Tödlicher Schuss in Hannover Schütze soll bewusst auf Einbrecher gezielt haben

Ein 40-Jähriger aus Hannover erschoss einen Mann, der offenbar bei ihm einbrechen wollte - aus Notwehr, wie er sagt. Doch die Ermittler glauben das nicht.

Polizisten am Tatort in Hannover: Werkstattbesitzer soll bewusst geschossen haben
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Polizisten am Tatort in Hannover: Werkstattbesitzer soll bewusst geschossen haben

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Ein 40-jähriger Werkstattbesitzer, der vor zwei Wochen einen mutmaßlichen Einbrecher mit einem Schuss tödlich verletzte, bleibt in Untersuchungshaft. Das entschied das Amtsgericht Hannover. "Der Haftbefehl wird aufrecht erhalten und auch nicht außer Kraft gesetzt", sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Der Verdacht lautet auf Totschlag.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Todesschützen nach Informationen von SPIEGEL ONLINE vor, er habe in der Nacht zum 9. Juni gezielt auf drei Männer geschossen, die bereits auf der Flucht gewesen seien. Der tödliche Schuss habe das 18-jährige Opfer von hinten getroffen, unterhalb der rechten Schulter. Der Schütze habe das bewusst in Kauf genommen. Es bestehe Flucht- und Verdunklungsgefahr.

"Mein Mandant hatte Todesangst"

Der Fall weist Parallelen auf zu einem Verfahren, das vor einigen Jahren bundesweit Aufsehen erregte. Im niedersächsischen Sittensen brachen mehrere Jugendliche in das Haus eines Rentners ein. Als die Täter flüchteten, erschoss der Rentner einen Eindringling von hinten. Der Schütze wurde im Oktober 2014 vom Landgericht Stade zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der Prozess war erst auf Anordnung des Oberlandesgerichts Celle eröffnet worden.

Ebenso wie der Rentner beruft sich auch der Werkstattbesitzer aus Hannover auf Notwehr. Sein Verteidiger Benjamin Schmidt wies darauf hin, dass die Männer vermummt gewesen seien. "Mein Mandant hatte Todesangst." Er habe bei den Männern eine Waffe gesehen. Der Schuss sei nicht gezielt abgegeben worden. Es sei durchaus möglich, dass das Geschoss von vorn in den Körper des Opfers eingedrungen sei.

Die Ermittler machten insgesamt drei mutmaßliche Komplizen des Opfers ausfindig, dessen Vater in Hannover wohnt. Das Trio bestritt nach Informationen von SPIEGEL ONLINE, dass man in der Nacht eine Waffe dabei gehabt habe. Die Männer räumten demnach aber ein, dass sie einbrechen wollten, um Essen und Trinken zu erbeuten. Die Staatsanwaltschaft hat gegen sie ein Verfahren eröffnet wegen versuchten Wohnungseinbruchdiebstahls.

Zeugen sagten bei der Staatsanwaltschaft aus, dass Komplizen das schwer verwundete Opfer allein gelassen hätten. Anwalt Schmidt sagte: "Der Tote könnte vielleicht noch leben, wenn die Komplizen ihn nicht im Stich gelassen hätten." Der Anwalt hat gemeinsam mit zwei Kollegen gegen die drei Männer Strafantrag wegen des Verdachts auf Totschlag durch Unterlassen gestellt.

Der 40-jährige Werkstattbesitzer war als Sportschütze legal im Besitz mehrerer Schusswaffen. Den tödlichen Schuss gab er mit einer Pistole vom Typ Sig Sauer, 9 mm, ab.

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