Tödliche Prügelattacke in Berlin Die Rückkehr des Onur U.

Monatelang war Onur U. in der Türkei untergetaucht, nun ist er zurück in Deutschland: Hier muss sich der mutmaßliche Haupttäter des tödlichen Angriffs am Berliner Alexanderplatz vor Gericht verantworten. Der 19-Jährige will sich seinem Anwalt zufolge an der Wahrheitsfindung beteiligen.


Berlin - Der Prozess im Fall Jonny K. kann beginnen: Ein halbes Jahr nach dem brutalen Angriff auf den 20-Jährigen am Berliner Alexanderplatz sind alle sechs Verdächtigen gefasst. Auch Onur U., der mutmaßliche Haupttäter und Anstifter des Angriffs, befindet sich in Gewahrsam. Er hatte sich nach der Tat in die Türkei abgesetzt und war dort untergetaucht. Nun hat er sich nach einem Flug von Izmir nach Berlin am Flughafen Tegel den Justizbehörden gestellt. Er wurde einem Haftrichter vorgeführt.

Der Prozess soll voraussichtlich am 13. Mai beginnen. Berlins Justizsenator Thomas Heilmann geht davon aus, dass sich die Tatverdächtigen zusammen vor Gericht verantworten müssen. Er erwarte, dass Onur U. der Prozess zusammen mit den fünf anderen Tatverdächtigen gemacht werde, sagte Heilmann.

Die Verdächtigen sind wegen gefährlicher Körperverletzung sowie Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Onur U. gilt laut Ermittlungsbehörden als treibende Kraft bei der Gewaltattacke.

Berlins Innensenator Frank Henkel würdigte das beharrliche Vorgehen der Ermittlungsbehörden. Berlins Opferbeauftragter Roland Weber sagte, gerade für die Hinterbliebenen sei es ein wichtiges Signal, dass der Tod von Jonny K. nicht ungesühnt bleibe.

Onur U. will sich zu den Vorwürfen äußern

Der Angriff auf den 20-Jährigen hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Am Sonntag wurde mit einem Benefizkonzert an das Opfer erinnert. Der junge Berliner wäre an dem Tag 21 Jahre alt geworden. Ohne ersichtlichen Grund war K. in der Nacht zum 14. Oktober 2012 vor einem Lokal am Alexanderplatz von Schlägern so heftig attackiert worden, dass er einen Tag später an Gehirnblutungen starb. Auch ein Freund wurde angegriffen und verletzt.

Gegen Onur U. hatten zuletzt auch die türkischen Behörden wegen Mordes ermittelt. Der deutsche Haftbefehl bestand weiter. Aus dem Außenministerium in Ankara hieß es nur, zu juristischen Fällen werde es keine detaillierten Auskünfte geben. Zuletzt hatte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Reise nach Ankara für die Strafverfolgung des Geflüchteten eingesetzt.

Möglicherweise war aber der Druck so groß, dass sich Onur U. doch in Deutschland stellte. In der Türkei hätte ihm bei einer Verurteilung womöglich eine härtere Strafe gedroht. Dort wäre in seinem Fall kein Jugendstrafrecht angewendet worden. In Deutschland sieht dieses eine Höchststrafe von zehn Jahren vor.

Berlins Justizsenator Thomas Heilmann hatte am Wochenende gesagt, der Mann wolle nicht in ein türkisches Gefängnis. Onur U.s Anwalt Axel Weimann teilte mit, sein Mandant werde sich im Prozess zu den Vorwürfen äußern und an der Wahrheitsfindung mitwirken.

ulz/dpa

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