Todesschütze aus Franken Psychotischer Pfleger, schnell überfordert

Nach tödlichen Schüssen auf Passanten in Franken kommen Details über den mutmaßlichen Täter ans Licht. Demnach hatte der Krankenpfleger seit zehn Jahren psychische Probleme und soll Patienten schlecht behandelt haben. Zu Hause züchtete er Cannabis.

Tatort nahe Ansbach: Pfleger mit Psychose und Waffenschein
DPA

Tatort nahe Ansbach: Pfleger mit Psychose und Waffenschein


Schon kurz nach der Bluttat im mittelfränkischen Leutershausen erklärte ein psychiatrischer Sachverständiger, der Tatverdächtige Bernd G. leide unter einer akuten Psychose und habe vermutlich im Wahn gehandelt, als er zwei Menschen tötete.

Aus Unterlagen, die jetzt in der Wohnung des Sportschützen gefunden wurden, geht laut Staatsanwaltschaft Ansbach hervor, dass der 47-Jährige bereits seit zehn Jahren psychische Probleme hatte. Wegen der ärztlichen Schweigepflicht könnten zu diesen Problemen allerdings keine näheren Angaben gemacht werden, hieß es.

Im Raum steht demnach auch die Frage, ob G. zum Tatzeitpunkt möglicherweise unter Drogeneinfluss stand. In der Wohnung, die den Eltern des Mannes gehört, fand die Polizei 18 Cannabispflanzen. Die Ermittler nahmen eine Blutprobe, deren Auswertung voraussichtlich eine Woche in Anspruch nehmen wird. In G.s Auto stellten die Fahnder außerdem 200 Schuss Munition sicher.

Ein schlechter Scherz?

Bernd G. soll am Freitag in Leutershausen bei Ansbach zuerst eine 82 Jahre alte Frau und danach einen 72 Jahre alten Radfahrer aus einem Auto heraus erschossen haben. Auf seiner etwa 30 Kilometer langen Flucht schoss er den Ermittlungen zufolge auch auf eine Autofahrerin und einen Mann am Steuer eines Traktors. Die Frau blieb unverletzt, der Landwirt zog sich durch herumfliegende Splitter leichte Verletzungen am Arm zu.

Jetzt wurde bekannt: G. soll zwei weitere Passanten und einen Bauarbeiter mit der Pistole bedroht haben. Alle drei hätten dies als schlechten Scherz angesehen und dies auch geäußert. Der mit seinem Auto umherfahrende Angreifer sei dann weiter gefahren ohne einen Schuss abzugeben.

Als G. gegen 11.45 Uhr an einer Tankstelle in Bad Windsheim anhielt, konnte er durch das beherzte Eingreifen der Anwesenden überwältigt werden. Eine ältere Kundin habe dem Mann gesagt, er solle seine Waffe wegtun. Der Angreifer habe sie daraufhin aufgefordert, die Tankstelle zu verlassen, ansonsten "knalle er sie ab". Nachdem die Frau das Gebäude verlassen hatte, habe der 47-Jährige kurz seine Pistole abgelegt. Diesen Moment nutzte eine Tankstellenmitarbeiterin, um die Waffe an sich zu nehmen. Zwei Mechaniker konnten den Mann kurz darauf überwältigen.

Einem Patienten die Hand verdreht

Der 47-jährige Tatverdächtige arbeitete bis Februar als Krankenpfleger in einer Klinik in Bad Windsheim. Weil er einem Patienten die Hand verdreht haben soll, wurde er jedoch entlassen. Danach arbeitete er im Vitalis-Wohnpark in Ansbach als Urlaubsvertretung.

Auch dieses Arbeitsverhältnis wurde vorzeitig beendet: "Er verhielt sich nicht so, wie wir das erwartet haben", sagte eine Vitalis-Sprecherin. Er sei gegenüber Kollegen und Heimbewohnern laut geworden und sehr hektisch gewesen. "Er war einfach nicht stressresistent."

Das Motiv des Täters bleibt weiter im Dunkeln. Medienberichte, wonach der 47-Jährige die Amokfahrt bis zu seinem früheren Arbeitsplatz in Bad Windsheim fortsetzen wollte, bestätigte die Staatsanwaltschaft nicht. Hierfür gebe es bislang keine Hinweise. Gleiches gelte für die Vermutung, der Mann habe aus Hass auf ältere Menschen gehandelt.

Der 47-Jährige ist Mitglied in einem Schützenverein im mittelfränkischen Heilsbronn. Seine Waffen besaß er daher legal. Bei der jüngsten Überprüfung des Sportschützen im Jahr 2013 war den Behörden nichts aufgefallen. "Da war alles in Ordnung", sagte ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums. Der nächste Check wäre turnusgemäß Ende 2016 fällig gewesen.

"Ich kannte ihn, er hat aber zuletzt nicht sehr viel bei uns trainiert", sagte eine Sportschützin des Vereins. "Er wirkte auf mich normal."

ala/dpa/AFP



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