Streit um Methode Gouverneur von Ohio verschiebt acht Hinrichtungen

Bei Hinrichtungen in den USA sind zuletzt mehrfach zum Tode Verurteilte qualvoll gestorben. Ärzte sollen ein unzuverlässiges Medikament eingesetzt haben. Jetzt hat der Gouverneur von Ohio acht Todesstrafen verschoben.

Todestrakt in US-Gefängnis (Symbolbild)
REUTERS

Todestrakt in US-Gefängnis (Symbolbild)


Im US-Bundesstaat Ohio ringen Politiker, Ärzte und Gerichte um die Praxis, wie die Todesstrafe in Zukunft umgesetzt werden soll. Im Zuge eines Rechtsstreits hat der Gouverneur von Ohio, John Kasich, die Ausführung von acht Hinrichtungen verschoben. Im Herbst 2015 hatte der Bundesstaat beschlossen, Exekutionen zunächst bis Anfang 2017 auszusetzen.

Ein Berufungsgericht in Cincinnati soll nun grundsätzlich darüber entscheiden, ob Ohios Justiz bei den Hinrichtungen im Einklang mit der Verfassung vorgeht. Ein Bundesrichter hatte diese Frage mit Nein beantwortet, der Bundesstaat klagt gegen die Entscheidung. "Ich bin zuversichtlich, dass Ohio den Prozess gewinnt", sagte der Republikaner Kasich. Die Termine des Gerichts hätten es jedoch notwendig gemacht, die geplanten Hinrichtungen aus den Monaten Februar, März und April zu verschieben. In der kommenden Woche sollte ein Kindermörder getötet werden.

Ein sterbender Häftling rang eine halbe Stunde nach Luft

Die Behörden in Ohio waren in die Kritik geraten, weil Ärzte das umstrittene Beruhigungsmittel Midazolam bei Hinrichtungen eingesetzt hatten. Das Präparat soll Nervenzellen hemmen und den Körper empfindungslos machen. Doch bei mehreren Hinrichtungen, bei denen die Arznei zum Einsatz kam, gab es Probleme. Todeskandidaten litten Qualen, die womöglich vermeidbar waren. Ein sterbender Häftling in Ohio rang fast eine halbe Stunde lang nach Luft. Ein Verurteilter in Arizona wand sich 90 Minuten lang unter offensichtlichen Qualen auf seiner Liege, ehe sein Herz aufhörte zu schlagen.

Trotz solcher Vorfälle setzen immer mehr Bundesstaaten Midazolam bei Hinrichtungen ein - weil andere Arzneien nicht vorhanden sind. Europäische Pharmafirmen verweigern die Lieferung des erprobten Betäubungsmittels Phenobarbital, weil sie die Todesstrafe ablehnen.

Dauert der Rechtsstreit an, könnte er am Ende auf dem Tisch von Neil Gorsuch landen, dem von Donald Trump nominierten Richter für den Supreme Court.

Hinrichtungen seit 1976

mja/AP



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