Tod in der JVA Siegburg Angeklagter gesteht Foltermord an Mithäftling

Sie schlugen und quälten ihn stundenlang, dann erhängten sie ihn an der Toilettentür: Wegen des grausigen Todes ihres Mithäftlings Hermann H. müssen sich nun drei junge Männer vor Gericht verantworten. Der jüngste hat bereits ein erschütterndes Geständnis abgelegt.


Bonn - Zum Prozessauftakt sagte der 17-jährige Danny K. heute vor dem Bonner Landgericht aus, er habe das 20-jährige Opfer am 11. November 2006 gemeinsam mit den Mitangeklagten Ralf A., 21, und Pascal I., 19, in der Gemeinschaftszelle in wechselnder Tatbeteiligung geschlagen und gequält. Nach stundenlangen Qualen habe das Trio sein Opfer Hermann H. an der Toilettentür in der Zelle erhängt. Es sollte wie Selbstmord aussehen.

K. sagte auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Volker Kunkel aus, er habe die Misshandlungen des Mithäftlings anfänglich als Spaß betrachtet. Erst am Ende hätten die drei Angeklagten "dann gesehen, was wir gemacht haben". Ein Motiv für das brutale Verbrechen in der Viererzelle des Siegburger Gefängnisses nannte K. nicht. Der 17-Jährige beschrieb H. allerdings als Außenseiter in der Zelle. "Der Hermann war ziemlich ruhig."

Das Verbrechen hatte wegen der Brutalität der Täter bundesweit Entsetzen ausgelöst. Staatsanwalt Robin Faßbender warf den Angeklagten bei der Verlesung der Anklage zum Prozessbeginn gemeinschaftlichen Mord, Misshandlung und sexuellen Missbrauch vor. Die Zellengenossen hätten H. auf grausame Weise, aus Mordlust, aus niedrigen Beweggründen und zur Verdeckung einer Straftat umgebracht.

K. gab die Misshandungen vor Gericht zu. H. habe unter anderem vor seinem Tod Wasser mit scharfem Pulver und Salz trinken und Zahnpasta essen müssen. Er räumte auch ein, dass die Angeklagten vor dem Mord auf einer Liste notiert hätten, was für und was gegen eine Tötung des Opfers spricht. Dabei vermerkten sie demnach zwar als Nachteil, dass vier Leute auf einer Zelle mehr einkaufen dürften als drei. Letztlich habe sich das Trio aber beschlossen, "dass wir den dann töten".

Im Verlauf der Folter sei eine Debatte darüber aufgekommen, ob man das Opfer "weghängen" solle, damit es nicht gegen die Täter aussagen könne. An einem über der Tür im Haftraum geknoteten Bettlaken sei der Mithäftling dann nach fünf vorangegangenen Versuchen erhängt worden. Die Absicht sei gewesen, die Tat als freiwilligen Selbstmord des jungen Mannes aussehen zu lassen.

Dem noch nicht volljährigen K. drohen für Verbrechen bis zu zehn Jahre Jugendstrafe. Bei seinen beiden Mitangeklagten wird die Strafkammer entscheiden müssen, ob sie ebenfalls nach Jugendstrafrecht zu verurteilen sind. Anderenfalls könnten sie zu lebenslanger Haft verurteilt werden. Für das Verfahren sind weitere sieben Verhandlungstage bis zum 28. August angesetzt. Die Strafkammer will 34 Zeugen und zwei Gutachter hören.

ffr/AFP/ddp



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