Todeskandidaten auf Bali Zwei Australiern droht die Erschießung

Zwei Australier wurden in Indonesien zum Tode verurteilt, noch im Februar sollen sie erschossen werden. Das Schicksal der beiden sorgt in ihrer Heimat für Entsetzen - was auch an der Rolle der australischen Polizei liegt.

AFP

Der Australier Lee Rush wandte sich im April 2005 über seinen Anwalt an die Polizei. Sein vorbestrafter Sohn Scott, damals 19 Jahre alt, sei wieder mal in schlechte Gesellschaft geraten und im Begriff nach Indonesien zu fliegen, um von dort mit Komplizen Drogen nach Australien zu schmuggeln. Er bat die Behörden, seinen Sohn und seine Komplizen am Flughafen abzufangen und am Verlassen des Landes zu hindern und den Deal platzen zu lassen.

Tatsächlich kümmerten sich die Behörden, jedoch nicht im Sinne des Vaters. Rush Junior und acht weitere Australier reisten ungehindert nach Bali, wo die von den Australiern alarmierte Polizei die insgesamt neunköpfige Gang sogleich unter Beobachtung stellte. Wenige Tage später schlugen die Indonesier zu. Die Bandenmitglieder hatten sich Heroin-Pakete an ihre Körper geklebt und wollten damit nach Hause fliegen.

In langen Prozessen wurden sieben Schmuggler zu lebenslangen Freiheitstrafen verurteilt, darunter auch Scott Rush. Zwei Komplizen traf es noch härter: Die Australier Myuran Skumaran und Andrew Chan wurden als Rädelsführer der sogenannten Bali Nine zum Tode verurteilt.

Die Hinrichtung steht nun offenbar bevor

Noch vor Ende des Monats soll das Urteil vollstreckt werden, teilte jüngst der Sprecher des indonesischen Außenministerums der australischen Zeitung "The Age" mit. Skumaran und Chan sollen erschossen werden.

In Australien hatten in den vergangenen Wochen mehr als 150.000 Menschen ein Gnadengesuch für die Verurteilten unterschrieben. Wichtige Größen des australischen Show-Geschäfts versammelten sich in Sydney zu einem Konzert, das der Bitte um Milde zusätzliches Gewicht verleihen sollte.

Die australische Regierung hat inzwischen mehr als 50-mal gebeten, die Todesstrafe gegen die beiden Männer nicht zu vollstrecken, sagte Außenministerin Julie Bishop. Vor kurzem erst hatte Indonesiens Präsident Joko Widodo ein Gnadengesuch der Drogenschmuggler abgelehnt. So entschied er auch in einem anderen Fall: Im Januar waren fünf Ausländer und eine Einheimische wegen Drogenhandels hingerichtet worden, internationale Gnadenappelle blieben wirkungslos.

Dass sich viele Australier für die beiden Todeskandidaten einsetzen, liegt daran, dass viele den Eindruck haben, die australische Polizei habe die Todeskandidaten ans Messer geliefert. Behördensprecher haben immer wieder betont, dass die Beamten keine andere Wahl hatten, als die indonesischen Behörden einzubeziehen.

Unter Juristen ist das umstritten

Chan und Skumaran sitzen im berüchtigten Kerobokan-Gefängnis auf der Ferieninsel Bali ein, sie sind heute 33 und 31 Jahre alt. Sie haben in den Jahren hinter Gittern eine erstaunliche Wandlung erfahren. Chan hat zum Glauben gefunden, Skumaran hat es zu einem anerkannten Maler gebracht. Beide haben sich in ihrem überfüllten Gefängnis für andere Insassen eingesetzt, diese unterrichtet und bei Krankheit gepflegt.

Unterstützer der beiden führen an, dass das harte Durchgreifen Jakartas politisch motiviert sei. Über Jahre hinweg hatte Indonesien alle Exekutionen ausgesetzt. Auch unterstützt Indonesien diverse eigene Staatsbürger, die im Ausland zum Tode verurteilt worden sind und übt Druck auf Regierungen aus, die Strafen in Haft umzuwandeln.

Doch der im Juli vergangenen Jahres gewählte Präsident Joko Widodo will zeigen, dass er etwas gegen die Drogenkrise in Indonesien unternimmt. Laut Widodo sterben jeden Tag 50 Menschen durch Drogenmissbrauch oder Drogenkriminalität auf der von etwa 250 Millionen Menschen bewohnten Inselgruppe.

Die Anwälte von Chan und Skumaran äußern sich wenig optimistisch: Es sei ungewiss, ob ihre Mandanten noch eine Chance auf Begnadigung haben.



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