Tod eines G-8-Polizisten Pannen, Rätsel, Merkwürdigkeiten

Fast 18.000 Polizisten sicherten den G-8-Gipfel in Heiligendamm, einer von ihnen starb. Der Polizeiobermeister Benjamin Brekau verunglückte am letzten Einsatztag. Seine Kollegin steht nun vor Gericht - und die Hinterbliebenen wollen wissen, was wirklich passiert ist.

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Dortmund - Die letzten Worte des Mannes, den sie sechs Wochen zuvor geheiratet hatte, fand die hochschwangere Michaela Brekau, 26, auf dem Schreibtisch. "Sag dem Spross bitte", hatte Polizeiobermeister Benjamin Brekau, 27, auf einem DIN-A-4-Blatt notiert, "er möge es sich noch ein paar Wochen richtig gemütlich machen, bis Papa aus dem Krieg zurück ist." Darunter schrieb der Beamte: "Für den Fall, dass er nach mir fragt, sag ihm bitte, ich sei schlank und sportlich."

Verunglückter Brekau, Frau Michaela: "Sag dem Spross bitte, ich sei schlank und sportlich"
DDP

Verunglückter Brekau, Frau Michaela: "Sag dem Spross bitte, ich sei schlank und sportlich"

Sein Sohn wird fragen. Eines Tages. Denn zwei Wochen, bevor der kleine Benjamin geboren wurde, verunglückte sein Vater tödlich.

Es war der Abend des 8. Juni 2007. Zwei aufzehrende Wochen beim G-8-Gipfel in Heiligendamm lagen hinter den Frauen und Männern der 3. Bereitschaftspolizei Einsatzhundertschaft aus Dortmund. Sie hatten den Schutzzaun gegen Demonstranten verteidigt, waren sogar mit dem Hubschrauber eingeflogen worden, als es dort brenzlig wurde, sie hatten Straßen geräumt und auch die gelegentliche Langeweile besiegt. Alles war gut gegangen. Am nächsten Morgen sollten die Beamten nach Hause fahren. Die Stimmung im Van-der-Valk-Resort zu Linstow (Mecklenburg-Vorpommern), wo die Polizisten übernachteten, war gelöst.

Brekau hatte mit seinen Kollegen im Speisesaal des Hotels zu Abend gegessen, als die Einheit gegen 21 Uhr in ihr Ferienhaus zurückkehren sollte. Die fünf Beamten stiegen in den Mannschaftswagen, einen Ford Transit. Ans Steuer setzte sich die damals 26 Jahre alte Polizeikommissarin Kristin K., die sich an diesem Donnerstag und Freitag vor dem Amtsgericht Güstrow wegen fahrlässiger Tötung wird verantworten müssen. Neben ihr nahm der Gruppenführer Platz.

Hinten im Wagen, mit dem Rücken zu seinem Vorgesetzten und der linken Schulter zur Schiebetür, saß Polizeiobermeister Brekau, ihm unmittelbar gegenüber hockte ein Kollege, ein anderer rechts neben ihm. Was dann geschah, erscheint rätselhaft.

In den Vernehmungen durch die Staatsanwaltschaft Rostock haben die Beamten ausgesagt, dass Brekau dem Gruppenführer seine benutzten und wohl übel riechenden Ellbogenschoner entgegengestreckt habe. Gleichzeitig und obschon die Schiebetür des Transporters noch nicht geschlossen war, sei Kristin K. angefahren. Dann passierte das Unerklärliche.

Brekau, ein durchtrainierter Eishockeyspieler, fiel - ohne sich halten zu können - aus dem etwa 20 Stundenkilometer schnellen Auto und schlug - wiederum ohne sich abzustützen - mit dem Hinterkopf auf den Asphalt. Auch sein Kollege auf dem Sitz gegenüber, nach Angaben der Hinterbliebenen ein Eishockeytorwart mit exzellenten Reflexen, konnte nicht eingreifen. Brekau erlag drei Tage später in einem Krankenhaus seiner schweren Kopfverletzung.



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