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Todesstrafe: Utah will Exekution durch Erschießen wieder einführen

Protest von Randy Gardner: Sein Bruder wurde 2010 von einem Erschießungskommando hingerichtet Zur Großansicht
AP/dpa

Protest von Randy Gardner: Sein Bruder wurde 2010 von einem Erschießungskommando hingerichtet

In den USA geht das Gift für Hinrichtungsspritzen aus. Der Senat des US-Bundesstaats Utah hat deshalb entschieden, Erschießungskommandos wieder einzuführen. Nun muss nur noch der Gouverneur zustimmen.

Salt Lake City - Der Senat des US-Bundesstaates Utah hat entschieden, die Todesstrafe durch Erschießen wiedereinzuführen. Sollte kein Gift verfügbar sein, sollen zum Tode Verurteilte durch ein Erschießungskommando exekutiert werden, heißt es in einem Gesetzentwurf. Gary Herbert, der republikanische Gouverneur des Staates, muss diesem noch zustimmen. Sein Sprecher sagte, er wisse noch nicht, ob er das Gesetz verabschieden werde.

Der Hintergrund des Vorstoßes: Den USA gehen die Medikamente für die Giftspritze aus. Weder das Narkosemittel Thiopental-Natrium noch Pentobarbital können aus Europa bezogen werden - das verhindert die Anti-Folter-Verordnung der EU. Der einzige US-Hersteller von Pentobarbital hatte im Herbst 2011 wegen der wachsenden Proteste die Produktion eingestellt.

Mehrere US-Bundesstaaten benutzen für Hinrichtungen nun neue Substanzen, die teils aber nicht offiziell zugelassen und erprobt sind. 2014 starben deshalb mehrere Todeskandidaten qualvoll: Im April kam es bei der Exekution von Clayton Lockett im US-Bundesstaat Oklahoma zu einer verheerenden Panne. Im Juli rang in Phoenix im Bundesstaat Arizona der Doppelmörder Joseph Wood mehrere Stunden mit dem Tod.

Befürworter der Erschießungskommandos argumentieren, der Tod durch Erschießen sei humaner. Die Todeskandidaten würden üblicherweise innerhalb von drei bis fünf Sekunden sterben. "Das ist ein schnelles Verbluten", sagte Paul Clay, republikanischer Initiator des Gesetzentwurfs.

Die Methode ist von allen US-Staaten, in denen die Todesstrafe noch gilt, längst als zu barbarisch verboten worden. Utah hatte Erschießungskommandos 2004 abgeschafft. Das Gesetz galt jedoch nicht rückwirkend - und so konnte der Doppelmörder Ronnie Lee Gardner noch im Jahr 2010 den Tod durch Erschießen wählen.

Der Bundesstaat Utah hatte 1998 eigens dafür eine eigene Todeskammer gebaut: Auf der einen Seite der Kammer wird ein Holzpodest mit einem Metallstuhl errichtet, auf dem der Delinquent festgeschnallt wird, eine Kapuze über dem Kopf, eine Zielscheibe auf die Brust geheftet. Auf der anderen Seite befindet sich eine Ziegelmauer mit einem rechteckigen Fenster.

Hinter dem Fenster stehen fünf freiwillige Scharfschützen. Sie legen identische Gewehre vom Kaliber .30 an. Eines der Gewehre enthält eine Platzpatrone, doch die Schützen wissen nicht, welches. Der Verurteilte bekommt die Gelegenheit für ein paar letzte Worte.

Auf ein Kommando hin drücken die Schützen dann ab, aus einer Entfernung von nicht mal sieben Metern. Erfahrungsgemäß zielen sie so gut, dass die Kugeln nur ein einziges Einschussloch hinterlassen. Das Blut wird von einem Tablett unter dem Stuhl aufgefangen. Bis zu 25 Zeugen verfolgen das Ganze durch Glasscheiben auf drei Seiten der Kammer.

Hinrichtungen seit 1976

vet/Reuters

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