Todesstrafe in den USA Tennessee führt elektrischen Stuhl wieder ein - aus Mangel an Giftspritzen

Im US-Bundesstaat Tennessee sollen Todeskandidaten künftig auch wieder mit dem elektrischen Stuhl hingerichtet werden. Grund dafür ist der landesweite Mangel an Giftspritzen. Eine Wahl soll den Verurteilten nicht bleiben.

Gouverneur Bill Haslam: Todeskandidaten in Tennessee künftig wieder mit dem elektrischen Stuhl hinrichten
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Gouverneur Bill Haslam: Todeskandidaten in Tennessee künftig wieder mit dem elektrischen Stuhl hinrichten


Hamburg - Die USA haben Probleme, an die Substanzen der Giftspritze zu kommen - deshalb sollen Todeskandidaten in Tennessee künftig auch wieder mit dem elektrischen Stuhl hingerichtet werden. Die Methode wurde seit mehr als sieben Jahren in dem US-Bundesstaat nicht mehr angewendet. Gouverneur Bill Haslam hat jedoch nun ein Gesetz unterschrieben, das diese Tötungsmethode wieder ermöglicht, sollten die Medikamente für die Spritze nicht besorgt werden können. Eine Wahl haben die Verurteilten demnach nicht.

"Es gibt uns eine andere Option. Wir hatten so viele Probleme mit der Giftspritze", sagte ein Regierungssprecher. Ein Todesstrafen-Experte sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass es jedoch denkbar sei, dass sich Gerichte einer tatsächlichen Hinrichtung mit dem elektrischen Stuhl entgegenstellen könnten. "Es gab in der Vergangenheit schon grausame Zwischenfälle mit der elektrischen Hinrichtung, das haben die Gerichte noch nicht vergessen."

Die Giftspritze ist in allen Bundesstaaten, in denen es die Todesstrafe gibt, die vorwiegende Hinrichtungsmethode. In manchen Staaten können die Todeskandidaten entscheiden, ob sie etwa gehängt oder vergast werden möchten.

Kritik an der Hinrichtung durch die Giftspritze hat vor einigen Wochen die missglückte Tötung eines Verurteilten in Oklahoma hervorgerufen. Bei der Injektion war eine Vene geplatzt, der Mann rang 43 Minuten mit dem Tod, ehe er an einem Herzinfarkt starb. Vor diesem Hintergrund hatte das oberste US-Gericht die Exekution von Russell Bucklew vorerst gestoppt. Der 46-Jährige hatte geltend gemacht, gesundheitliche Probleme würden eine Hinrichtung mit einem Giftcocktail quälend und schmerzhaft machen.

Hintergrund der Nachschubprobleme ist, dass sich die europäischen Hersteller der Chemikalien weigern, sie für Hinrichtungen zur Verfügung zu stellen. Mehrere US-Bundesstaaten benutzten daher nicht erprobte Giftmischungen von nicht bundesweit zertifizierten Herstellern. Viele Behörden halten geheim, wie sie ihre Mittel beschaffen und wer sie herstellt.

vks/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 80 Beiträge
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ornitologe 23.05.2014
1. Unglaublich,
dass die führende Nation nicht in der Lage sein soll, Dinge bzw. Substanzen in ausreichender Menge und Qualität bereitzustellen, welche in Deutschland jeder Tierarzt in seinem Koffer hat. Unabhängig davon, dass das Thema Todesstrafe nach wie vor diskussionswürdig ist, macht sich wohl nicht nur bei mir Unverständnis ob dieses Themas breit.
caligus 23.05.2014
2. Welch ein Glück ...
... für die Verurteilten. Statt "qualvollem Tod" durch die Giftspritze nun die "humane Form". Ein krankes Land.
eaglereno 23.05.2014
3. Mal abgesehen davon, daß ich gegen die Todesstrafe bin,
ist es doch ein Armutszeugnis für die USA, daß sie nicht mal die richtigen Mittel für die Vollstreckung haben. richtigen Mittel haben
staubtuch 23.05.2014
4. U.s.a.
Justitia á la USA wünschen sich hierzulande so manche, allen voran irgendwelche Neos, garniert mit dem Slogan der Kinderschändung. Diese Leute können ja in die USA auswandern. Ansonsten bleibt noch anzumerken, dass die Todesstrafe an sich schon grausam ist und ein moderner Staat das zu unterlassen hat, weil er dadurch jeden Anspruch auf "modern" im Sinne des 20. und 21. Jahrhunderts verfehlt.
StefanSchmitt 23.05.2014
5. Neandertaler
Die Diskrepanz zwischen der Beliebtheit dieses Landes und dessen Defizite beim politischen oder Bildungssystem, geschweige denn der 'zivilisierten' Gesellschaft, ist echt heftig und entbehrt jeder Logik. Und diesem Land läuft unsere politische Führung hinterher und unterstützt dieses Vorgehen auch noch durch Billigung.
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