Bochum - In Russland gilt Krokodil als die Droge der Armen, nun wird auch eine Verbreitung in Deutschland befürchtet. Nach ersten Verdachtsfällen im Ruhrgebiet erwägt die Justiz Straffreiheit für Konsumenten, die als Zeugen aussagen. "Wir werden in solchen Fällen eine Einstellung der Verfahren sehr wohlwollend prüfen", sagte der Bochumer Staatsanwalt Christian Kuhnert. Das Betäubungsmittelgesetz erlaube das bei Selbstanzeigen ohne Schwierigkeiten.
In Bochum gibt es vier Verdachtsfälle der als hochgefährlich eingestuften Droge. Drogenärzte hatten bei den Abhängigen die typischen schweren gesundheitlichen Schäden gefunden, die bei dem aus Russland stammenden Drogenmix vielfach beschrieben wurden. Ein toxikologischer Nachweis der Substanz im Körper von Süchtigen steht aber bisher aus.
Der tödliche Cocktail zerstört den Körper der Süchtigen in kürzester Zeit. Rund um die Einstichstellen bilden sich Geschwüre, das Gewebe zerfällt. Die Lebenserwartung der Abhängigen liegt russischen Medizinern zufolge bei ein bis drei Jahren. Manche sterben schon beim ersten Konsum.
Bis zum Donnerstagmittag konnte die Polizei keine Krokodil-Konsumenten direkt befragen. Die Drogeneinnahme ist strafbar und die Ärzte der Suchthilfe geben wegen ihrer Schweigepflicht keine Personalien weiter. "Die Abhängigen wagen sich aus Angst vor Strafe nicht zu uns in die Höhle des Löwen", sagte der Bochumer Polizeisprecher Jürgen Leimanzik. Ohne Schilderungen aus erster Hand sei die Gefahr aber schwer zu beurteilen.
bim/dpa
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