Tödlicher Streit bei Eigentümerversammlung Täter von Dossenheim war Sportschütze

Der 71-Jährige, der in Dossenheim zwei Menschen erschoss und fünf weitere verletzte, war Sportschütze. Dies bestätigte jetzt Baden-Württembergs Innenminister. Das Motiv des Täters ist allerdings weiter unklar. Er war vor der Tat mit einer Gruppe von Hausbesitzern aneinandergeraten.

DPA

Sindelfingen - "Es war wieder ein schrecklicher Vorfall, bei dem ein Sportschütze beteiligt war", sagte Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD) am Mittwoch in Sindelfingen. Der Täter hatte am Dienstagabend bei einer Eigentümerversammlung zwei Männer erschossen, fünf Menschen verletzt und sich dann selbst das Leben genommen. Er habe eine großkalibrige Pistole benutzt, so Gall. Insgesamt besaß der 71-Jährige demnach legal sieben Waffen.

Gall forderte nachdrücklich ein Verbot großkalibriger Waffen. Diese benötigten Sportschützen nicht, sagte der Minister. Menschen, die Schießsport betrieben, müssten "intensiv kontrolliert" werden. Er könne nicht glauben, dass so ein Mann nicht vorher schon einmal aufgefallen sei.

Der Schütze war am Dienstagabend nach einem Streit auf einer Sitzung im Vereinshaus der TSG Germania 1899 des Raumes verwiesen worden. Kurz darauf kehrte er zurück und eröffnete mit einer Pistole das Feuer. Die Verletzten sind inzwischen außer Lebensgefahr. Dies bestätigte ein Polizeisprecher in Heidelberg.

Derzeit würden Zeugen vernommen, um die Hintergründe zu klären, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Heidelberg. Zudem würden der Tatort genau untersucht und die drei Leichen obduziert. Am Nachmittag wollen die Behörden bei einer Pressekonferenz in der Polizeidirektion Heidelberg über den Stand der Ermittlungen berichten.

Immer wieder sorgen in Deutschland Fälle von Sportschützen, die mit ihren Waffen Gewalttaten begehen, für Empörung. So nutzteeine Anwältin aus Lörrach, ein ehemaliges Schützenvereinsmitglied, 2010 eine ihrer legal erworbenen Waffen, um ihren Mann, ihren Sohn und einen Krankenpfleger zu töten. Sie hatte 300 Schuss Munition bei sich.

Seit dem Amoklauf von Winnenden 2009 mit 16 Toten war die Diskussion entbrannt, ob Sportschützen ihre Waffen generell nicht mehr zu Hause, sondern in Vereinsheimen aufbewahren sollten. Der Vater des Täters hatte die Tatwaffe nicht im Waffenschrank, sondern im Schlafzimmer aufbewahrt. Er wurde später wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffenrecht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Nach der Bluttat forderte ein Sprecher vom Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden schärfere Waffengesetze: "Hätte er keinen Zugriff auf die Waffe gehabt, wäre es nicht zu der Tat gekommen", sagte Hardy Schober, dessen Tochter beim Amoklauf in Winnenden getötet wurde. Die Waffen von Sportschützen müssten endlich zentral aufbewahrt und besonders gesichert werden. Es sei ärgerlich, dass die Bundesregierung nicht endlich handle, so Schober. Immer wieder kämen Unschuldige durch legale Waffen zu Tode.

ala/dpa



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static2206 21.08.2013
1. Er hat sicher auch Killerspiele gespielt
Es gibt aber auch hundertausende Sportschützen die eben nicht auf andere Leute schießen. Hätte er keine Waffe gehabt, hätte er sich eine besorgt und sei es nur eine Axt. Jetzt kommt sicher noch raus, dass er Killerspiele wie Schach gespielt hat und dann brauchen wir unbedingt ein paar Dummschwätzer von Bundestagspolitiker die mehr innere Überwachung fordern sowie den Verbot von Spielen.
Gallrich 21.08.2013
2. alles sicher !
die derzeitige Bundesregierung hat zwar schon 2012 die privaten Sicherheitsdienste per Verwaltungsvorschrift faktisch entwaffnet (macht ja auch Sinn...), aber das die Sportschützen nun wieder im Visier stehen... wird wieder mit Aktionismus bekämpft werden wie z. B. das Verbot von Pistolengriffen an Pumpguns oder ähnlichem, sinnentlertem Tun... Bundesregierung.co
ChristianBitburg 21.08.2013
3. Generalverdacht
Klar ist ein jeder Toter durch solch eine Tat einer zu viel - jetzt aber wieder Diffamierungen ganzer Gruppen (in dem Fall Sportschützen) zu tätigen - ist ebenso geschmacklos. Übermorgen richtet so ein Mist ein Polizist an - und dann? Alle Polizisten über einen Kamm scheren? Heutzutage steht jeder Mord in den Medien - trotzdem sind es zumindest bei Legalwaffenbesitzern 0,00x?% der Taten im Gegensatz zu illegalen Delikten!
johnnyrees 21.08.2013
4.
Eine entsetzliche Tat, keine Frage. Hoffentlich entseht eine öffentliche Diskussion über Sinn und Unsinn von scharfen Waffen (und damit meine ich nicht nur große Kaliber) in Privathand. Angesichts des Alters des Täters dürften zumindest in diesem Fall keine Behauptungen auftauchen, heimliches Spielen von Ego-Shootern habe den alten Herrn erst zum Täter gemacht.
hansmaus 21.08.2013
5. Sportschütze???
Zitat von sysopDPADer 71-Jährige, der in Dossenheim zwei Menschen erschoss und fünf weitere verletzte, war Sportschütze. Dies bestätigte jetzt Baden-Württembergs Innenminister. Das Motiv des Täters ist allerdings weiter unklar. Er war vor der Tat mit einer Gruppe von Hausbesitzern aneinandergeraten. Tödliche Schießerei in Dossenheim: Täter war Sportschütze - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/toedliche-schiesserei-in-dossenheim-taeter-war-sportschuetze-a-917733.html)
YES! Und das mitten im Sommerloch UND im Wahlkampf. Das verspricht spaß und spannung! Öffentliche und inszinierte Computerspiele"verbrennungen" in Stuttgart, betroffenheit an jeder Ecke, Verbote von Computerspielen und Paintball (ist egal ob der Schütze sowas gespielt hat). Das wird ein Fest für jeden der auf hysterische Meinungsmache in den Medien und der Politik steht....ich mag das, es hat sowas kindlich absurdes was man sonst nur in schlechten US-Comedy Serien sieht.
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