Unerprobte Hinrichtungsmethode 21 Todeskandidaten verklagen Oklahoma

Exekutionen mit unerprobten Medikamenten sind "biologische Versuche an Gefangenen" - diesen Vorwurf erheben 21 zum Tode Verurteilte in Oklahoma. Die Häftlinge wollen mit einer Klage alle Hinrichtungen in dem Bundesstaat stoppen.

Gefängnis in McAlester, Oklahoma: Ort für Hinrichtungen in dem Bundesstaat
AP/Tulsa World

Gefängnis in McAlester, Oklahoma: Ort für Hinrichtungen in dem Bundesstaat


Oklahoma City - Der Strafvollzug in Oklahoma missbraucht Todeskandidaten als Versuchsobjekte und verletzt das in der Verfassung verankerte Verbot grausamer oder ungewöhnlicher Strafen. Diesen Vorwurf erheben 21 zum Tode Verurteilte gegen die Behörden in dem US-Bundesstaat. Die Todeskandidaten haben nun Klage eingereicht.

Die Gruppe will gerichtlich einen Stopp für alle Hinrichtungen durchsetzen, die mit der in Oklahoma derzeit üblichen Methode vollzogen werden sollen. Das bringe für die Verurteilten das Risiko großer Schmerzen und schweren Leidens mit sich. Der Staat habe es versäumt, Experten zu Rate zu ziehen; die Substanzen, die bei Hinrichtungen benutzt würden, seien dafür ungeeignet.

Derzeit werden in Oklahoma nacheinander drei Mittel gespritzt: Midazolam, um den Verurteilten bewusstlos zu machen. Vecuronium, um die Atmung zu stoppen. Und Kaliumchlorid, um einen Herzstillstand herbeizuführen.

Aus der Luft gegriffen sind die Vorwürfe der Gefangenen nicht. Die Klage folgt auf die qualvolle Hinrichtung Clayton Locketts am 29. April. Die Exekution war abgebrochen worden, weil es Probleme mit der Giftinjektion gab. Der Mann wand sich 43 Minuten lang im Todeskampf vor Schmerzen, bis er schließlich an einem Herzinfarkt starb.

"Programm biologischer Versuche an Gefangenen"

"Indem versucht wird, Hinrichtungen mit ungesicherten Methoden und einer ständig wechselnden Anzahl unerprobter Medikamente unbekannter Herkunft zu vollziehen, betreiben die Beklagten ein Programm biologischer Versuche an Gefangenen ohne deren Zustimmung", heißt es in der Klage. Oklahomas Generalstaatsanwalt und die Gefängnisbehörde wollten sich nicht dazu äußern.

Die 21 Kläger sehen die Gefahr, dass die Justiz bei ihnen "die gleichen oder ähnliche Produkte und Prozeduren anwendet" wie bei der Hinrichtung Ende April. Der Vorfall hatte in den USA die Debatte über die Todesstrafe neu entfacht, Präsident Barack Obama bezeichnete die Hinrichtung als "zutiefst verstörend".

Zu den Klägern gehört Charles Warner. Er sollte am selben Tag wie Lockett hingerichtet werden, seine Exekution ist nun für den 13. November angesetzt. Es wäre die erste in Oklahoma nach dem qualvollen Tod Locketts, der Staat hatte zunächst alle Hinrichtungen ausgesetzt.

Lockett und Warner hatten Oklahoma verklagt, um den Lieferanten für die bei Hinrichtungen verwendeten Substanzen zu erfahren. Die Generalstaatsanwaltschaft hatte Erfolg damit, die Informationen geheim zu halten.

Die USA haben Probleme bei der Versorgung mit den für die Giftinjektionen verwendeten Mitteln, seitdem europäische Hersteller sich weigern, die Substanzen für diesen Zweck zu liefern. Mehrere der 32 Bundesstaaten, die in den USA noch die Todesstrafe vollstrecken, benutzen seitdem für Hinrichtungen neue Mittel, die teils aber nicht offiziell zugelassen und erprobt sind. Der Bundesstaat Tennessee führte aus Mangel an geeigneten Medikamenten den elektrischen Stuhl wieder ein.

Hinrichtungen seit 1976

ulz/AP/AFP

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