Tödliche Verfolgungsjagd: Washingtons Polizei gerät in die Kritik

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Einsatz in Washington: "Vielleicht hätte die Polizei Luft holen sollen"

Die tödliche Verfolgungsjagd in Washington sorgt für Diskussionen in den USA. Die Polizei beteuert, richtig gehandelt zu haben. Kritiker halten ihr dagegen einen "ungeheuerlichen Fehler" vor. Ein Ermittler berichtet: Die erschossene Frau glaubte offenbar, Präsident Obama würde zu ihr sprechen.

Washington - Nach der tödlichen Verfolgungsjagd im Regierungsviertel von Washington stellt sich Amerika eine Frage: Muss eine Frau sterben, weil sie mit ihrem Auto in eine Barrikade vor dem Weißen Haus fährt und dann vor den Sicherheitskräften flüchtet? Mittlerweile wird vermehrt Kritik am Vorgehen der Beamten laut. Die Polizei hatte die unbewaffnete Miriam C. erschossen. Deren einjährige Tochter saß währenddessen auf dem Rücksitz des Wagens.

Eine interne Untersuchung solle voraussichtlich klären, warum die Fahrt für die 34-jährige Zahnhygienikerin aus Connecticut tödlich endete. Das berichtete der Fernsehsender CBS. Der Todesschütze müsse öffentlich genannt und so für seinen "ungeheuerlichen Fehler" gerügt werden, nicht möglichst wenig Gewalt angewandt zu haben, hieß es im Magazin "Forbes". C.s kleine Tochter, die unversehrt aus dem schwarzen Auto geholt wurde, beginne ihr Leben nun als Waise.

"Vielleicht hätte die Polizei Luft holen sollen", sagte Anwalt Mark O'Mara im CNN-Interview. O'Mara hatte George Zimmerman verteidigt, der den schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin im Februar 2012 erschoss. Im Internet diskutierten die Menschen darüber, ob die tödlichen Schüsse wirklich notwendig waren. "Sie hätten in die Reifen schießen können, sie hatte ganz eindeutig Angst", schrieb eine Nutzerin. "Agenten müssen bereitstehen und auf Terroristen und Serienmörder reagieren", schrieb eine andere - doch der Tod der Mutter sei unnötig gewesen.

Medikamente zur Behandlung von Schizophrenie gefunden

Die Fahrerin habe wegen einer ungewollten Schwangerschaft angeblich an Depressionen gelitten, meldeten mehrere US-Medien übereinstimmend. Nach der Entbindung habe sie Symptome einer Wochenbettdepression gezeigt, berichtete der Sender CNN. Ihr Freund habe sich im Dezember bei der Polizei gemeldet, weil er sich um die Sicherheit des gemeinsamen Kindes sorgte. In ihrer Wohnung wurden Antidepressiva und Medikamente zur Behandlung von Schizophrenie und einer bipolaren Störung gefunden, meldete CNN.

Möglicherweise litt C. an Wahnvorstellungen. Die Frau habe geglaubt, Präsident Obama würde mit ihr kommunizieren, sagte ein Ermittler, der seinen Namen nicht nennen wollte. Die Polizei habe C.s Familie über deren mentale Verfassung befragt. In den vergangenen zehn Monaten habe sich ihr Zustand offenbar verschlechtert, sagte der Beamte. Die 34-Jährige habe in der Vergangenheit wahnhafte Geschichten über den Präsidenten geäußert und geglaubt, Obama würde zu ihr sprechen.

Die Frau war am Donnerstag mit ihrem Kind auf dem Rücksitz in eine Sicherheitsbarrikade vor dem Weißen Haus gefahren und dann quer durch die Innenstadt in Richtung Kapitol gerast. Dutzende Polizeiautos verfolgten den Wagen. Nach dem Zusammenstoß mit einem Polizeiwagen wurde die Fahrerin von Polizisten getötet.

Beobachter wiesen darauf hin, dass die Zone um das Weiße Haus und das Kongressgebäude in Bezug auf Sicherheit ein äußerst sensibler Bereich sind. Polizeichefin Cathy Lanier hatte den Einsatz aller Beteiligten nach dem Vorfall gelobt: Die Sicherheitsschleusen hätten gut funktioniert. Beteiligt waren Dutzende Beamte von FBI, Secret Service, der für das Kapitol zuständigen Capitol Police und der Washingtoner Polizei.

wit/dpa/AP

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1. Liebe Amerikaner
paulkura 04.10.2013
findet euch damit ab, jeder kleine Fehler, egal aus welchem Grund, wird mit dem Tode bestraft. Rambo und 9/11 lassen grüßen.
2. Optional
weltenbummler1 04.10.2013
Man hätte auf die Reifen schießen können. Aber bei der Frau hätte sich auch um eine Terroristin mit Autobombe handeln können. Und dann wäre die von den Medien gestellte Frage gewesen: "Warum haben die nicht geschoßen?"
3.
funnyone2007 04.10.2013
Zitat von weltenbummler1Man hätte auf die Reifen schießen können. Aber bei der Frau hätte sich auch um eine Terroristin mit Autobombe handeln können. Und dann wäre die von den Medien gestellte Frage gewesen: "Warum haben die nicht geschoßen?"
weil das die Autobombe auch nicht verhindert hätte? In seltensten Fällen wird eine Autobombe mit einem Knopf gezündet und vor allem ballert man nicht nervös drauf los.
4.
Raúl gonzales 04.10.2013
Ist ein klarer fall von Mord! Im gleichen Stil verbreiten sie ihre Demokratie in der ganzen Welt und wundern sich das keiner sie mehr leiden kann.
5. To protect and to serve
Calex 04.10.2013
Zitat von sysopDie tödliche Verfolgungsjagd in Washington sorgt für Diskussionen in den USA. Die Polizei beteuert, richtig gehandelt zu haben. Kritiker halten ihr dagegen einen "ungeheuerlichen Fehler" vor. Ein Ermittler berichtet: Die erschossene Frau glaubte offenbar, Präsident Obama würde zu ihr sprechen. Tödliche Verfolgungsjagd in Washington: Kritik am Vorgehen der Polizei - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/toedliche-verfolgungsjagd-in-washington-kritik-am-vorgehen-der-polizei-a-926189.html)
To protect and to serve DAS ist die Aufgabe der Polizei in den USA. Nicht To shoot and to kill
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