Verpfuschte Hinrichtungen Oklahoma darf weiter mit Giftcocktail töten

Hinrichtungen mit unerprobten Medikamenten in Oklahoma sind nicht verfassungswidrig. Das entschied ein Bundesrichter in dem US-Bundesstaat. Die Gefängnisbehörde gab bereits bekannt, im Frühjahr 2015 vier Exekutionen durchführen zu wollen.

Hinrichtungszelle in McAlester, Oklahoma: Alles nach Protokoll
AP

Hinrichtungszelle in McAlester, Oklahoma: Alles nach Protokoll


Oklahoma City/Arizona - 2014 lösten mehrere Hinrichtungen in den USA Entsetzen aus, bei denen die Todeskandidaten qualvoll starben. Im April kam es bei der Exekution von Clayton Lockett im US-Bundesstaat Oklahoma zu einer verheerenden Panne. In Phoenix im Bundesstaat Arizona rang im Juli der Doppelmörder Joseph Wood mehrere Stunden mit dem Tod.

Fälle dieser Art hatten die Frage nach der Verletzung der US-Verfassung aufgeworfen. Diese verbietet ungewöhnliche und grausame Bestrafungen. Nun hat ein Bundesgericht zumindest für Oklahoma eine Antwort gefunden.

Das Einsetzen der tödlichen Giftspritzen in Oklahoma sei verfassungskonform, entschied ein Bundesrichter. Der Bundesstaat könne die für Anfang 2015 geplanten Hinrichtungen durchführen. Der Chef der Gefängnisbehörde, Robert Patton, gab daraufhin bekannt, zwischen dem 15. Januar und dem 5. März vier Männer mit der Giftspritze exekutieren zu lassen.

Einige Todeskandidaten aus dem Bundesstaat hatten den Antrag gestellt, die Hinrichtungen mit einer einstweiligen Verfügung auszusetzen. Sie argumentierten, der Strafvollzug in Oklahoma missbrauche sie als Versuchsobjekte für unerprobte Medikamente und bringe für die Verurteilten das Risiko großer Schmerzen und schweren Leidens mit sich. Auch dieses Gesuch lehnte der Richter ab.

Der Bundesstaat Oklahoma hatte vor Gericht argumentiert, die verpfuschte Hinrichtung Locketts sei auf eine falsch gesetzte Injektion zurückzuführen - nicht auf den Medikamentencocktail.

Die USA haben seit einiger Zeit enorme Schwierigkeiten bei der Beschaffung der für die Giftinjektionen verwendeten Mittel. Der Grund: Europäische Hersteller weigern sich, die Substanzen für diesen Zweck zu liefern. Mehrere Bundesstaaten benutzen für Hinrichtungen neue Substanzen, die teils aber nicht offiziell zugelassen und erprobt sind.

In Arizona war im Fall Wood ein Mix aus den Schmerzmitteln Hydromorphon und Midazolam benutzt worden. Dort gab ein Behördensprecher nun bekannt, man wolle nun zu einer Medikamenten-Kombination ähnlich der in Oklahoma übergehen.

Der Anwalt Dale Baich, der Wood vertreten hatte, gab bekannt, das Urteil des Bundesrichters anfechten zu wollen.

Hinrichtungen seit 1976

gam/AP



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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
Benjowi 23.12.2014
1.
Aha, das Land der Freien und der Hort der Menschenrechte schlägt wieder zu-ohne Rücksicht auf Verluste. Merkt man dort die Widersprüche eigentlich gar nicht mehr? offensichtlich hat das Propagandaniveau mittlerweile mit der ehemaligen Sowjetunion gleichgezogen.......
Ronnyrichard 23.12.2014
2. So ist es!
Die Gefahr von Fehlurteilen ist einfach zu groß. Mehrmals im Jahr kommen Meldungen über die Aufhebung von Fehlurteilen, wobei die Verurteilten die Todesstrafe erhalten hatten.
canUCme 23.12.2014
3. Die Todesstrafe generell ...
... ist ein immerwährendes und kontrovers diskutiertes Thema. Das, was die USA da jetzt machen und wie sie von höchster Stelle unsichere, grausame Hinrichtungsmethoden gutheißen, ist nicht minder menschenverachtend und niederträchtig als die schlimmsten Nazimethoden im sogenannten Dritten Reich!
claus.w.grunow 23.12.2014
4. Giftcocktail
Sie sollen sich diesen Cocktail aus der Schweiz besorgen. Total effizient und schmerzlos. Das haben viele bewiesen, die den Tod gewählt haben. Das ist humaner als die Organentnahme am lebendigem Leibe.
micsei 23.12.2014
5. Amerika, was ist aus dir geworden?
Hinrichten überhaupt, hinrichten mit zweifelhaften Mitteln, getötet werden durch übereifrige, militarisierte Polizisten oder besessene Hausbesitzer oder durch Waffennarren. Von Drohnen vernichtet werden, überall auf der Welt. Gefoltert werden, abgeschoben werden, für Kleinigkeiten oder auf Verdacht Jahrzehnte lang in den Knast kommen und dort menschenunwürdig behandelt werden. Abgehört werden, überall auf der Welt. Spionage, ohne Ende. USA, du warst mein Traumland, was ist aus dir geworden. Und was bringst du uns noch schreckliches.
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