere seien mit Bändern an sie gebunden worden und hätten sie verletzt. Ein Rabe soll ihr beinahe ein Auge ausgepickt haben. "Es war hässlich, brutal und unbarmherzig", schreibt Hedren der "Mail" zufolge.

Bei einem Gespräch in seinem Büro soll Alfred Hitchcock das New Yorker Model demnach außerdem betatscht haben. "Ich bin hierzu nie ins Detail gegangen, und das werde ich nie. Ich kann nur sagen, dass er mich anfasste und seine Hände auf mich legte", zitiert das Blatt Hedren, die Hitchcock in einer TV-Werbung entdeckt hatte. "Es war sexuell, es war pervers, und es war hässlich."

Immer wieder will sich Tippi Hedren laut dem Bericht gegen Hitchcocks Annäherungen gewehrt haben. Das habe ihn jedoch nur noch aggressiver gemacht, bis er ihr schließlich gedroht habe: "Ich werde deine Karriere ruinieren." Der Regisseur habe etwa Universal daran gehindert, sie für einen Oscar vorzuschlagen. Zwei Jahre lang habe sie nach "Marnie" wegen eines Knebelvertrags keine anderen Rollen annehmen dürfen. Dennoch habe sie sich durchgebissen.

apr



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