Todesstrafe in Saudi-Arabien: 82 Menschen in diesem Jahr geköpft

Die Zahl der Hinrichtungen in Saudi-Arabien ist 2005 stark angestiegen. Im abgelaufenen Jahr wurden insgesamt 82 Menschen zum Tode verurteilt und zumeist mit dem Schwert geköpft.

Unter den Hingerichteten befanden sich auch zwei Frauen. Damit hat sich die Zahl der Hinrichtungen in diesem Jahr mehr als verdoppelt: 2004 waren 35 Menschen exekutiert worden, 2003 waren es 52.

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Nach offiziellen Angaben wurde am Samstag als 82. und letzter Todeskandidat in diesem Jahr der Saudi Sultan al-Dusari geköpft, weil er einen entfernten Verwandten getötet hatte. Al-Duari hatte den Wagen des Verwandten mehrfach gerammt, so dass dieser sich überschlug und der Fahrer tödliche Verletzungen erlitt.

Saudi-Arabien wendet das islamische Recht Scharia strikt an. So können etwa Mörder, Drogenhändler, Hochverräter, Vergewaltiger, Ehebrecher und Gotteslästerer zum Tode verurteilt werden. Auch gegen zur Tatzeit Minderjährige wird die Todesstrafe verhängt.

In 74 Staaten steht die Todesstrafe im Gesetz, nur wenige davon vollstrecken tatsächlich jedes Jahr das Todesurteil. Die meisten Hinrichtungen werden mit Abstand in China vollstreckt, im Jahr 2004 waren es nach Angaben von Amnesty International mindestens 3.400, vermutet werden jedoch bis zu 10.000 jährlichen Tötungen, da die Behörden die tatsächliche Zahl verschweigen. Todesurteile werden in China auch für geringfügige Verbrechen wie das Fälschen von Mehrwertsteuerbelegen verhängt und oft binnen einer Woche vollstreckt.

In den USA wurden im Jahr 2004 59 Menschen exekutiert, durchschnittlich werden zwischen 50 und 100 Hinrichtungen pro Jahr vollstreckt. Anfang Dezember wurde in den USA der 1000. Häftling seit Wiedereinführung der Todesstrafe vor drei Jahrzehnten hingerichtet.

Aufsehen erregte zuletzt die Hinrichtung des verurteilten Mörders und späteren Kinderbuchautors Stanley "Tookie" Williams, der nach 24 Jahren im Todestrakt für die Ermordung von vier Menschen am 13. Dezember hingerichtet worden war. Zahlreiche Prominente hatten bis zuletzt um das Leben des Mannes gekämpft, der sich im Gefängnis vom Straßengangster zum Friedensstifter wandelte.

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