Tod in der Arrestzelle Richter lässt Zeugen zweites Mal antreten

Das Landgericht Dessau verlängert den Prozess um den mysteriösen Feuertod eines Asylbewerbers in einer Polizeizelle. Auf der Anklagebank sitzen zwei Polizisten. Deren Kollegen haben nach Ansicht des Gerichtes widersprüchliche Aussagen gemacht und werden erneut geladen.


Dessau - Ein Urteil in dem Fall wird nicht vor Oktober erwartet. Die Kammer hat weitere Zeugen geladen, darunter auch Polizeibeamte, die bereits ausgesagt haben. Das Verfahren, für das ursprünglich sechs Prozesstage angesetzt waren, werde nicht vor Oktober abgeschlossen sein, sagte eine Sprecherin des Landgerichts Dessau heute und bestätigte damit einen Bericht der "Mitteldeutschen Zeitung" aus Halle.

Dem Blatt zufolge hat der Vorsitzende Richter, Manfred Steinhoff, die Aussagen einer Reihe von Polizeibeamten stark in Zweifel gezogen. Zumindest einer von ihnen müsse bewusst falsch ausgesagt haben, um den Hauptangeklagten zu schützen.

Angeklagt sind in dem Prozess vor der 6. Strafkammer des Landgerichts Dessau zwei Polizisten. Der 23-jährige Oury Jalloh aus Sierra Leone starb nach seiner Festnahme am 7. Januar 2005 in einer Polizeizelle an einem Hitzeschock, nachdem der alkoholisierte und an Händen und Füßen gefesselte Mann seine Matratze mit einem Feuerzeug selbst angezündet haben soll.

Dem 46-jährigen Dienstgruppenleiter Andreas S. wirft die Staatsanwaltschaft fahrlässige Tötung vor: Er habe das Signal des Zellen-Rauchmelders zweimal ausgeschaltet und ignoriert. Jalloh starb sechs Minuten nach Ausbruch des Feuers. Der mitangeklagte 44-jährige Streifenpolizist Hans-Ulrich M., der bei der Durchsuchung das Feuerzeug übersehen haben soll, muss sich wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten.

ffr/AP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.