Todesstrafe in den USA Oklahoma darf ab sofort mit Stickstoff töten

Oklahoma erlaubt die Hinrichtung von Todeskandidaten mit Stickstoffgas, die Gouverneurin des Bundesstaats hat ein entsprechendes Gesetz unterschrieben. Human, schnell und einfach durchführbar soll die neue Tötungsart sein.


Oklahoma hat als erster Staat der USA die Hinrichtung von Todeskandidaten mit Stickstoff erlaubt. Die republikanische Gouverneurin Mary Fallin unterzeichnete ein entsprechendes Gesetz, das den Einsatz des Gases als Alternative zur Giftspritze erlaubt.

Allerdings ist die neue Hinrichtungsmethode an eine Bedingung geknüpft: Die bevorzugte Methode bleibt die Todesspritze, Gas darf nur zum Einsatz kommen, wenn eine tödliche Injektion nicht möglich ist - entweder aus Mangel an Giftstoff oder wegen einer anders lautenden Gerichtsentscheidung.

Die bislang präferierte Tötungsart der Giftspritze ist wegen einer grausamen Panne bei einer Exekutionen im Gefängnis von McAlester in Oklahoma in die Kritik geraten: Im April vergangenen Jahres war der Todeskandidat Clayton Lockett erst nach einem 43-minütigen Todeskampf gestorben. Schuld waren unfähiges Personal und ein neues Betäubungsmittel, das in einer Drei-Spritzen-Kombination angewendet wurde und nicht wie erhofft funktionierte. Bis zu einem Urteil des Obersten Gerichtshofs finden in Oklahoma derzeit keine Hinrichtungen statt. Das Gericht muss klären, ob die Hinrichtung mit einem Drei-Spritzen-Cocktail gegen die Verfassung verstößt, weil sie zu grausam ist.

In den USA spricht sich eine Bevölkerungsmehrheit immer wieder für die Todesstrafe aus. Die Zustimmungsraten lagen zuletzt bei 63 Prozent, ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup.

Der Republikaner Mike Christian, einflussreicher Abgeordneter in Oklahoma und früherer Highway-Polizist, hatte das Gesetz auf den Weg gebracht. Er nannte die Stickstoffmethode im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Associated Press "schnell und schmerzlos" und "idiotensicher".

Dem SPIEGEL hatte Christian gesagt: "Es ist die menschlichste Art zu sterben: Du sitzt einfach da, und kurz darauf bist du tot. Sie erfüllt definitiv die Anforderung unserer Verfassung, dass Strafen nicht 'grausam oder ungewöhnlich' sein dürfen."

Ein Problem für alle amerikanischen Bundesstaaten, die mit Giftspritzen hinrichten, ist der Nachschub. Wiederholt haben sich Pharmaunternehmen geweigert, für Hinrichtungen zugelassene Giftstoffe an Gefängnisse zu liefern, weil sie um ihr Firmenimage fürchten.

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Der Gesetzentwurf hatte das republikanisch dominierte Parlament zügig passiert. Gouverneurin Fallin sagte nach der Unterzeichnung des Gesetzes zur Stickstoff-Todesstrafe, sie unterstütze die Maßnahme, weil Hinrichtungen "effektiv und ohne Grausamkeit ablaufen" müssten. Das Gesetz verschaffe Oklahoma eine weitere Option bei der Todesstrafe, die mit den gesetzlichen Anforderungen übereinstimme.

Hinrichtungen seit 1976

cht/AP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 107 Beiträge
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unimatrix 18.04.2015
1.
Ich bin jetzt doch schon etwas beruhigter, dass die Todesstrafe endlich human geworden ist. Danke Oklahoma. Trotzdem: E 941 behört in die Sahne!
koenigludwigiivonbayern 18.04.2015
2. Erstickungstod
Die Todesart entspricht dem Ertrinken. Ob das "human" ist, kann jeder selbst beurteilen.
piccolo-mini 18.04.2015
3. God's own country
Unser großes Vorbild, das im Zweifel auch besser weiß, was gut für uns ist, als wir selbst.
säkularist 18.04.2015
4.
Mal ganz abgesehen davon ob man für oder gegen Todesstrafe ist. Wenn es wirklich schmerzlos und "idiotensicher" ist, dann ist es besser als alle bisherigen Tötungsarten und damit eine gute Lösung.
simonweber1 18.04.2015
5. Das ist ganz toll:
"Es ist die menschlichste Art zu sterben: Du sitzt einfach da, und kurz darauf bist du tot. Sie erfüllt definitiv die Anforderung unserer Verfassung, dass Strafen nicht 'grausam oder ungewöhnlich' sein dürfen." berichtet Spon. Ich habe bisher immer gedacht,dass Todesstrafen sowohl grausam,als auch ungewöhnlich sind. Aber man kennt das ja inzwischen,alles was in,oder von den USA gemacht wird, ist human und dient dem Weltfrieden.
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