Serien-Exekution Arkansas richtet zwei Häftlinge an einem Tag hin

Erstmals seit dem Jahr 2000 sind in den USA zwei Menschen an einem Tag hingerichtet worden. Die eine Exekution soll 17 Minuten gedauert haben.

Bahre in Hinrichtungskammer (Archivbild)
AP

Bahre in Hinrichtungskammer (Archivbild)


Der US-Bundesstaat Arkansas hat trotz anhaltender Kritik zwei weitere Häftlinge hingerichtet. Es ist das erste Mal seit dem Jahr 2000, dass es in den USA zwei Exekutionen an einem Tag gegeben hat. Jack Jones und Marcel Williams starben am Montagabend jeweils durch eine Giftspritze.

Die Anwälte der Getöteten hatten bis zuletzt versucht, die Vollstreckung der Todesurteile zu verhindern oder zumindest aufzuschieben.

Der 52-jährige Jones war 1996 wegen Mordes und Vergewaltigung zum Tode verurteilt worden. Zuvor hatte das Oberste Gericht ein Gesuch auf Aufschub abgelehnt. Rund drei Stunden später wurde auch der 46-jährige Williams hingerichtet, er war 1994 ebenfalls wegen Mordes und Vergewaltigung zum Tode verurteilt worden.

Laut einem Reporter der Nachrichtenagentur AP, der Augenzeuge war, hat die Hinrichtung von Williams 17 Minuten gedauert. Demnach habe der Häftling zunächst schwer geatmet und seine Miene verzogen, ehe er das Bewusstsein verloren habe.

Williams' Anwälte hatten zuvor bereits versucht, die Exekution zu stoppen, da ihrem Mandanten aufgrund seines Gewichts (rund 181 Kilogramm) und seines schlechten Gesundheitszustandes große Schmerzen bei einer Hinrichtung durch die Giftspritze drohten.

Nach Jones' Hinrichtung gaben sie gegenüber einem Bundesrichter an, dass Jones bei seiner Hinrichtung nach Luft geschnappt habe. Bereits zuvor hatten die Anwälte der Todeskandidaten damit argumentiert, dass die von Arkansas bei Giftinjektionen verwendeten Mittel nicht effektiv seien und möglicherweise für einen schmerzvollen Tod sorgen.

Der Bundesrichter stoppte die Exekution von Williams zunächst, hob sein Urteil aber eine Stunde später wieder auf, nachdem der Generalstaatsanwalt von Arkansas die Vorwürfe von Williams' Anwälten bestritten hatte.

"Fließband"-Hinrichtungen werden weltweit kritisiert

Die Exekutionen waren Teil einer geplanten Serie von ursprünglich acht Hinrichtungen binnen weniger als zwei Wochen. Weil das Haltbarkeitsdatum des bei Giftinjektionen verwendeten Mittels Midazolam abläuft, hatte der republikanische Gouverneur von Arkansas, Asa Hutchinson, per Dekret die größte Hinrichtungswelle in den USA seit 40 Jahren angeordnet. Die US-Behörden haben Nachschubprobleme, weil einige Hersteller ihre Mittel nicht für Exekutionen zur Verfügung stellen.

Vier der geplanten Exekutionen wurden aber inzwischen von Gerichten gestoppt. Ein erster Häftling war vergangene Woche per Giftspritze getötet worden, die letzte Hinrichtung ist für den 27. April geplant.

Hinrichtungen seit 1976

Das Vorhaben von Arkansas' Behörden sorgte weltweit für Kritik und Proteste. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte den US-Bundesstaat auf, die "Fließband"-Hinrichtungen zu stoppen. Bei den Fällen der Todeskandidaten gebe es zahlreiche rechtliche Bedenken. Auch die Europäische Union sowie die Bundesregierung in Berlin protestierten gegen die geplanten Exekutionen.

Zuletzt hatte Texas im Jahr 2000 zwei Häftlinge am gleichen Tag hingerichtet. 2014 wurde eine Doppel-Exekution in Oklahoma gestoppt, nachdem es bei der ersten zu einem 43-minütigen Todeskampf gekommen war.

In diesem Jahr sind in den USA bislang neun Menschen hingerichtet worden. 2016 hatte es 20 Exekutionen gegeben.

max/dpa/AFP

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Eu1ropa 25.04.2017
1. 1, 2 oder 8?
Es spielt keine Rolle, ob es jetzt am gestrigen Tag ein oder zwei Hinrichtungen waren. Die Frage ist doch, ob z.B. Strafe wirklich Genugtuung gegenüber den Angehörigen des Opfers sein darf? Oder ob es grundsätzlich ethisch möglich ist, einen Menschen gezielt und ohne akute Not zu töten. icg meine Nein - deshalb ist es ebenso falsch 1 Hinrichtung durchzuführen wie zwei!
mimas101 25.04.2017
2. Hmm
ob so ein Staat ein derart gutes Aushängeschild für deutsche Firmen ist (und da denke ich auch an die Firmen die Arkansas noch anlocken will). Weiß nicht recht aber ich denke mal die internationale Reputation solcher Firmen dürfte leiden wenn sie sich in dem Staat ansiedeln sollten. Aber andere Bundesstaaten liegen oftmals etwas zentraler in der Mitte der USA, nehmen schon seit Jahrzehnten keine Exekutionen mehr vor (offizielles Argument: Zu teuer für den Steuerzahler) wenn die Todesstrafe nicht mittels Verfassung des Bundesstaates ganz abgeschafft wurde - und haben zwar oftmals keinen internationalen Flughafen aber auch dort massig Gewerbeflächen und viele Langzeitarbeitslose. Nützlicher Nebeneffekt: Bundesdeutsche Firmen brauchen um ihre Reputation nicht zu fürchten.
telos 25.04.2017
3. Andere Länder maßregeln...
wegen Menschenrechtsverletzungen, aber im eigenen Hause den Vollzug der Todesstrafe nicht in Frage stellen. Jeder Saulus kann und hat die Chance einer Verwandlung zu Paulus, bei Vollzug der Todesstrafe ist diesem Menschen die Chance dazu ein für alle Male verwehrt. Wo machen wir uns Menschen schuldig an einem Verbrechen gegen Menschen, oder sind mitschuildig am leiblichen Tod dieser durch unser Verhalten bez. Unterlassen? ( Waffenverkäufe) Oder unser völlig unrationales Verhalten gegenüber unserer Umwelt, indem wir entgegen unserer Einsicht und Erkenntnis trotzdem umweltschädliches Verhalten an den Tag legen? Werden wir dafür zum Tode verurteilt?
alterhaase 25.04.2017
4. Ist es eine Entschuldigung...
... für die U.S.A., dass es noch andere Länder mit derart primitiver Einstellung zu individueller und staatlicher Gewalt gibt? Gibt es noch andere Länder mit dieser furchtbaren Kombination aus religiösem Fanatismus, Wissenschaftsleugnung, Raubtierkapitalismus, Waffenwahn, Rassismus, Staatsparanoia und dem selbst- und weltgefährdenden Wunsch zu Töten?
dereuropaeer 25.04.2017
5.
Weil die Türkei die Todesstrafe wieder einführen will, gibt ein riesen Geschrei. Die USA bringen serienweise auf unmenschliche Art um und die Welt schweigt. Auch die USA sollten sich nicht über die weltweit gültigen Menschrechte hinwegsetzen. Sie tun es aber durch Folter und ungesetzliche Inhaftierung von Menschen. Boykott Amerika
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