Todesstrafe in den USA Gnade für den 200-Kilo-Häftling

Ein übergewichtiger Todeskandidat im US-Bundesstaat Ohio ist begnadigt worden. Seine Anwälte hatten dies mit der Begründung gefordert, der mehr als 200 Kilo schwere Mann leide besonders schwere Qualen durch die Giftspritze. Doch der Gnadenerlass kam aus anderen Gründen zustande.

Todeskandidat Ronald Post: "Zu fett, um zu sterben"
AP/ Ohio Dept. of Rehabilitation and Corrections

Todeskandidat Ronald Post: "Zu fett, um zu sterben"


Columbus - "Zu fett, um zu sterben", spottete die Boulevardzeitung "Daily Mail" über die Begnadigung von Ronald Post im US-Bundesstaat Ohio. Der 204 Kilogramm schwere verurteilte Mörder sollte eigentlich mit einer Giftspritze hingerichtet werden. Seine Anwälte argumentierten, dass das Gift in Posts massigem Körper sehr lange brauchen würde, um seine tödliche Wirkung zu entfalten und dem Mann so grauenhafte Schmerzen zufügen würde. Daher sollte die Strafe in lebenslange Haft umgewandelt werden.

Ohios republikanischer Gouverneur John Kasich kam der Bitte der Anwälte am Montag nach. Er verminderte die Strafe Posts, der bei einem Raubüberfall vor 29 Jahren eine Motelangestellte erschoss. Der 53-Jährige muss nun sein Leben lang im Gefängnis sitzen - ohne die Chance auf Bewährung. Das Gewicht Posts habe dabei aber keine Rolle gespielt, versichert ein Sprecher des Gouverneurs. Vielmehr habe Kasich eine Entscheidung des Bewährungsausschusses ernst genommen, der sich für Post ausgesprochen habe.

Doch schon das gleicht einer Sensation: In den meisten Fällen ignorieren Gouverneure die Empfehlungen der Bewährungssauschüsse. So häufig angewendet wie einst wird die Todesstrafe in den USA aber nicht mehr. Laut einem Bericht des Death Penalty Information Center (DPIC) wurden in diesem Jahr nur noch in neun der 50 US-Bundesstaaten Häftlinge hingerichtet. 43 Todesurteile wurden 2012 bislang vollstreckt, weniger als halb so viele wie noch 1999.

Der Grund dafür ist aber nicht unbedingt Barmherzigkeit, sondern die leeren Kassen vieler Bundesstaaten. "Die Todesstrafe ist sehr teuer. Es dauert sehr lange, bis ein Todesurteil ausgesprochen ist, sie werden oft zurückgenommen und die Hinrichtungen finden dann 20 Jahre nach dem Urteil statt", sagt Richard Dieter vom DPIC, das sich für die Abschaffung der Todesstrafe in den USA einsetzt.

Auch die Meinung der Amerikaner zur Todesstrafe ändert sich: Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup 2011 befürworten zwar noch 61 Prozent von ihnen die Strafe. Anfang der neunziger Jahre waren es aber noch 80 Prozent.

Zulässig ist die Todesstrafe noch in 33 Bundesstaaten. Doch auch diese Zahl sinkt: Connecticut hat sie Anfang 2012 abgeschafft, Präsident Obamas Heimatstaat Illinois im Jahr zuvor. Die Bewohner Kaliforniens stimmten jedoch in einem Referendum, das parallel zur Präsidentschaftswahl am 4. November abgehalten wurde, gegen die Abschaffung der Todesstrafe. Dort wurde aber seit fast sieben Jahren kein Gefangener mehr hingerichtet.

So wird die Todesstrafe zunehmend ein Phänomen des konservativen Südens, wo viele die Hinrichtung als den gerechten Willen eines strafenden Gottes ansehen. Allein Texas tötete in diesem Jahr 15 Verurteilte, mehr als ein Drittel aller Hinrichtungen in den USA. Gouverneur Rick Perry steht weiter zur Todesstrafe. Sie sei eine "passende und verfassungsgemäße Strafe für die scheußlichsten Verbrechen".

ade/AP/AFP

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