Todesstrafe Utah führt wieder Erschießungskommandos ein

"Ein kleines bisschen grausam" sei es ja schon, sagt Gouverneur Gary Herbert. Doch weil Utah die Medikamente für Giftspritzen ausgehen, führt der US-Bundesstaat nun die Hinrichtung durch Erschießen wieder ein.

Todeskammer in Utah: "Das ist ein schnelles Verbluten"
AP

Todeskammer in Utah: "Das ist ein schnelles Verbluten"


Salt Lake City - Utah hat als erster Bundesstaat der USA die Wiedereinführung von Erschießungskommandos beschlossen. Gouverneur Gary Herbert unterzeichnete ein Gesetz, das die Hinrichtung durch Erschießen erlaubt, wenn keine Medikamente für Giftspritzen verfügbar sind.

Die Tötung eines Verurteilten durch ein Erschießungskommando sei zwar "ein kleines bisschen grausam", erklärte Herbert, aber in Utah gelte nun einmal die Todesstrafe und die müsse auch durchgesetzt werden. "Wenn eine Jury diese Entscheidung trifft, und der Richter das Todesurteil unterschreibt, dann ist es die Verpflichtung der Regierung, diese rechtmäßige Entscheidung auch durchzusetzen", begründete Regierungssprecher Marty Carpenter die Entscheidung in Salt Lake City.

Der Hintergrund der Gesetzesänderung: Den USA gehen die Medikamente für die Giftspritze aus. Weder das Narkosemittel Thiopental-Natrium noch Pentobarbital können aus Europa bezogen werden - das verhindert die Anti-Folter-Verordnung der EU. Der einzige US-Hersteller von Pentobarbital hatte im Herbst 2011 wegen der wachsenden Proteste die Produktion eingestellt.

"Das ist ein schnelles Verbluten"

Mehrere US-Bundesstaaten benutzen für Hinrichtungen nun neue Substanzen, die teils aber nicht offiziell zugelassen und erprobt sind. 2014 starben deshalb mehrere Todeskandidaten qualvoll: Im April kam es bei der Exekution von Clayton Lockett im US-Bundesstaat Oklahoma zu einer verheerenden Panne. Im Juli rang in Phoenix im Bundesstaat Arizona der Doppelmörder Joseph Wood mehrere Stunden mit dem Tod.

Der Republikaner Paul Ray, der den Gesetzentwurf in Utah eingebracht hatte, argumentierte, der Tod durch ein Erschießungskommando sei schneller und würdevoller als die Tötung mit der Giftspritze. "Das ist ein schnelles Verbluten", sagte der Politiker.

Gegner der Entscheidung kritisierten, die Wiedereinführung der Erschießungskommandos würde den Bundesstaat rückständig erscheinen lassen.

Seit Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 war Utah der einzige Staat, in dem zum Tode verurteilte Verbrecher erschossen wurden. 2004 schaffte der Senat in Salt Lake City Erschießungskommandos ab. Weil das Gesetz aber nicht rückwirkend galt, wurde 2010 der 1985 verurteilte Doppelmörder Ronnie Lee Gardner in einer speziell konstruierten Todeskammer erschossen.

Fünf freiwillige Scharfschützen legten identische Gewehre vom Kaliber .30 an und drückten auf ein Kommando hin ab - aus einer Entfernung von nicht einmal sieben Metern.

Hinrichtungen seit 1976
Im Video: Utah will Exekution durch Erschießen wieder einführen.

REUTERS

syd/AP



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insgesamt 190 Beiträge
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Seite 1
mamuschkaone 24.03.2015
1.
Absolut grausam und barbarisch. Überhaupt ist die Todesstrafe ein Armutszeugnis für einen demokratischen rechtsstaat, aber wenn schon töten, dann doch bitte weniger grausam. Wie wär es zum Beispiel mit eine Überdosis heroin?
unddawardanoch... 24.03.2015
2. Ein Bolzenschuss ins Hirn...
scheint da ja noch "humaner" zu sein. Blutruenstige Rachsucht und Hybris sind allerdings fuer eine angeblich Christliche Gesellschaft keine Zierde.
PowlPoods 24.03.2015
3. Die
Amerikaner habens einfach drauf. Da sind die Wummen frisch geputzt, dann müssen sie die Dinger halt auch krachen lassen. Man kann nur hoffen, das ihnen nicht auch noch die Munition ausgeht. Sonst führen sie die Steinung wieder ein. Wie ihre Brüder im Geiste in Saudi Arabien. Die USA sind halt einfach ein wiederliches Land. Kein Wunder, das Merkel die Amerikaner so mag.
Manitou-01@gmx.de 24.03.2015
4.
Als Gegner der Todesstrafe finde ich es richtig, von "klinisch suaberen" Vergiften zu einer blutigen und auch für den Vollstrecker und seine Gehilfen grausamen Form zurückzukehren. Dies könnte das Nachdenken, ob in einem zivilisierten Staat im Namen des Gesetzes getötet wird, intensivieren. Als weiteren Punkt würde ich mir wünschen, daß alle 1-2 Jahre in einem namentlichen Volksentscheid über die Beibehaltung oder Abschaffung der Todesstrafe abgestimmt wird. Jeder, der sich für die Beibehaltung ausspricht, sollte dann unter dem gleichen Grundsatz wie bei der Bestellung von Geschworenen zum Dienst im Erschießungskommando verpflichtet werden können. Damit müßte jeder, der die Todesstrafe befürwortet, dies mit der Konsequenz verbinden, diese auch selbst vollstrecken zu müssen. Wer aber die Todesstrafe ablehnt, muß diese auch nicht vollstrecken.
rotertraktor 24.03.2015
5. Nachschub gesichert
Der nächste Schritt wäre dann wohl die Steinigung, aber bei Knarren und Munition braucht sich in den USA sicher niemand Sorgen um den Nachschub zu machen.
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