Todesgerüchte Politiker wütend über Enthüllung von Osama-Report

Ein Bericht über den Tod des al-Qaida-Chefs Osama Bin Laden bringt Politiker und Agenten in aller Welt in Wallung. Einem vertraulichen Dokument des französischen Geheimdienstes zufolge ist der Terrorführer im August an Typhus gestorben. Doch bestätigen mag die Information niemand.


Paris - Da die Informationen nicht bestätigt seien, werde er den Bericht nicht weiter kommentieren, sagte der französische Staatspräsident Jacques Chirac auf einer Pressekonferenz nach dem deutsch-französisch-russischen Dreiergipfel in Compiègne nördlich von Paris. Er sei überrascht, dass das vertrauliche Geheimdienstdossier von einer Dienststelle an die Öffentlichkeit geraten sei. Ein Verfahren zur Ermittlung der undichten Stelle sei eingeleitet worden.

Chirac, Putin, Merkel: Kritik am "Informationsverlust"
REUTERS

Chirac, Putin, Merkel: Kritik am "Informationsverlust"

Die Regionalzeitung "L'Est Republicain" hatte heute einen vertraulichen Bericht des französischen Auslandsgeheimdienstes DGSE abgedruckt, wonach Ermittler in Saudi-Arabien vom Tod Osama Bin Ladens überzeugt seien. "Einer für gewöhnlich vertrauenswürdigen Quelle zufolge sind die saudischen Dienste nun der Ansicht, dass Osama bin Laden tot ist", zitiert das Blatt aus dem Dokument.

Die Zeitung zitiert aus der DGSE-Note, dem saudischen Geheimdienst zufolge sei Bin Laden in Pakistan an Typhus erkrankt. Sein Zustand habe sich am 23. August stark verschlechtert. Danach seien seine Beine halb gelähmt gewesen. Seine fluchtbedingte Isolation habe jede medizinische Hilfe unmöglich gemacht. "Am 4. September 2006 haben die saudischen Dienste die ersten Anzeichen für seinen Tod erhalten", heißt es. Offiziell solle Bin Laden erst dann für tot erklärt werden, wenn klar sei, wo er begraben liege.

Der russische Staatspräsident Wladimir Putin beklagte den "Informationsverlust", der durch den Zeitungsbericht entstanden sei. "Da fragt man sich, ob das mit Absicht geschehen ist", sagte Putin auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Chirac. Er habe keine Informationen über den mutmaßlichen Tod Bin Ladens. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, die Bundesregierung habe keine Erkenntnisse darüber.

"Es ist möglich, dass die Rede von etwas in dieser Art war"

Ein Sprecher der US-Regierung, der namentlich nicht genannt werden wollte, äußerte sich ähnlich. "Wir können das nicht bestätigen", sagte er über die Berichte vom Typhustod Bin Ladens. "Es ist gut möglich, dass die Rede von etwas in dieser Art war, aber das geht nicht so weit, dass ich irgendetwas bestätigen könnte." Westliche und pakistanische Geheimdienstbeamte schätzten die Dokumente allerdings als vage ein und äußerten sich so zurückhaltend, dass die Informationen als wenig vertrauenswürdig gelten müssen.

Ein hochrangiger Vertreter des pakistanischen Innenministeriums sagte: "Wir haben keine Informationen über den Tod von Osama." Man habe keinerlei Informationen von ausländischen Regierungen bekommen, dass Bin Laden an Typhus gestorben sei. Dies sei aber das übliche Vorgehen, so dass er sich nicht vorstellen könne, dass der Bericht richtig sei, sagte der Sprecher, der anonym bleiben wollte.

Bereits am 19. September hatte der DGSE dem Zeitungsbericht zufolge notiert, der saudische Geheimdienst versuche, Nachrichten zum Tode Bin Ladens zu verifizieren. Die jetzigen Informationen würden als so verlässlich angesehen, dass sie weitergeleitet worden seien.

US-geführte Spezialeinheiten fahnden seit Jahren vergeblich im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan nach dem Terroristenführer. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA fehlt von Bin Laden jede Spur. In den vergangenen Jahren wurde wiederholt spekuliert, er sei längst tot.

ffr/AP/Reuters/dpa/AFP



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